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25 JAHRE KABARETT FLIN
(Teresa Stößel)
Besuch am
28. November 2024
(Einmalige Aufführung)
Jubiläumsfeiern sind eigentlich nicht Berichtsgegenstand im seriösen Journalismus. Wenn hier trotzdem über das 25-jährige Bestehen des Kabaretts Flin erzählt wird, gibt es zurecht die Ausnahme von der Regel. Heute ist das Kabarett Flin eine Kulturgaststätte an der Ludenberger Straße im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg, angefangen hat es in Flingern als Theater Flingern. Später mehr zur Kulturgeschichte der Freien Szene und der besonderen Rolle des Theaters in Düsseldorf.
Seit 2020 betreiben Teresa und Kristof Stößel das Kabarett Flin. Und sie haben sich fest vorgenommen, das Jubiläum nach einem mehr als schwierigen Start gebührend zu feiern. Das Publikum weiß das zu würdigen und reißt sich um die Eintrittskarten. An diesem Abend gibt es keinen freien Platz mehr vor der Bühne. Und es beginnt sehr entspannt mit Begrüßungssekt und Buffet. So stellt sich sehr schnell die besondere Atmosphäre ein, die das ehemalige Tanzlokal mit seinen Kegelbahnen heute auszeichnet.

Das Kabarett ist tot. Wer heute ohne staatliche Subventionen auskommen muss, verzichtet auf den intelligenten, politischen Witz und setzt auf „Standup Comedy“ germanischer Couleur. Schenkelklopfer möglichst flach sind die Garanten der Unterhaltung. Das Kabarett Flin hat da keine Berührungsängste, solange die Aufführungen ausverkauft sind. Und so eröffnet Dat Rosi den Abend. Die Kunstfigur von Sabine Weigand erfreut sich im Düsseldorfer und Neusser Raum besonderer Beliebtheit. Auch an der Ludenberger Straße wird sie mit Begeisterung begrüßt, darf unter anderem aus dem Eheleben mit Manfred und von einem Besuch bei Starbucks erzählen, aus dem die Überforderung des deutschen Bürgers angesichts eines überbordenden Kaffee-Angebots und einer seltsam klingenden Speisekarte deutlich wird. Den Namen der Filialkette spricht dat Rosi so aus, wie er geschrieben wird. So viel zu der Auffassung der Werbestrategen, die glauben, Produkte besser verkaufen zu können, wenn man sie nur auf Englisch anpreist. Das nennt man wohl „dem Volk aufs Maul geschaut“. Zwei bekannte Melodien werden mit deutschen Texten versehen und runden den Auftritt ab.
Christoph Brüske gehört ebenfalls zum „Stammpersonal“ auf der Komödiantenbühne. Seit vielen Jahren ist der studierte Bassbariton unter anderem mit Solo-Programmen erfolgreich. Erstaunlich, dass Witze über „Wokeness“, und mögen sie noch so flach sein, die größten Lacherfolge erzielen. Darüber könnte man als Angehöriger der „aufgewachten Elite“ ins Grübeln geraten, wenn man nicht so sehr damit beschäftigt wäre, Andersdenkende zu diskriminieren und zum Schweigen zu bringen. Brüske folgt derweil seiner nächsten Erkenntnis, die zu einem äußerst originellen und schön umgesetzten Einfall führt. Die Tatsache, dass Karneval und Weihnachtszeit sich überschneiden, veranlasst ihn, Weihnachtslieder auf Karnevalsmelodien zu texten. Wunderbar. Auch er würzt seinen Vortrag mit viel Lokalkolorit. Das funktioniert immer.
Herz und Hafermilch stehen an diesem Abend für die Vielfalt des Angebots. Teresa Stößel und Petra Berghausen singen Herzerwärmendes und Selbstgedichtetes zur Musik von der Festplatte. Das Publikum ist entzückt. Zugleich ist der Auftritt schon mal ein Vorgeschmack auf ihr Konzert am 6. Dezember. Ehe es im regulären Programm weitergehen kann, stürmt „Wendy“ den Saal und begrüßt als „Überraschungsgast“ überschwänglich Philipp Kohlen-Priebe und Oliver Priebe, die Gründer des Theaters Flingern und seit fünf Jahren zum ersten Mal wieder zu Gast im Kabarett Flin. Wendy wird als langjährige Wegbegleiterin der beiden vorgestellt.

Dann kommt Kohlen-Priebe zu Wort, der den Rückblick übernimmt. Dankenswerterweise hält er das Buch Die Bretter, die die Stadt bedeuten hoch, das den Versuch unternimmt, die Geschichte der so genannten Freien Szene in Düsseldorf darzustellen und Pflichtlektüre für jeden Düsseldorfer, wenn nicht für jeden Kulturarbeiter sein sollte. Bis heute ist bei den Akteuren jener Zeit die Bitterkeit zu spüren, niemandem ist es gelungen, die Erinnerung etwas verklären zu lassen. Kohlen-Priebe und sein Mann zogen sich aus den Struktur- und Verteilungskämpfen der Szene zurück und übernahmen das Zimmertheater des Ehepaars Porsche in einem Hinterhof der Ackerstraße. Sie waren diejenigen, die es zu einer Bühne ausbauten und mit einem bunten Programmangebot zu einem legendären Stadtteiltheater werden ließen, wie es neben dem Kommödchen wohl kein zweites gab. Die Gentrifizierung zwang die Priebes 2014, den Hinterhof in Flingern zu verlassen. Sie fanden das ehemalige Haus Marx – in einem erbärmlichen Zustand, wie Kohlen-Priebe erzählt – und ließen daraus nach eigenen Entwürfen das bezaubernde Kabarett Flin in seiner heutigen Form entstehen.
Mit zu den bekanntesten Akteuren dieser Düsseldorfer Kulturszene darf man wohl Manes Meckenstock zählen, der sich als Kabarettist, Moderator und Autor einen Namen gemacht hat, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt geworden ist. Bis heute ist er auch immer wieder zu Gast im Kabarett Flin. Dass er gern mal übers Ziel hinausschießt, um es höflich auszudrücken, beweist er auch jetzt wieder, wenn er sich über das Gebiss eines verstorbenen Oberbürgermeisters belustigt. Es bleibt bei dem einen Ausrutscher. Stattdessen gefällt er als Moderator, wenn er die damaligen und heutigen Inhaber des Kabaretts Flin interviewt.
Ein langer Abend, der alles an Emotionen bereithält, was sich Besucher und schon erst recht die Anhänger des Kabaretts Flin nur wünschen können, geht mit dem Auftritt des Ehepaars Stößel zu Ende. Die beiden interpretieren den Schlager Regenbogenfarben, dem Helene Fischer zur Popularität verholfen hat. Schließlich gibt es noch eine gute Nachricht: In der kommenden Woche soll der Mietvertrag um weitere fünf Jahre verlängert werden. Wenn ein Theater nach 25 Jahren ohne Ermüdungserscheinungen voller Enthusiasmus in eine glückliche Zukunft schauen kann, weil die alten wie die neuen Betreiber offenbar alles richtig gemacht haben, dann darf man auch mal über ein Jubiläum und seine gelungene Feier berichten.