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Foto © Michael Zerban

Da kannst du nur noch staunen

BECHSTEIN YOUNG PROFESSIONALS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
31. Januar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

C.-Bechstein-Centrum, Düsseldorf

Die Klavier­bauer im quali­tativ hochwer­tigen Segment müssen kämpfen. Die Zeiten, als das Klavier die Gitarre als Hausin­strument ablöste und in jedem durch­schnitt­lichen Haushalt zum Inventar gehörte, sind lange vorbei. Die Wohnungen sind kleiner geworden, der Musik­un­ter­richt in Schulen gehört schon beinahe der Vergan­genheit an, und wer tatsächlich noch zu Hause lernen will, ist auch mit einem E‑Piano erst mal gut aufge­hoben. In Asien, wo das Klavier noch in mindestens jeden Haushalt mit Kindern gehört, der es sich nur irgendwie leisten kann, bearbeiten längst Billig­an­bieter den Markt. Marken wie Bechstein, Bösen­dorfer oder Steinway finden auch in Europa immer schwie­rigere Absatz­mög­lich­keiten. Da muss das Marketing ganze Arbeit leisten. Und es gehört zum guten Ton, Menschen vom Kindes- bis zum Greisen­alter für das Klavier­spiel zu begeistern und an die eigene Marke zu binden. Also werden junge Menschen umworben, aufstre­bende Klavier­ta­lente genauso gebunden wie die Berühmt­heiten, die als „Botschafter“ verpflichtet werden.

Yiyi Han – Foto © Michael Zerban

Reza Indra­kesuma, Leiter des C.-Bechstein-Centrums in Düsseldorf, ist da insofern ein kleiner Coup gelungen, als er eine Koope­ration mit der Robert-Schumann-Hochschule verein­baren konnte. So wurde die Reihe „Bechstein Young Profes­sionals“ initiiert. Die Klavier-Studenten der Musik­hoch­schule bekommen die Möglichkeit, in den Geschäfts­räumen unweit der Königs­allee zu konzer­tieren. Eine Win-Win-Situation. Die Studenten bekommen die Gelegenheit, vor Publikum außerhalb der Hochschule aufzu­treten, das Publikum kommt in den Genuss eines kosten­losen Konzert­be­suchs, und das Bechstein-Centrum generiert en passant Besucher­verkehr in den Geschäfts­räumen, in denen Bechstein bekanntlich in Düsseldorf eine ganz wunderbare Konzert-Lounge einge­richtet hat. An der Kommu­ni­kation hapert es derweil noch ein wenig.

Man muss schon auf die Netzseite des Centrums gehen und unter dem Menüpunkt Veran­stal­tungen suchen, um eine solche Aufführung zu entdecken. Regel­mäßige Termin­pläne oder etwa die Ankün­digung „Das nächste Konzert in der Reihe Bechstein Young Profes­sionals findet statt am …“ sucht man ebenso vergebens wie Infor­ma­tionen über die Künstler. Die Namen, die aufzu­füh­renden Werke müssen dem inter­es­sierten Besucher genügen. Auch in den so genannten Sozialen Medien gibt es lediglich den Hinweis darauf, dass in ein paar Tagen wieder ein solches Konzert stattfindet.

Dass heute zwei Jungstu­denten am Konzert teilnehmen, erfährt man erst vor Ort. Dabei ist das ja eigentlich eine spannende Geschichte. Jungstu­denten kennt man aus dem Radio. Das sind in der Regel 14- bis 18-jährige Menschen, die in ihrem Metier so bewandert sind, dass sie neben der Schule bereits die Univer­sität oder Musik­hoch­schule besuchen. Aber was sie auszeichnet, über welche beson­deren Fähig­keiten sie verfügen, erfährt man in der Regel nicht und schon erst recht sehr selten am prakti­schen Beispiel. Auch in der Konzert-Lounge bekommt man freundlich einen Abend­zettel überreicht, auf dem die Infor­ma­tionen sich mit den Namen des Lehrers, der Künstler und des darzu­bie­tenden Programms erschöpfen.

Hanako Schatz – Foto © Michael Zerban

Schön, wenn die Eltern der Nachwuchs­künstler vor Ort sind. Da entspinnen sich Gespräche wie heute Abend zwischen einem gebür­tigen Russen und dem Vater einer Künst­lerin. Ob man für die Tochter nach Deutschland gekommen sei, ob man nach dem Studium wieder nach Asien zurück­kehre, wo sie denn in der Zwischenzeit wohnen. Herrlich. Stellte ein Deutscher solche Fragen, könnte man wohl am nächsten Tag in der Zeitung über die fremden­feind­lichen Klischees der Deutschen nachlesen. Der Vater, eigentlich ein freund­licher Mensch, jeden­falls ist konster­niert und antwortet schmal­lippig, ehe er sein Mobil­te­lefon für die Video­auf­nahme einstellt.

Lisa Eisner-Smirnova studierte in Salzburg und Moskau, absol­vierte eine inter­na­tionale Karriere und leitete Festivals. Heute arbeitet sie als Profes­sorin an der Robert-Schumann-Hochschule und ist im Bechstein-Centrum erschienen, um ihren Schütz­lingen beizu­stehen. Zwei Jungstu­den­tinnen und eine Master-Absol­ventin hat sie ausge­wählt, um den spärlich erschie­nenen Besuchern einen unver­gess­lichen Konzert­abend zu bereiten.

Yiyi Han beein­druckt zunächst durch schwarz­glän­zende Haarpracht und ein schwarzes Samtkleid. Das Mädchen setzt sich an den Flügel und beginnt mit Johann Sebastian Bachs Toccata in e‑Moll. Als sei das nicht Anspruch genug, erfreut sie anschließend mit zwei Nocturnes von Frédéric Chopin. Noten­blätter sucht man an diesem Abend vergebens. Die annähernde Perfektion ist atemberaubend.

Die Leich­tigkeit des Spiels und die tiefe Kontem­plation zeichnen alle drei Nachwuchs-Pianis­tinnen gleicher­maßen aus, so auch die Jungstu­dentin Hanako Schatz, die mit den Papillons von Robert Schumann brilliert und mit dem Liebes­traum Nr. 3 von Franz Liszt einen „Schlager“ zum Besten gibt. Schon jetzt kann man in der Stille eine Steck­nadel fallen hören. Das Publikum ist faszi­niert. Das ändert sich auch bei der Dritten im Bunde, Yuka Atsuki, nicht, die sich tief über die Klaviatur beugt, um die Sonate in c‑Moll von Joseph Haydn zu inter­pre­tieren. Zum Abschluss präsen­tiert sie fünf Werke aus den Präludien opus 23 von Sergej Rachma­ninoff, die dem Abend mit ihrer kräfti­geren Gangart noch einmal ordentlich Würze verleihen.

Das Fazit des Abends: Lisa Eisner-Smirnova kann stolz auf ihre Schüle­rinnen sein. Das Niveau ist so hoch, da kannst du nur noch staunen.

Michael S. Zerban

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