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Foto © O-Ton

Glatte Musik und schmissiger Frohsinn

NEUJAHRSKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
1. Januar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Sinfo­nie­or­chester Wuppertal, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Allerorts stehen auf Programmen von Neujahrs­kon­zerten schwung­volle, allseits bekannte Nummern wie Walzer, Märsche, Polkas oder Galopps. Auch das Sinfo­nie­or­chester Wuppertal lässt sich nicht lumpen und bietet zum allsei­tigen Ergötzen eine Auswahl solcher Nummern. Doch es beschränkt sich nicht nur darauf, sondern präsen­tiert darüber hinaus auch gehobene Werke. Dieses Mal hat es mit Friedrich Haider einen Dirigenten einge­laden, der ein ausge­wie­sener Spezialist in Sachen Leben und Werk des deutsch-italie­ni­schen Kompo­nisten Ermanno Wolf-Ferrari ist. Es wundert also nicht, dass er eine kleine Auswahl seiner Tonschöp­fungen mit im Gepäck hat, um im ausver­kauften Großen Saal der Histo­ri­schen Stadt­halle auch in Wuppertal die Musik des in Verges­senheit geratenen Künstlers bekannt zu machen.

Foto © O‑Ton

Der Komponist, Sohn des deutschen Malers August und der Venezia­nerin Emilia Ferrari und 1876 im Geburts­re­gister als Herrmann Friedrich Wolf einge­tragen, fügte ab 1895 den Geburts­namen seiner Mutter hinzu und änderte seinen Vornamen in Ermanno. Zu Lebzeiten, gerade um die Jahrhun­dert­wende, stand er hoch im Kurs. Laut Haider, der kurz in sein Leben und Werk einführt, gehörte er zu den sechs Kompo­nisten, deren Opern am meisten aufge­führten wurden. Um seine Person machte er kein Aufhebens, war er doch ein sehr beschei­dener und zurück­hal­tender Mensch. Er mied die laute Welt. Neben der Musik war die Philo­sophie seine Lieblings­be­schäf­tigung. Seine nachro­man­tische Musik­sprache ist unpro­ble­ma­tisch, schwe­relos, glatt und sehr eingängig, also ohne Ecken und Kanten. Seine Stücke sprießen vor melodi­schem Einfalls­reichtum. Seinem Stil blieb er bis zu seinem Tod anno 1948 treu. Er machte also neue zeitge­nös­sische Kompo­si­ti­ons­tech­niken nicht mit. Obwohl seine Musik sehr eingängig ist, war er keineswegs erpicht darauf, dass sie gefällt – ganz im Gegensatz zu dem ein oder anderen modernen Tonschöpfer. Vielmehr war es seine tiefe innere Überzeugung, gesell­schaft­liche bezie­hungs­weise soziale Aspekte mit all ihren Höhen, Tiefen und Konflikten nicht in Töne zu fassen. In dem hier und jetzt mit all seinen Kriegen und mensch­lichen Polari­sie­rungen lädt seine Musik dazu ein, einmal abzuschalten von den alltäg­lichen Problemen und es sich etwa mit einem leckeren Getränk entspannt gut gehen zu lassen.

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Dazu können also auch Neujahrs­kon­zerte passen, bei denen entspannt-beschwingter Hörgenuss im Vorder­grund steht. Zumindest während der ersten drei kurzen Nummern aus drei seiner Opern – Inter­mezzo aus Die vier Grobiane, Ouvertüre zu Susannas Geheimnis und Inter­mezzo Nr. 2 aus Der Schmuck der Madonna – kann man sich wohlig zurück­lehnen. Dafür sorgen die bestens dispo­nierten städti­schen Sinfo­niker, die unter Haiders umsich­tiger Stabführung mit vielfäl­tigen nuancierten Klang­bildern überzeugen. Beim seinem Violin­konzert in D‑Dur hört man gebannt und konzen­triert zu. Das liegt in erster Linie am Solisten Benjamin Schmid, der ganz kurzfristig für den laut Orches­ter­ma­nager Raimund Kunze erkrankten Alban Beikircher einspringt. Es ist zwar ebenso ein rundum schönes Stück, voller gefäl­liger musika­li­scher Linien, reizender Rhythmen oder Klang­farben. Vom Orchester feinfühlig begleitet, brilliert der Geiger mit großen musika­li­schen Bögen und selbst an sehr heiklen, hochvir­tuosen Stellen mit einer entspannt-sonoren, sensiblen, nie in den Kitsch verfal­lenden Tongebung, die in ihren Bann zieht.

Nach diesem Wolf-Ferrari-Block wird der Frohsinn richtig groß geschrieben. Schwungvoll werden die Polka aus Bedřich Smetanas Oper Die verkaufte Braut und ein Walzer aus der Feder von Antonín Dvořák zu Gehör gebracht. Schmissig geht es bei Johann Strauss Sohn mit der Polka Nur nicht mucken, dem Walzer Tausend und eine Nacht und der Ouvertüre zu Der Zigeu­ner­baron zur Sache. Der Seufzer-Galopp von Johann Strauss Vater ist Anlass für die Sinfo­niker, bei den für sie vom Dirigenten gewollten übertrie­benen Betonungen des Seufzer-Motivs zu streiken. Kurz vor Schluss hören sie auf zu spielen, während Haider vergeblich wild durch die Gegend fuchtelt. Schließlich hat der Konzert­meister ein Einsehen und gibt das Signal zum Schluss­akkord. Neben dem kleinen Spaß kommen außerdem dynamisch-beschwingt die Polka Kleine Chronik von Eduard Strauss und von Joseph Hellmes­bergers die Polka Unter vier Augen sowie der Galopp Kleiner Anzeiger von der Bühne.

Das Publikum zeigt sich begeistert und feiert vor der Pause Schmid wie am Schluss Orchester und Dirigent mit nicht enden wollenden, stehenden Ovationen. Ohne Sorgen, eine Polka von Josef Strauss, lässt als Zugabe die rund drei Stunden Kurzweil lebendig ausklingen.

Hartmut Sassen­hausen

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