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Foto © Michael Zerban

Internationale Flötengeräusche

FEMALE VOICES
(Diverse Komponistinnen)

Besuch am
16. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

GEDOK A46 im BBK-Kunst­forum, Düsseldorf

Die Regio­nal­gruppe A46 der Gemein­schaft deutscher und öster­rei­chi­scher Künst­le­rin­nen­vereine, kurz GedoK A46, lädt zu einem Konzert in das BBK-Kunst­forum im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk ein. Das sind Ausstel­lungs­räume des Berufs­ver­bandes Bildender Künstler, die unmit­telbar neben der Sammlung Philara liegen. Dort ist noch bis zum 23. Februar die Ausstellung GedoK Die Neuen 2025 zu sehen. Das Konzert findet in diesem Rahmen statt.

Foto © Michael Zerban

Pia Marei Hauser erhielt ihre Ausbildung zur Flötistin in Essen, Münster, Stras­bourg und Montpellier. Ihren Master in Konzert­dra­ma­turgie schloss sie mit Auszeichnung in Essen ab. Neben ihrer künst­le­ri­schen Arbeit unter­richtet sie Musik­ver­mittlung an den Hochschulen in Münster und Osnabrück und gibt Workshops für Neue Musik und Impro­vi­sation. Der Gegen­warts­musik gehört auch in der künst­le­ri­schen Praxis ihre große Liebe. Und so ist keine große Überra­schung, dass ihr Programm Female Voices sich überwiegend mit den Arbeiten lebender Kompo­nis­tinnen beschäftigt.

Wer sein Instrument in den Dienst moderner Musik stellt, lernt schnell, dass Virtuo­sität im Spiel nicht ausreicht. Das erfährt auch der Besucher an diesem Nachmittag. Younghi Pagh-Paan wurde 1945 in Südkorea geboren. Nach ihrem Studium von Kompo­sition und Musik­wis­sen­schaft in Seoul kam sie 1974 nach Deutschland und beendete in Freiburg ihr Kompo­si­ti­ons­studium. Inter­na­tional bekannt wurde sie mit der Aufführung ihres Orches­ter­werks Sori bei den Donau­eschinger Musik­tagen 1980. Heute lebt sie in Bremen und Panicale. Hauser trägt ihr Werk Rast in einem alten Kloster aus dem Jahr 1994 auf der Bassflöte vor. Statt üppiger Tonfolgen ist hier viel Atem zu hören, der durch die Flöte fließt und meditative Atmosphäre erzeugt. Es geht nicht mehr um die Melodie, sondern um das Gefühl und die Beherr­schung des Instru­ments. Das kann man steigern.

Auf der Querflöte bringt Hauser das zweite Flöten­stück der finni­schen Kompo­nistin Kaija Saariaho zu Gehör, Laconisme de l’aile, der Lakonismus des Flügels. Die wurde 1952 in Helsinki geboren und starb 2023 in Paris. Inspi­riert von einem Text des franzö­si­schen Dichters Saint-Jean Perse, „bringt die Kompo­nistin auf berüh­rende die Flüch­tigkeit des mensch­lichen Lebens zum Ausdruck, vergänglich, so wie der Flügel­schlag eines Vogels“. Und wirklich darf der Hörer hier in den Lüften schweben, sich den Vögeln anschließen und ihren Flügel­schlag spüren. Eine großartige Interpretation.

Foto © Michael Zerban

Das Stück Posht-e-Hichestan verfasste Farzia Fallah 2015 auf Basis von Textfrag­menten des persi­schen Dichters Sohrab Sepehri und schrieb jetzt eine neue Version für Bassflöte, die Hauser erstmalig vorstellt. Lucid heißt das Stück von Feliz Anne Reyes Macahis, das vor zwei Jahren entstand. Es basiert auf einem Gedicht der Kompo­nistin „über das Fallen von Schnee, dessen Fragi­lität einem Blick in einen zerbro­chenen Spiegel gleicht“. Dazu muss Hauser in die Flöte sprechen und singen. Die Altflöte benötigt sie, um das Stück Dirt von Cinzia Nistico aufzu­führen, das ebenfalls vor zwei Jahren entstand und nun erstmals live erklingt. Nistico wurde 1978 in Mailand geboren, studierte dort und in London Kompo­sition. Heute lebt sie in Amsterdam. Ihr Werk verlangt von der Flötistin „schmutzige, wilde, archaische Klänge“, Gesang und Schreien. Die Perfektion, die die Musikerin zeigt, ist bewun­dernswert. Mit Jieun Juns Arbeit Keks, ebenfalls 2023 entstanden, schließt der Vortrag nach einein­viertel Stunden, in denen Hauser sich die Zeit nimmt, die Stücke anzumo­de­rieren. Daran hat sie Spaß. Vor allem, wenn sie berichtet, dass die 1988 in Seoul geborene Jun, die heute in Köln lebt, ihr mit Keks ein biogra­fi­sches Stück auf den Leib geschrieben habe. Da mag man nur hoffen, dass die schon fast manisch klingenden Phasen eher der kompo­si­to­ri­schen Fantasie als dem richtigen Leben entsprungen sind. Der Abschluss-Scherz jeden­falls gelingt.

Möchte man ein Fazit des Nachmittags versuchen, reift wohl die Erkenntnis, dass die Kompo­nis­tinnen der Gegenwart sich mehr mit den Möglich­keiten rund um das gewählte Instrument als mit Musik befassen. Nur wenig Melodi­sches ist da zu hören, statt­dessen gelingt es Hauser immer wieder brillant, Klang­bilder zu malen. Feliz Anne Reyes Macahis und Jieun Jun, die zur Aufführung erschienen sind, gefallen die Inter­pre­ta­tionen ihrer Werke ausnehmend gut. Und auch der Rest des kleinen Publikums spart nicht mit Applaus.

Michael S. Zerban

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