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ELIAS
(Felix Mendelssohn Bartholdy)
Besuch am
14. Februar 2025
(Premiere)
Robert-Schumann-Hochschule in der Friedenskirche, Düsseldorf
Den Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy mal hören? Das sollte dieses Jahr kein Problem sein, egal, wo man in Deutschland lebt. Allüberall wird das Oratorium aufgeführt, in Krefeld ist es gar als Inszenierung zu erleben. Jetzt will die Robert-Schumann-Hochschule ihre Leistungsfähigkeit in der Bilker Friedenskirche in Düsseldorf unter Beweis stellen. Timo Nuoranne hat eine Professur am Institut für Kirchenmusik inne und kümmert sich um das Chorwesen der Musikhochschule. Eigentlich geht man davon aus, dass er, wenn er das Oratorium aufführen lassen will, vor allem eines nicht hat: Personalprobleme. Überraschend zeigt ein Blick in das Programmheft, dass Nuoranne das Projekt nur mit Unterstützung des Kammerchors an der Basilika Knechtsteden stemmen kann – und selbst dann gerade mal auf 57 Chorsänger kommt. Zum Vergleich: Bei der Uraufführung des Oratoriums am 28. August 1846 beim Birmingham Triennal Music Festival traten 271 Sänger auf. Vermissen muss allerdings heute Abend niemand etwas. Mit dem 52-köpfigen Orchester der Hochschule ergibt sich ein ausgeglichenes und raumfüllendes Klangbild in der gutbesuchten Kirche. Auch dann noch, wenn sich im zweiten Teil die Reihen deutlich lichten – was vermutlich am ehesten den Temperaturen in der Kirche geschuldet ist.
Die Friedenskirche im Düsseldorfer Stadtteil Bilk wurde 1899 als prachtvoller Sakralbau mit 1.400 Plätzen errichtet, der Berühmtheit weit über die Düsseldorfer Stadtgrenzen hinaus erreichte. Die Netzseite erzählt nicht nur die Geschichte, sondern zeigt auch eindrucksvolle Fotos. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau weitgehend zerstört, 1953 in reduzierter Form neu aufgebaut. Heute ist die Kirche wahrlich kein Ausbund an Schönheit, verfügt aber über eine Fußbodenheizung. Die ist offenbar falsch eingestellt oder nicht in der Lage, den Kirchenraum adäquat zu erwärmen, jedenfalls ist die Temperatur gefühlt nicht wesentlich über den Außentemperaturen.

Immerhin lassen sich die Musiker nichts anmerken, als sie ihre Plätze im Altarraum einnehmen, um die Geschichte des Propheten während der kommenden zweidreiviertel Stunden zu erzählen. Der Aufwand, den Nuoranne betreiben lässt, ist eindrucksvoll. Schließlich kommen die acht Dirigenten, die den ersten Teil des Oratoriums bestreiten, ebenso aus dem Chor wie die Solisten, die in der ersten Reihe auftreten. Da ist eine regelrechte Choreografie erforderlich, damit die Personen zur rechten Zeit am richtigen Ort sind. Und die Studenten zeigen nicht den Ansatz von Laissez-faire, sondern ein beeindruckendes Maß an Disziplin. Die Ausnahme unter den Solisten bildet Byung Jun Ko, der in fester Position bleibt und einen wunderbaren Elias zeigt. In der zweiten Aufführung wird die Rolle Valentin Ruckebier übernehmen.
An Solisten herrscht kein Mangel, und so können die Sänger die unterschiedlichsten Facetten zeigen. Farah Basma, Hyeri Choi, Katharina Hirtz und Johanna Killerwald zeigen ihr Können als Sopranistinnen, Tilde Ahlbeck Glader und Luzia Ostermann glänzen als Altistinnen. Im Tenorfach überzeugen im Großen und Ganzen Valentin Bauer, Falk Fink und Joowon Kim, und als Bassisten treten Jakob Brieden und Johannes Jost auf.
Der im Programmheft abgedruckte Text ermöglicht dem Publikum, der Handlung zu folgen, so dass sich trotz der Kälte ein nahezu opernhafter Abend ergibt. Eindrucksvoll allemal die hohe musikalische Qualität sowohl im Gesang als auch im Orchester. So darf sich die Robert-Schumann-Hochschule gern häufiger in der Stadt präsentieren. Nachdem das Amen im Schlusschor verklungen ist, zeigen auch die Besucher ihre Begeisterung und applaudieren noch lange im Stehen.
Michael S. Zerban