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BECHSTEIN YOUNG PROFESSIONALS
(Diverse Komponisten)
Besuch am
31. Januar 2025
(Einmalige Aufführung)
Die Klavierbauer im qualitativ hochwertigen Segment müssen kämpfen. Die Zeiten, als das Klavier die Gitarre als Hausinstrument ablöste und in jedem durchschnittlichen Haushalt zum Inventar gehörte, sind lange vorbei. Die Wohnungen sind kleiner geworden, der Musikunterricht in Schulen gehört schon beinahe der Vergangenheit an, und wer tatsächlich noch zu Hause lernen will, ist auch mit einem E‑Piano erst mal gut aufgehoben. In Asien, wo das Klavier noch in mindestens jeden Haushalt mit Kindern gehört, der es sich nur irgendwie leisten kann, bearbeiten längst Billiganbieter den Markt. Marken wie Bechstein, Bösendorfer oder Steinway finden auch in Europa immer schwierigere Absatzmöglichkeiten. Da muss das Marketing ganze Arbeit leisten. Und es gehört zum guten Ton, Menschen vom Kindes- bis zum Greisenalter für das Klavierspiel zu begeistern und an die eigene Marke zu binden. Also werden junge Menschen umworben, aufstrebende Klaviertalente genauso gebunden wie die Berühmtheiten, die als „Botschafter“ verpflichtet werden.

Reza Indrakesuma, Leiter des C.-Bechstein-Centrums in Düsseldorf, ist da insofern ein kleiner Coup gelungen, als er eine Kooperation mit der Robert-Schumann-Hochschule vereinbaren konnte. So wurde die Reihe „Bechstein Young Professionals“ initiiert. Die Klavier-Studenten der Musikhochschule bekommen die Möglichkeit, in den Geschäftsräumen unweit der Königsallee zu konzertieren. Eine Win-Win-Situation. Die Studenten bekommen die Gelegenheit, vor Publikum außerhalb der Hochschule aufzutreten, das Publikum kommt in den Genuss eines kostenlosen Konzertbesuchs, und das Bechstein-Centrum generiert en passant Besucherverkehr in den Geschäftsräumen, in denen Bechstein bekanntlich in Düsseldorf eine ganz wunderbare Konzert-Lounge eingerichtet hat. An der Kommunikation hapert es derweil noch ein wenig.
Man muss schon auf die Netzseite des Centrums gehen und unter dem Menüpunkt Veranstaltungen suchen, um eine solche Aufführung zu entdecken. Regelmäßige Terminpläne oder etwa die Ankündigung „Das nächste Konzert in der Reihe Bechstein Young Professionals findet statt am …“ sucht man ebenso vergebens wie Informationen über die Künstler. Die Namen, die aufzuführenden Werke müssen dem interessierten Besucher genügen. Auch in den so genannten Sozialen Medien gibt es lediglich den Hinweis darauf, dass in ein paar Tagen wieder ein solches Konzert stattfindet.
Dass heute zwei Jungstudenten am Konzert teilnehmen, erfährt man erst vor Ort. Dabei ist das ja eigentlich eine spannende Geschichte. Jungstudenten kennt man aus dem Radio. Das sind in der Regel 14- bis 18-jährige Menschen, die in ihrem Metier so bewandert sind, dass sie neben der Schule bereits die Universität oder Musikhochschule besuchen. Aber was sie auszeichnet, über welche besonderen Fähigkeiten sie verfügen, erfährt man in der Regel nicht und schon erst recht sehr selten am praktischen Beispiel. Auch in der Konzert-Lounge bekommt man freundlich einen Abendzettel überreicht, auf dem die Informationen sich mit den Namen des Lehrers, der Künstler und des darzubietenden Programms erschöpfen.

Schön, wenn die Eltern der Nachwuchskünstler vor Ort sind. Da entspinnen sich Gespräche wie heute Abend zwischen einem gebürtigen Russen und dem Vater einer Künstlerin. Ob man für die Tochter nach Deutschland gekommen sei, ob man nach dem Studium wieder nach Asien zurückkehre, wo sie denn in der Zwischenzeit wohnen. Herrlich. Stellte ein Deutscher solche Fragen, könnte man wohl am nächsten Tag in der Zeitung über die fremdenfeindlichen Klischees der Deutschen nachlesen. Der Vater, eigentlich ein freundlicher Mensch, jedenfalls ist konsterniert und antwortet schmallippig, ehe er sein Mobiltelefon für die Videoaufnahme einstellt.
Lisa Eisner-Smirnova studierte in Salzburg und Moskau, absolvierte eine internationale Karriere und leitete Festivals. Heute arbeitet sie als Professorin an der Robert-Schumann-Hochschule und ist im Bechstein-Centrum erschienen, um ihren Schützlingen beizustehen. Zwei Jungstudentinnen und eine Master-Absolventin hat sie ausgewählt, um den spärlich erschienenen Besuchern einen unvergesslichen Konzertabend zu bereiten.
Yiyi Han beeindruckt zunächst durch schwarzglänzende Haarpracht und ein schwarzes Samtkleid. Das Mädchen setzt sich an den Flügel und beginnt mit Johann Sebastian Bachs Toccata in e‑Moll. Als sei das nicht Anspruch genug, erfreut sie anschließend mit zwei Nocturnes von Frédéric Chopin. Notenblätter sucht man an diesem Abend vergebens. Die annähernde Perfektion ist atemberaubend.
Die Leichtigkeit des Spiels und die tiefe Kontemplation zeichnen alle drei Nachwuchs-Pianistinnen gleichermaßen aus, so auch die Jungstudentin Hanako Schatz, die mit den Papillons von Robert Schumann brilliert und mit dem Liebestraum Nr. 3 von Franz Liszt einen „Schlager“ zum Besten gibt. Schon jetzt kann man in der Stille eine Stecknadel fallen hören. Das Publikum ist fasziniert. Das ändert sich auch bei der Dritten im Bunde, Yuka Atsuki, nicht, die sich tief über die Klaviatur beugt, um die Sonate in c‑Moll von Joseph Haydn zu interpretieren. Zum Abschluss präsentiert sie fünf Werke aus den Präludien opus 23 von Sergej Rachmaninoff, die dem Abend mit ihrer kräftigeren Gangart noch einmal ordentlich Würze verleihen.
Das Fazit des Abends: Lisa Eisner-Smirnova kann stolz auf ihre Schülerinnen sein. Das Niveau ist so hoch, da kannst du nur noch staunen.
Michael S. Zerban