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Foto © O-Ton

Nicht vom Weg abgekommen

LA TRAVIATA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
23. November 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Düsseldorf Lyric Opera in der Jazz-Schmiede, Düsseldorf

Sie sind nicht wegzu­dis­ku­tieren: die Berüh­rungs­ängste vieler Menschen, wenn es um Oper geht. Stadt­theater wie Opern­häuser wissen davon eine Arie zu singen. Julia Coulmas hat sich dafür nie inter­es­siert. Die Gründerin und Leiterin der Düsseldorf Lyric Opera ist davon überzeugt, dass man solche Menschen ebenfalls für Oper begeistern kann, wenn man nur auf sie zugeht. Coulmas liebt das Opern­museum, und sie glaubt, dass man mit einem niedrigst­schwel­ligen Angebot die Leute erreichen kann. Nicht die große, reich ausstaf­fierte Bühne, die von einem teuer bezahlten Regisseur bespielt wird, vor der ein Graben für Abstand zwischen Publikum und Bühne sorgt, machen in ihren Augen die Faszi­nation der Musik­gattung aus. Sie setzt auf Nähe und Selbst­ver­ständ­lichkeit. So findet sie immer wieder Wege, Opern aufzuführen.

Foto © O‑Ton

Als letztes Projekt der Düsseldorf Lyric Opera im laufenden Jahr schreibt sie einen Titel auf die Plakate, den nun wirklich jeder kennt. Und das, obwohl sie sich gerade von jedem Opern­di­rektor anhören kann, dass eine Traviata das Publikum auch nicht mehr zieht. Damit ist La traviata – die vom Weg Abgekommene – gemeint, eine der meist­auf­ge­führten Opern landauf, landab. 1853 wurde die Oper von Giuseppe Verdi im Teatro La Fenice in Venedig urauf­ge­führt – und floppte. Eine Kurtisane, die an Tuber­kulose stirbt: Das hatte das Publikum bis dato nicht auf der Bühne erlebt und wollte es auch nicht sehen oder hören. Nach gering­fü­gigen Überar­bei­tungen wurde die zweite Aufführung ein Jahr später im Teatro San Benedetto in Venedig auf die Bühne gebracht. Sie begründete den Siegeszug der Traviata, der bis heute anhält.

Die Jazz-Schmiede im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk ist in der inter­na­tio­nalen Jazz-Gemeinde eine feste Insti­tution. Sie verfügt über eine einfache Bühne, eine vernünftige Licht­technik und einen Flügel sowie ein behag­liches Ambiente. Für Opern­auf­füh­rungen ist sie kaum bekannt. Aber Coulmas hat damit schon alle Zutaten beisammen, um sich davon nicht abschrecken zu lassen. Viel schreck­licher war für sie die Erkenntnis, dass am vergan­genen Montag gerade einmal neun Eintritts­karten verkauft waren. Jetzt, am Samstag­abend, sind nahezu alle Stühle besetzt.

Auf der Bühne links ein C‑Flügel, daneben ist noch Platz für ein Tischchen mit zwei Stühlen und eine Liege oder Bank. Dahinter ist eine Leinwand aufge­hängt. Das Licht beherrscht Lars Wallet, der auf übertriebene Effekte verzichtet, aber einen guten Sinn für die Nuancen beweist. Links vor der Bühne hat Coulmas ihren Arbeits­platz, von dem aus sie die Projek­tionen und Töne steuert. Neben ihr nimmt Bass-Bariton Thomas Huy Platz, um gemeinsam mit ihr den Chor zu intonieren. Als Projek­tionen sind schöne Fotos von den Handlungs­orten zu sehen, die mit einem Bild von Annina, der Dienerin und Vertrauten Violettas, kombi­niert werden. Denn die spielt eine entschei­dende Rolle für das Verständnis des Geschehens. Schließlich darf Coulmas getrost davon ausgehen, dass die wenigsten ihrer Besucher den Inhalt der Oper kennen. Also hat sie die Regis­seurin Mira Deuster gebeten, die Geschichte aus Sicht von Annina zu erzählen. Deren Stimme erklingt nun von Fall zu Fall von der Festplatte. Das ist schön gelöst, denn so können die Übertitel entfallen.

Foto © O‑Ton

Unter der hervor­ra­genden musika­li­schen Leitung von Meghan Behiel ist das Personal auf drei Akteure zusam­men­ge­strichen. Und das funktio­niert hervor­ragend, auch wenn die Ballszene, neben der Sterbe­szene Kern- und Glanz­stück so mancher Insze­nierung, hier auf ein Foto vom Maskenball reduziert ist. Immerhin entsteht so ein Konzentrat der Gefühle, dass dem Abend dient. Coulmas ist es gelungen, drei ganz vorzüg­liche Sänger zu finden, die nicht nur ausge­sprochen textver­ständlich singen, sondern sich in den Szenen auch souverän zu bewegen wissen.

Ihr Debüt als Violetta gibt die Sopra­nistin Yvonne Prentki, die in Hannover studiert und bereits ihr erstes Lied-Album heraus­ge­bracht hat. Man darf dazu gratu­lieren, denn sie spielt und singt, als gehöre die Violetta längst zu ihrem Kernre­per­toire. Tenor Guillermo Valdés steht ihr als Alfredo Germont in nichts nach. Klaglos fügt sich Bass-Bariton Martin Lucaß im hohen Niveau des Gesangs ein, auch weiß er Vater Giorgio Germont mit ausrei­chendem Charisma darzu­stellen. Mit dem Sängertrio hat Coulmas eine sichere Bank, findet auch das Publikum, das mit Szenen­ap­plaus nicht spart.

Die Schluss­szene ist ein wenig entschärft, wenn Violetta auf ihrem Bett sanft entschlummert, anstatt in einem letzten Aufbäumen tot zusam­men­zu­brechen. Der Schuss Dramatik hätte es ruhig noch sein dürfen, aber das Publikum ist auch so schon vollkommen hin und weg. Da will es am Ende kaum noch jemanden auf den Stühlen halten. Und recht haben die Leute. Ein Abend mit einer sauber durch­dachten Regie und einer Sänger-Gala, die man schon an großen Häusern suchen muss. Der Instinkt gibt ihnen Recht, heute etwas Beson­deres erlebt zu haben.

Der unglaub­liche Arbeits­aufwand, der für diesen einen Abend betrieben wurde, erntet das verdiente Lob, führt aber schließlich auch dazu, dass Behiel überlegt, ob es wirklich bei der einen Aufführung bleiben soll. Das Votum der Besucher ist klar, und so darf man auf eine Wieder­holung im kommenden Jahr zumindest schon mal hoffen.

Michael S. Zerban

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