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Punk trifft Pink

ROMÉO ET JULIETTE
(Charles Gounod)

Besuch am
24. November 2024
(Premiere am 10. November 2024)

 

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Mehr als 100 Jahre hat es gedauert, bis Charles Gounods Roméo et Juliette in fünf Akten in einer Neuin­sze­nierung an der Berliner Staatsoper wieder zu sehen ist.

In der Insze­nierung der Regis­seurin Mariame Clément, ihrer ersten an der Staatsoper unter den Linden, wird die Handlung in eine bürger­liche Gegenwart verlegt, was die Gültigkeit der Handlung unter­streicht – Familien führen immer noch ihre Fehden und es gibt immer noch Klassen­un­ter­schiede. Diese Werte werden auch an die nächste Generation weiter­ver­mittelt. Bei Roméo und Juliette schließlich scheinen die Grenzen überwunden zu sein, und es besteht Hoffnung auf Einsicht. Eine Hoffnung, die durch ein unglück­liches Timing zunichte gemacht wird.

Foto © Monika Rittershaus

Umrahmt von kalei­do­sko­phi­schen Video­pro­jek­tionen von Sébastien Dupouey, deren Haupt­thema die Metamor­phose von Schmet­ter­lingen als Symbol für Leben und Tod ist, schafft Julia Hansen eine an die 1960-er Jahre erinnernde Kulisse der oberen Mittel­schicht. Juliettes Geburtstag wird mit Luftballons und Klamauk gefeiert. Ihr einziges rebel­li­sches Erken­nungs­zeichen ist ein Schopf mit ungepflegten, blauen Haaren. Roméos Punk-Freunde stürmen unein­ge­laden die Party, und so nimmt die klassische Liebes­ge­schichte ihren Lauf. Ein wichtiger und abschwä­chender Unter­schied zum Shake­speare-Original ist, dass Gounod Juliette gerade noch recht­zeitig für ein letztes Duett mit Roméo erwachen lässt, bevor sie beide, innigst umarmt, versterben. Gounod verzichtet auf alles, was er für unwichtig hält, und erreicht wirkungs­volle Intimität.

Clément vermeidet jede süßliche Romantik. In den Anfangs- und Schluss­szenen sitzt der Chor im Theater, wodurch eine weiter­e­Trennung zwischen dem Publikum und den Sängern geschaffen wird. Die Ereig­nisse, die sich auf der Bühne entfalten, sind das Ergebnis eines schlechten Timings, aber auch der eigent­lichen Handlungen und der zugrunde liegenden Emotionen. Clément erzählt die Geschichte eher aus der Perspektive von Juliette. Die einzige Nacht, die das Paar zusammen verbringt, findet in ihrem rosafar­benen Jugend­zimmer statt, und es sind ihre Zweifel an der Wirksamkeit des Giftes, die besungen werden. Die Hallu­zi­na­tionen, die Juliette nach der Einnahme des Giftes erleidet, werden tänze­risch darge­stellt, choreo­gra­fiert von Mathieu Guilhaumon.

Foto © Monika Rittershaus

Da es sich um die zweite Besetzung bei der besuchten Vorstellung handelte, sind Elsa Dreisig und Petr Nekoranec das Liebespaar – optimal aufein­ander abgestimmt in dem gleich­ge­stimmten leichten Vibrato ihrer jugend­lichen Stimmen. Beide etwas hilflos und naiv im Rausch der ersten echten Liebe. Dreisig ist die perfekte Juliette – kindlich in Statur und Stimme, ihre jugend­liche Naivität ist rührend und steht im Gegensatz zu dem harten Image, das sie der Welt mit ihren blauen Haaren und Netzstrümpfen zeigen will. Tenor Nekoranec ist ihr Roméo, der ihr physisch und psychisch ebenbürtig ist, ohne Macho-Gehabe, mit gepflegtem lyrischem Timbre. Bassba­riton Nicolas Testé stellt Frère Laurent als Religi­ons­lehrer dar, der von seinen jungen Schülern umgeben ist. Er glaubt daran, dass die Liebe alles besiegt, und an dessen Aufrich­tigkeit wird nie gezweifelt. Er führt eine impro­vi­sierte Hochzeits­ze­re­monie im Klassen­zimmer durch, vermutlich mit seinen beiden ehema­ligen Schülern. Obwohl als indis­po­niert angesagt, strahlt sein kerniger Bass-Bariton die Ruhe und Gebor­genheit, die die Rolle erfordert. Eine Luxus­be­setzung ist Marina Pruden­skaya in der Neben­rolle der Amme Gertrude, die mit ihrem warmen Mezzo die Liebe zu ihrem Schützling zum Ausdruck bringt. Tenor Johann Krogius verkörpert den Tybalt mit genau dem richtigen Hauch von Arroganz, während der Bariton Jaka Mihelač dem Mercutio eine melodra­ma­tische Anklang gibt. Bemer­kenswert ist auch die Darstellung des Stéphano durch die Mezzo­so­pra­nistin Ema Nikolavska, die ihr Herz so offen legt.

Die Staats­ka­pelle Berlin spielt mit lyrischem Feingefühl, aber unter der Leitung von Stefano Montanari schöpft sie den Farben­reichtum von Gougnods Musik nicht voll aus. Dagegen zeichnet sich der von Dani Juris einstu­dierte Chor durch einen homogenen Klang und eine gute Diktion aus. In der Tat ist es angenehm überra­schend, dass alle Sänger die wichtigste Regel der franzö­si­schen Musik befolgen: Diktion, clarté, élégance!

Ob die Produktion in 100 Jahren noch im Reper­toire der Staatsoper zu finden sein wird, ist fraglich, aber sie ist eine willkommene Ergänzung des aktuellen Repertoires.

Zenaida des Aubris

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