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Ästhetik des Abschreckens

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
20. Dezember 2024
(Premiere am 2. Oktober 2008)

 

Bayerische Staatsoper, München

Es gibt Insze­nie­rungen, die die Jahre völlig unbeschadet überdauern. Herbert Wernickes Elektra von 2002 am Münchner Natio­nal­theater ist so eine, die man bis heute sehr gut anschauen kann, die auch heute noch funktio­niert. Und dann gibt es solche, die ihre Zeit schon hinter sich gelassen haben, die bei der Premiere aufrüt­telnd und spekta­kulär gewesen sein mögen, aber bis heute ihren Zündfunken verloren haben. Martin Kušejs Macbeth gehört hierzu.

Viele verschiedene Beset­zungen sind auf dieser mit Leichen gespickten Bühne von Martin Zehet­gruber schon über die unzäh­ligen Toten­schädel balan­ciert und gestolpert, sind anstatt in prunk­volle Gemächer in ein Zelt auf der Heide gekrochen und haben sich meist am Bühnen­vor­derrand zwischen trans­pa­renten Plastik­bahnen mit mehr oder weniger großem Impetus in die jewei­ligen Arien geworfen. Aber von vorne.

Macbeth ist die schwär­zeste und unheim­lichste Oper Verdis, Hexen treiben ihr Unwesen, und die verkom­menen Seelen des meuchel­mor­denden, macht­be­ses­senen Paares suchen ihres­gleichen. Regisseur Kušej macht die Kinder­lo­sigkeit des Paares zum Mittel­punkt seiner Umsetzung, im Vorspiel sieht man Lady Macbeth in blutigem Nachthemd, die ihr im Zelt neuge­bo­renes Kind zu den Toten­schädeln legt. Die Hexen sind bei ihm Kinder, die ein ganzes Heer von Statisten in ihr ungutes Werk einbinden. Bei John Carpenters Horrorfilm Das Dorf der Verdammten hat er sich bildlich bedient, die Kinder sind von Kostüm­bildner Werner Fritz entspre­chend mit grauen Kleidern und Anzügen und weißblonden Perücken ausge­stattet. Nach Bankos Tod verfolgen sie alle den Mörder Macbeth mit Bankos Gesichts­zügen als Maske.

Kušej konzen­triert sich ganz auf schockie­rende Momente, die beein­drucken sollen, bis hin zur ästhe­ti­schen Darstellung gefol­terter Menschen, die schön drapiert von der Decke hängen. Die Hexen-Statisten verändern sich optisch ständig bis hin zur völligen Nacktheit, kopulieren im Blitz­licht­ge­witter, urinieren in bereit­ge­stellte Metall­gefäße, die danach in Flammen aufgehen, ergehen sich im Kampf gegen unsichtbare Mücken, Flöhe oder Monster in Zuckungen, bedrängen Macbeth. Das wirkt alles recht aufge­setzt, es fehlt dem Ganzen aber an einer durch­ge­henden inneren Spannung, was auch das sehr effektiv einge­setzte Licht von Reinhard Traub nicht verhindern kann.

Foto © Geoffroy Schied

Zu retten ist eine solch plakative Mise en scène durch die Musik. Andrea Battistoni liefert im Graben des Natio­nal­theaters mit dem Bayeri­schen Staats­or­chester eine scharf akzen­tu­ierte und klar diffe­ren­zierte Lesart dieses Macbeth nach der zweiten Fassung von Francesco Maria Piave, treibt die Darsteller an, pompös und heftig. Stellt mit seinem Langkörper überzeugend Sturm, Gewitter und Geister­stim­mungen dar und findet immer wieder zurück in die leisen, die unheil­schwan­geren Töne.

Die Solisten des Abends wirken sehr unter­schiedlich. An erster Stelle Gerald Finley, der mit seinem edlen Bariton sehr angenehm und gefühls­reich den Macbeth gibt. Etwas unent­schieden wirkt er manchmal, aber dadurch durchaus zu seiner Rolle passend. Neben ihm verströmt Dmitry Ulyanov als Banco seinen dunklen und kräftigen Bass mit toller Höhe. Seine macht­volle, sehr sonor geführte und ausdrucks­reiche Stimme würde man gerne bis zum Ende der Aufführung im Ensemble hören. Giovanni Sala mit elegantem Tenor als Macduff gerät absolut verdient zum Publi­kums­liebling, sein Auftritt zusammen mit Granit Musliu als Malcolm lässt zum ersten Mal am Abend richtig Spannung aufkommen. Der 25-jährige Tenor Musliu war Mitglied des Opern­studios der Bayeri­schen Staatsoper und ist seit der letzten Spielzeit hier im Ensemble. Eine vielver­spre­chende Stimme. Die kleineren Rollen sind mit Elena Gvritishvili, Martin Snell, Christian Rieger, Pavel Horodyski, Seonwoo Lee und einem Solisten des Tölzer Knaben­chores ausnahmslos gut besetzt.

Und die Lady? Anastasia Bartoli verfügt über eine kräftige, ins Drama­tische weisende Stimme. In der Tiefe manchmal sehr direkt, in der Höhe sehr fokus­siert geführt, setzt sie eine geradezu stählerne Kraft über den organi­schen und auch schau­spie­le­ri­schen Ausdruck. Bei aller Macht­be­ses­senheit, die die Rolle fordert, ist das mit der Zeit für den Zuhörer etwas ermüdend. Der im Trailer zu sehende Spaziergang um den Kronleuchter herum entfällt an diesem Abend.

Der Bayerische Staats­opernchor macht seine Sache in der Einstu­dierung von Christoph Heil gut, erscheint aber nur ab und zu bei den Statisten auf der Bühne und wird ansonsten in den Orches­ter­graben oder auf die Seiten­bühne verbannt. Seltsam unnatürlich wirken die Verstär­kungen mancher Chor- und Kinder­szenen durch die Lautsprecher.

Das Publikum im ausver­kauften Haus dankt den Mitwir­kenden mit kräftigem, wenn auch nicht enthu­si­as­ti­schem Applaus.

Jutta Schwegler

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