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DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN
(Leoš Janáček)
Besuch am
15. Januar 2025
(Premiere am 29. Oktober 2008)
Leoš Janáček, 1854 in Mähren geboren, hat die längste Zeit seiner musikalischen Tätigkeit in einer gewissen Abgeschiedenheit in Brünn gelebt und dort einen sehr persönlichen, originellen Kompositionsstil zwischen Folklore und Moderne entwickelt. Dabei kommt das Thema des Schlauen Füchsleins seiner Suche nach den „Stimmen“ der Natur, aber auch nach den verschiedenen Lauten der menschlichen Stimme sehr entgegen. Janáček schreibt für die Oper sein eigenes Drehbuch nach einem Märchen von Rudolf Těsnohlídek. Doch er betont immer wieder, dass das Werk wegen seiner Tiergestalten in menschlicher Form dennoch nicht als Allegorie des menschlichen Lebens zu werten sei. Er bezeichnet seine Oper als eine „Wald-Idylle“ des Zusammenlebens von Tier und Mensch, die offensichtlich für heutige Begriffe sehr optimistische pantheistische Ideen enthält. Auch ist die Oper immer wieder von einer stillen Sehnsucht untermalt. Milan Kundera schreibt darüber: „Elegische Nostalgie: erhabener und ewiger Stoff der Musik und der Poesie. Aber die Nostalgie, die Leoš Janáček im Schlauen Füchslein enthüllt, ist weit entfernt von den theatralischen Gesten, die die Vergangenheit beweinen. Schrecklich realistisch findet man sie dort, wo niemand sie sucht: im Geschwätz alter Männer im Wirtshaus; im Tod eines armen Tieres; in der Liebe eines Lehrers, der vor einer Sonnenblume kniet.“
In seiner Inszenierung von 2008 hat André Engel die Oper denn auch mit einer einfallsreichen und witzigen Personen-Regie im Sinne einer Fabel für Kinder und Erwachsene auf die Bühne gebracht. Elisabeth Neumullers Kostüme unterstützen ihn dabei. Ihre Tierverkleidungen sind zwar meist nur angedeutet, werden aber durch entsprechende Gesten und durch Francoise Grès‘ Choreografie ergänzt. Das ist besonders wirksam und amüsant in der Sommerszene im Bauernhof im ersten Akt, in der die schlaue Füchsin die Hennen – feministisch und revolutionär – aufruft, sich gegen den Hahn aufzulehnen und als die nicht reagieren, sie als rückständiges Proletariat beschimpft. In der Hochzeitsszene von Fuchs und Füchsin hat Neumuller dann ihre volle Fantasie spielen lassen und alle zum Fest geladenen Tiere, Vögel und Insekten mit witzigen Prachtkostümen ausgestattet. Ebenso heiter und dann wieder traurig die Herbstszene am Land, in der die unzähligen Welpen, alles Nachkommen der schlauen Füchsin, miteinander spielen, bis schließlich ihre Mutter doch von einem Wilderer erschossen wird. Doch das Leben geht weiter.

Nicky Rietis Bühnenbilder sind unterschiedlich gut gelungen. Obwohl es nicht Wald ist, hat das Sonnenblumenfeld, aus dem hin und wieder Insektenköpfe auftauchen, mit den beiden Telegrafenstangen und dem Schienenstrang viel Atmosphäre. Hingegen hätte man sich den Bauernhof malerischer gewünscht. Hier sieht er eher wie ein verwachsener Kleinbahnhof aus. Ebenso ist das Wirtshaus kaum als solches zu erkennen. Dagegen ist das Winterbild dann wieder nostalgisch-stimmungsvoll.
Musikalisch wird die Aufführung von einem sehr gut aufeinander eingespielten Ensemble getragen. Allen voran singt Elena Tsallagova das Füchslein mit heller, äußerst beweglicher, klarer, auch in den Spitzentönen gut kontrollierter Stimme. Sie spielt, turnt und springt geschmeidig über die Bühne. Ihren wohlwollenden Widersacher, den Förster, spielt und singt gelassen mit warmer, voller Bassstimme Milan Siljanov. Weniger wohlwollend und gelassen, aber sehr glaubhaft in ihrer Wut über die Füchsin ist Marie Gautrot als die Frau des Försters, ebenso als die eifersüchtige Eule. Paula Murrihy als Fuchs gewinnt mit schön timbriertem Mezzosopran und charmantem Gehaben das Herz der Füchsin. Als der Schulmeister, der im Rausch einer Sonnenblume den Hof macht, erfreut uns Eric Huchet. Er singt auch die Mücke. Caton Fréderic verkörpert würdevoll den Pfarrer und Tadeás Hoza den schmierigen Vagabunden und Wilderer. Die übrigen Ausführenden vollenden ein ausgezeichnetes Ensemble. Nicht zu vergessen sei der Prager Philharmonische Kinderchor, der sich als die Welpen tummelt oder als die vielen summenden und piepsenden Insekten herumschwirrt.
Juraj Valčuha dirigiert eindringlich und energisch, dann aber auch lyrisch in den wehmütigen Szenen, die Solisten, den Chor und das Orchester der Opéra national de Paris.
Das Publikum ist hoch erfreut.
Alexander Jordis-Lohausen