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Shiau-Shiuan Hung und Scott Fields - Foto © Uwe Bräutigam

Vom Comic zur Operette

PEKAR
(Scott Fields)

Besuch am
7. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Rabbit-Hole-Theater, Essen

Die Freund­schaft mit dem Under­ground-Comic-Künstler Robert Crump regte Harvey Pekar, der von 1939 bis 2010 lebte, dazu an, Comic-Geschichten über seinen Alltag zu schreiben. 1976 erschien das erste Heft seiner Reihe American Splendor. Pekar macht sich selbst und seine Alltags­er­fah­rungen, seinen Job im Krankenhaus, Streit im Straßen­verkehr oder seinen Auftritt in der Letterman Show, alles entspre­chend überhöht, zum Gegen­stand seiner litera­ri­schen Miniaturen.

In den 1970-er Jahren war er damit ein Pionier des autobio­gra­fi­schen Künstler-Comics. 2003 wurden die Geschichten erfolg­reich verfilmt, und mittler­weile gibt es auch eine Theater-Adaption. Nun hat der in Köln lebende ameri­ka­nische Gitarrist und Komponist Scott Fields eine Operette aus American Splendor zusam­men­ge­stellt. Die Genre-Bezeichnung Operette ist dabei etwas irreführend, da jegliche szenische Darstellung fehlt und statt­dessen die kurzen autobio­gra­fi­schen Comic-Skizzen auf den Bühnen­hin­ter­grund proji­ziert werden. Für seine Operette hat Fields ein ungewöhnlich besetztes Ensemble zusam­men­ge­stellt mit ihm selbst an der E‑Gitarre, Florian Stadler am Akkordeon, Shiau-Shiuan Hung an der Marimba, Maxime Morel an der Tuba und der Sängerin Tamara Lukasheva. Obwohl alle Musiker im Bereich der Impro­vi­sa­ti­ons­musik aktiv sind, ist die Musik von Pekar vollständig notiert. Es handelt sich weitgehend um Programm­musik, die Pekars alltäg­liche Lebens­si­tua­tionen vertont und die Texte direkt aus den Comics übernimmt. Fields Musik ist bewusst zurück­haltend kompo­niert, um die Sopran­stimme von Lukasheva als Erzäh­lerin deutlich hörbar zu machen. Die Erzähl­struktur ist trotz der schönen Stimme von Lukasheva zeitweilig etwas eintönig. Gerade eine so begnadete Stimm­künst­lerin wie Lukasheva ist mit dem wenig variie­rendem Gesang völlig unterfordert.

Tamara Lukasheva – Foto © Uwe Bräutigam

Eigentlich ist diese Operette eine Suite, die aus vielen kurzen Abschnitten besteht. Einge­leitet wird jeder Abschnitt oder Akt mit einer kleinen Ouvertüre. Dieser instru­mentale Teil wird mit einer Projektion des jewei­ligen Titel­blattes von American Splendor begleitet. In den Ouver­türen kommen auch die Instru­mente inten­siver zur Geltung und spielen manchmal von furios bis rockig. Danach beginnt dann die eigent­liche Handlungs­er­zählung, in der die Instru­mente die kleinen Alltags­epi­soden musika­lisch nachstellen und Lukasheva den Text rezitiert. Fields setzt für den gleich­för­migen und wenig aufre­genden Teil des Tages­ab­laufs ostinate Figuren ein, oft von Gitarre und Marimba gespielt, aber mit Einsprengseln von Akkordeon und Tuba. An den Stellen, wo Pekar sich ärgert und in Schimpf­ti­raden ausbricht, benutzt er dann sprung­hafte Motive. Selbst­re­flexion oder wehmütige Gefühle vertont Fields mit Walzer- und Balla­den­mo­tiven. So gibt die Musik des Fields-Ensembles die Gefühle und den inneren Monolog von Pekar sehr gelungen wieder. Immer wieder entstehen dabei sehr eindrück­liche Momente, etwa wenn Marimba und Akkordeon, Gitarre und Marimba ein Duett spielen oder die Tuba feinfühlig Akzente setzt.

Scott Fields hat mit der Comic-Vertonung Pekar neues Terrain betreten. Seine Kompo­sition, die Auswahl der Instru­mente und sein Ensemble spiegeln die kleinen Alltags­skizzen von Harvey Pekar musika­lisch sehr lebendig wider. Ein wichtiges Ausdrucks­mittel sind dabei die Projek­tionen der Comics. Die Rolle der Stimme hätte stärker betont werden können, ohne dabei Rücksicht auf die Verständ­lichkeit des Textes nehmen zu müssen, der in den Projek­tionen gut lesbar ist. Trotz der kleinen Einschränkung ist Pekar von Scott Fields durchaus eine gelungene Umsetzung von Harvey Pekars American-Splendor-Comics.

Uwe Bräutigam

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