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Die Freundschaft mit dem Underground-Comic-Künstler Robert Crump regte Harvey Pekar, der von 1939 bis 2010 lebte, dazu an, Comic-Geschichten über seinen Alltag zu schreiben. 1976 erschien das erste Heft seiner Reihe American Splendor. Pekar macht sich selbst und seine Alltagserfahrungen, seinen Job im Krankenhaus, Streit im Straßenverkehr oder seinen Auftritt in der Letterman Show, alles entsprechend überhöht, zum Gegenstand seiner literarischen Miniaturen.
In den 1970-er Jahren war er damit ein Pionier des autobiografischen Künstler-Comics. 2003 wurden die Geschichten erfolgreich verfilmt, und mittlerweile gibt es auch eine Theater-Adaption. Nun hat der in Köln lebende amerikanische Gitarrist und Komponist Scott Fields eine Operette aus American Splendor zusammengestellt. Die Genre-Bezeichnung Operette ist dabei etwas irreführend, da jegliche szenische Darstellung fehlt und stattdessen die kurzen autobiografischen Comic-Skizzen auf den Bühnenhintergrund projiziert werden. Für seine Operette hat Fields ein ungewöhnlich besetztes Ensemble zusammengestellt mit ihm selbst an der E‑Gitarre, Florian Stadler am Akkordeon, Shiau-Shiuan Hung an der Marimba, Maxime Morel an der Tuba und der Sängerin Tamara Lukasheva. Obwohl alle Musiker im Bereich der Improvisationsmusik aktiv sind, ist die Musik von Pekar vollständig notiert. Es handelt sich weitgehend um Programmmusik, die Pekars alltägliche Lebenssituationen vertont und die Texte direkt aus den Comics übernimmt. Fields Musik ist bewusst zurückhaltend komponiert, um die Sopranstimme von Lukasheva als Erzählerin deutlich hörbar zu machen. Die Erzählstruktur ist trotz der schönen Stimme von Lukasheva zeitweilig etwas eintönig. Gerade eine so begnadete Stimmkünstlerin wie Lukasheva ist mit dem wenig variierendem Gesang völlig unterfordert.

Eigentlich ist diese Operette eine Suite, die aus vielen kurzen Abschnitten besteht. Eingeleitet wird jeder Abschnitt oder Akt mit einer kleinen Ouvertüre. Dieser instrumentale Teil wird mit einer Projektion des jeweiligen Titelblattes von American Splendor begleitet. In den Ouvertüren kommen auch die Instrumente intensiver zur Geltung und spielen manchmal von furios bis rockig. Danach beginnt dann die eigentliche Handlungserzählung, in der die Instrumente die kleinen Alltagsepisoden musikalisch nachstellen und Lukasheva den Text rezitiert. Fields setzt für den gleichförmigen und wenig aufregenden Teil des Tagesablaufs ostinate Figuren ein, oft von Gitarre und Marimba gespielt, aber mit Einsprengseln von Akkordeon und Tuba. An den Stellen, wo Pekar sich ärgert und in Schimpftiraden ausbricht, benutzt er dann sprunghafte Motive. Selbstreflexion oder wehmütige Gefühle vertont Fields mit Walzer- und Balladenmotiven. So gibt die Musik des Fields-Ensembles die Gefühle und den inneren Monolog von Pekar sehr gelungen wieder. Immer wieder entstehen dabei sehr eindrückliche Momente, etwa wenn Marimba und Akkordeon, Gitarre und Marimba ein Duett spielen oder die Tuba feinfühlig Akzente setzt.
Scott Fields hat mit der Comic-Vertonung Pekar neues Terrain betreten. Seine Komposition, die Auswahl der Instrumente und sein Ensemble spiegeln die kleinen Alltagsskizzen von Harvey Pekar musikalisch sehr lebendig wider. Ein wichtiges Ausdrucksmittel sind dabei die Projektionen der Comics. Die Rolle der Stimme hätte stärker betont werden können, ohne dabei Rücksicht auf die Verständlichkeit des Textes nehmen zu müssen, der in den Projektionen gut lesbar ist. Trotz der kleinen Einschränkung ist Pekar von Scott Fields durchaus eine gelungene Umsetzung von Harvey Pekars American-Splendor-Comics.
Uwe Bräutigam