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Überraschende Klänge

ROMANTISCH – GIGANTISCH
(Diverse Komponisten)

Besuch am
15. Dezember 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Deutsche Kammer­aka­demie Neuss im Zeughaus, Neuss

Was die Tonhalle Düsseldorf in zwei Jahren regel­mäßig beginnen will, gehört bei der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss zur Routine in der Programm­planung. Hier fließen immer wieder auch Werke der Gegen­warts­musik oder zumindest Musik der jüngsten Vergan­genheit ein. Die von Veran­staltern immer wieder beschworene Ablehnung neuer Musik seitens des Publikums ist in Neuss unbekannt. Das zeigt sich auch heute Abend wieder.

Catherine Shaw ist 1982 in Green­ville im ameri­ka­ni­schen North Carolina geboren. Mit zwei Jahren, so erzählt es ihre Biografie, habe sie bereits zur Geige gegriffen und mit dreizehn Jahren kompo­nierte sie ihr erstes Streich­quartett. Ihr Studium absol­vierte sie an der Yale University, einer Privat­uni­ver­sität in New Haven, Connec­ticut, und wurde an der Princeton University in New Jersey im Fach Kompo­sition promo­viert. Über ihre Arbeit als Kompo­nistin sagt sie, sie stelle sich gern „eine Klangwelt vor, die noch nie zuvor gehört wurde, aber schon immer existiert hat“. Wenn sie nicht gerade auf der Suche nach solchen Welten ist, arbeitet sie als Geigerin, Sängerin, Arran­geurin und Produzentin.

Foto © O‑Ton

Der Begriff Entr’acte bezeichnet eine Zwischenakt­musik, in der Regel instru­mental, die in der Pause zwischen den Akten oder Bildern eines Schau­spiels, Musicals oder einer Oper gespielt wird. Shaw hat ein Werk für das Brentano-Quartett mit Entr’acte betitelt, das 2011 in Princeton urauf­ge­führt wurde und das sie drei Jahre später für Streich­or­chester arran­gierte. Jetzt wollen 20 Musiker der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss unter der musika­li­schen Leitung von Isabelle van Keulen das Stück im Zeughaus dem Neusser Publikum vorstellen. Van Keulen verzichtet dabei auf ihren Platz am Pult und greift statt­dessen lieber selbst zur Geige. Zu hören ist ein wunder­bares Werk, das zu Beginn Haydn zitiert und so mit vertrauten Klängen Sympathie erweckt, die Shaw in der eigenen Tonsprache wider­spiegelt, was mitunter eher an ein munteres Zupfkonzert als an satte Strei­ch­er­klänge erinnert. Eleganz, Virtuo­sität und Fantasie reichen sich hier die Hand. Und es steht außer Frage, dass es die Töne längst gab. Aber genau so sicher ist, dass die Kompo­nistin sie sehr gekonnt gefunden hat.

Wenn Shaw sich zu ihrem Entr’acte von Joseph Haydns letztem Streich­quartett in F‑Dur inspi­rieren ließ, liegt es nahe, ein Werk des Meisters aus vergan­genen Zeiten folgen zu lassen. Die Wahl fällt auf das Violin­konzert in C‑Dur mit dem Unter­titel Fatto per il Luigi, für Luigi gemacht. Der italie­nische Geiger und Komponist Luigi Tomasini war Konzert­meister im Orchester der Ester­házys im Burgenland, jenem Hof, an dem Haydn viele Jahrzehnte als Kapell­meister und Hauskom­ponist wirkte. Der Jungmu­siker aus Pesaro dürfte sich in der Solisten-Rolle gefallen haben, bietet sie doch Möglich­keiten, sich zu profi­lieren, ohne es sich mit dem Orchester zu verscherzen. Van Keulen positio­niert sich in der Mitte des Podiums, von wo aus sie leich­ter­dings das Spiel des Tomasini übernimmt und ihre Musiker mit kleinen Gesten motiviert. Das sieht so charmant und liebevoll, so angedeutet aus, dass man von Dirigat nicht sprechen mag.

Foto © O‑Ton

Auf den Dirigen­tenstab verzichtet van Keulen auch beim nächsten Werk, reiht sich lieber wieder in das Orchester ein. Schaut man sich den Umgang zwischen Orchester und Künst­le­ri­scher Leiterin an, wird schon klar, warum van Keulen ihren Vertrag bis 2027 verlängert hat. Hier wird nicht mit Zuckerbrot und Peitsche, sondern lieber mit Vertrauen und Wertschätzung gearbeitet. Und das hört man dann auch. Wie im nachfol­genden Werk von Anton Bruckner aus dem Jahr 1881, dem Streich­quintett in F‑Dur. Daraus trägt das Orchester den dritten Satz vor, den Höhepunkt des Werks. „Choral­hafte Momente, grandiose Steige­rungen und der verklärte Ausgang zaubern den typischen Bruckner-Stil in den Saal“, beschreibt Matthias Corvin im Programmheft die Wirkung des Adagios. Recht hat er.

Musik­wis­sen­schaftler mag der Bruckner mehr beein­drucken, hinge­rissen ist das Publikum von dem, was der Arbeit des wortkargen Öster­rei­chers folgt. Der Serenaden-Fuchs wird vorge­stellt. Gemeint ist damit der in der Steiermark geborene Robert Fuchs, ein talen­tierter Geiger, Pianist, Organist und Flötist, der ein umfang­reiches Œuvre schuf, in Wien aber vor allem mit seinen fünf Strei­cher­se­re­naden berühmt wurde.

1878 erschien die Serenade Nr. 3 in e‑Moll mit einer Widmung an die Kaiserin Elisabeth von Öster­reich-Ungarn, besser bekannt als Sissi. Es soll hier nicht erörtert werden, inwieweit eine Sissi auch im dreisät­zigen Werk erkennbar wird, wichtiger ist wohl, dass nach der Romanze und dem Menuett das Allegretto grazioso für richtig gute Laune sorgt, wenn nicht gleich zum Gassen­hauer taugt. Im letzten Satz, dem Finale alla Zingarese – dem Ende auf Zigeu­nerart – will Corvin Sissis Liebe zu Ungarn erkennen. Mag sein, in jedem Fall ist es hinreißend. „Fuchs ist doch ein famoser Musiker, alles ist so fein, so gewandt, so reizend erfunden. Man hat immer eine Freude daran“, hat Johannes Brahms über seinen Freund nach diesem Werk gesagt. Nach einer kurzen Zugabe bestätigt das Publikum seine Auffassung. Ein herrlicher Abend, der vor allem durch die Randstücke besticht, eines davon übrigens aus dem Jahr 2014.

Michael S. Zerban

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