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Welche Adjektive werden sowohl mit Verdis als auch mit Shakespeares Macbeth in Verbindung gebracht? Düster, intrigant, rücksichtslos, ehrgeizig, gehemmt. Und viele mehr. Sowohl Shakespeare als auch Verdi machen daraus ein spannendes persönliches und politisches Drama.
Aber was macht die Regisseurin Marie-Ève Signeyrole an der Deutschen Oper Berlin daraus? Ein überladenes Sammelsurium von Botschaften, die weit hergeholt sind und nicht zum Verständnis der Geschichte beitragen und von unangebrachten Albernheiten nur so trotzen. Es ist ein Tribut an den schlechten Geschmack. Selbst im Zeitalter der Tabulosigkeit auf der Bühne gibt es eine Grenze dafür, wie viel explizite Informationen der Zuschauer erhalten soll.
Der Abend beginnt mit einem hübschen, eiskalten weiblichen Avatar, der von einer Videowand aus über die Optimierung von Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen spricht, die im Nordatlantik tätig sind und vom Machtkampf zwischen der Ölindustrie und Klimaaktivisten profitieren können.
Signeyrole übertreibt Macbeths Urangst, die Macht zu verlieren und keinen Erben zu haben. Den Prophezeiungen der Hexen folgend, lässt er Banquos Sohn und dessen Spielkameraden auf einem Kindergeburtstag vergiften – die Bühne ist am Ende der Szene voller kleiner Leichen und Luftballons. Was Macbeths eigene Fortpflanzungsakte angeht, so können er und seine Frau wahrscheinlich nicht einmal altmodischen und natürlichen Sex haben. Da hilft auch kein nackter Mann mit einem Rehgeweih als Symbol der Fruchtbarkeit, der über die Bühne läuft – das kann keinen erregen. Stattdessen kommen moderne Techniken zum Einsatz – angefangen bei expliziter Masturbation bis hin zur detaillierten künstlichen Befruchtung von Lady Macbeth in einer sterilen und abstoßenden Szene, einschließlich eines Videos, das zeigt, wie die Spermien zur Eizelle schwimmen, um sicherzustellen, dass jeder einzelne Zuschauer die Botschaft versteht. Der Eingriff ist tatsächlich erfolgreich, führt aber zu einer Totgeburt auf der Bühne, die mit reichlich Bühnenblut grafisch dargestellt wird und der Auslöser für Lady Macbeths Wahnsinnsarie ist.

Die Hexen werden als uniformierte, geklonte Lobbyistinnen dargestellt, die alle auf ihren Tablets in der digitalen Cloud nach prophetischen Antworten suchen und vermutlich der gleichen Partei angehören wie der weibliche Avatar. Man könnte noch viele weitere solcher Absurditäten aufzählen, aber eine solche Liste trägt nicht zum Verständnis, geschweige denn zum Vergnügen an der Oper bei. Das Bühnenbild von Fabien Teigné, die Kostüme von Yashi und die Videos von Artis Dzerve unterstreichen die ästhetische Sterilität von Signeyroles Konzept und häufen viel zu viele ablenkende Symbole auf eine Geschichte, die stark genug ist, um für sich selbst zu stehen. Viel weniger wäre viel mehr gewesen.
Der kraftvolle Bariton von Roman Burdenko ist eine gute Besetzung für die Rolle des ängstlichen Macbeth. Die Fassade seines Selbstbewusstseins ist dünn und seine unterschwelligen Ängste schimmern immer wieder ungehindert durch. Seine Lady ist Felicia Moore, die für die ausgefallene Anastasia Bartoli eingesprungen ist. Moore überzeugt vor allem in der zweiten Hälfte mit ihren kristallklaren und mühelosen hohen Tönen. Möglicherweise wegen der kurzfristigen Vertretung verkörpert sie ihre Rolle mit einer gewissen kühlen Unnahbarkeit, die zur Interpretation wird. Attilio Glaser singt Macduff mit einem schönen lyrischen Tenor, während Marko Mimica als Banquo mit seinem dunklen Bass voll überzeugt. Der von Jeremy Bines einstudierte Chor beweist seine Flexibilität und seinen differenzierten Klang.
Enrique Mazzola, ein häufiger und gern gesehener Gast im Orchestergraben, führt das Orchester der Deutschen Oper mit klarer Linie und verleiht diesem frühen Verdi die nötige Dosis Italianità, betont die dramatischen Tiefen und emotionalen Ausbrüche. Gelegentlich überlagert die Lautstärke des Orchesters die solistischen und chorischen Linien und verdeckt die Nuancen der Interpretationen der Sänger.
Das Berliner Publikum ist nicht gehemmt – die wenigen Bravi für das Regie-Team werden von einem Schwall an Buh-Rufen überrollt. Dagegen gibt es einhelligen Beifall für die Sänger und das Orchester.
Zenaida des Aubris