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Letztlich überwältigend

SINFONIE NR. 2 C‑MOLL
(Gustav Mahler)

Besuch am
19. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Mainfran­ken­theater im Congress Centrum Würzburg

Zwischen 1888 und 1894 schrieb Gustav Mahler an seiner zweiten Sinfonie, einem gigan­tesken Koloss mit 120 Musikern und einem großen Chor auf der Bühne. Im Orchester finden sich neben den üblichen Instru­menten gerade bei den Schlag­werkern solche, die man eher selten sieht. Tam-Tams, Glocken, Rute füllen zusätzlich zu dem riesigen Orches­ter­ap­parat mit groß besetztem Blech die Bühne, ein Fernor­chester kommt dazu. „Warum hast du gelebt? Warum hast du gelitten? Ist das alles nur ein großer, furcht­barer Spaß?“ So fasste Gustav Mahler selbst die Kernfragen seiner als Aufer­ste­hungs­sin­fonie bekannt gewor­denen Sinfonie Nr. 2 c‑Moll zusammen.

In Würzburg verab­schiedet sich der noch amtie­rende General­mu­sik­di­rektor Enrico Calesso mit ebendieser Sinfonie nach vierzehn Jahren Tätigkeit am Mainfran­ken­theater von seinen Musikern und seinem ihm sehr gewogenen Publikum. In Zukunft wird er in seiner Geburts­stadt Triest als Musikchef wirken. Hat er in Würzburg eher die Italianità den Franken näher­ge­bracht, zum Beispiel mit der Italie­ni­schen Nacht beim Mozartfest in der Residenz, will er nach eigenen Aussagen nun die Italiener noch mehr für das deutsche Fach begeistern.

Foto © Fabian Gebert

Man hat für seinen Abschied das Congress Centrum Würzburg, CCW, ausge­sucht, eher bekannt als Kabarett- und Lieder­ma­cher­bühne für die ganz Großen, für Varietés, Tournée­shows und so weiter. Im Prinzip eine immense Mehrzweck­halle, bietet es 1635 Menschen Platz und ist an diesem Abend vollbe­setzt, Zeichen des Würzburger Publikums, dass hier ein Musiker verab­schiedet wird, der das kultu­relle Leben in der Stadt maßgeblich und sehr sympa­thisch geprägt hat. Für diesen Abend mit Mahlers zweiter Sinfonie ist die Bühne sehr weit in den Raum hinein­ge­zogen worden, was für die vorderen Reihen im Parkett und die Besucher auf der Empore nicht schlecht sein mag, dieje­nigen, die nur unter der Empore noch Karten bekommen haben, müssen mit einer sehr schwie­rigen Akustik klarkommen. Hier klingt alles gedämpft, die Klänge sind an Trockenheit kaum zu überbieten. Der Chor des Mainfran­ken­theaters unter der Leitung von Sören Eckhoff, durch den Würzburger Extrachor und den Extrachor vom Natio­nal­theater München verstärkt, steht hinter dem Orchester und lässt in dieser Akustik gewisse Schwächen erkennen. Zwar bieten die Sänger zunächst ein wirklich gutes, tragendes Piano, lassen aber dann immer wieder einzelne Stimmen heraus­hören, dafür die Frauen­stimmen nur recht gedämpft. Das Forte am Schluss des fünften Satzes ist denn in der Akustik auch nicht so umwerfend, wie es eigentlich kommen sollte. Ein Umstand, mit dem auch die beiden Solis­tinnen Milena Arsovska, Sopran, und Vero Miller, Mezzo­sopran, zu kämpfen haben. Was in einem gefäl­li­geren Raum in beiden Fällen ein schönes Timbre offenbart hätte, wirkt hier etwas angestrengt und vibratoreich.

Calesso setzt mit dem Philhar­mo­ni­schen Orchester Würzburg von Anfang an klare Akzente, ohne sich zu sehr in den düsteren, morbiden Abgründen des ersten Satzes aufzu­halten. Er dirigiert mit großen, ausla­denden und auch grazilen Bewegungen, sehr exakt und diffe­ren­ziert. Zwischen den einzelnen Instru­men­ten­gruppen ist manches noch nicht ganz ausge­glichen, Forte­stellen werden nicht immer aufge­fangen. Aber auch hier verfehlt der Höllen­ab­sturz in die Düsternis seine Wirkung nicht. Die von Mahler gefor­derte, fünf Minuten lange stille Pause nach dem, auch Toten­feier genannten, ersten Satz scheint hier nicht möglich, kaum ist der letzte Ton verklungen, wird im Publikum gehustet, geschwätzt und mit den Füßen gescharrt.

Foto © Fabian Gebert

Der Dirigent macht folge­richtig auch gleich weiter und nimmt den zweiten Satz mit tänze­ri­scher Leich­tigkeit, zunächst sehr leise, mit subtilen Steige­rungen über längere Zeit. Süffig, weich und fast schon schmalzig wirken die Dreier­takte, hier spielt sich das Orchester weiter zusammen, zeigt teils öster­rei­chi­schen, wiene­ri­schen Schmäh. Die wunderbar zarten Violinen bei den hohen Tönen und ein berückendes Harfensolo reißen denn auch die Zuhörer zu einem ersten Zwischen­ap­plaus hin.

Der dritte, Scherzo-mäßige Satz mit dem Liedthema aus Des Antonius von Padua Fisch­predigt aus Mahlers Zyklus Des Knaben Wunderhorn von 1893 zeigt auch hier mit viel Humor die jüdischen Anteile an Mahlers Musik und lässt das Orchester zur Höchstform auflaufen. Prächtig die Klari­netten und Trompeten, tiefschwarz und verdorben der Höllen­schlund. Calesso schwebt, tanzt, hat seine Musiker voll auf seiner Seite. Immer wieder wähnt man sich schon im Elysium, wird aber wieder heraus­ge­rissen, mit scharfen Piccolos und dem vollen Orchester.

Das Fernor­chester im vierten Satz, Urlicht überschrieben, offenbart schön geschlossen spielende Bläser und ein sehr exaktes Fernor­chester im Foyer. Großartig und publi­kums­wirksam die drei Becken in Aktion. Danach wieder Düsternis, Dunkelheit, Verzweiflung und Klänge, die an die marode Grals­ge­sell­schaft in Wagners Parsifal erinnern, sie verbinden die Toten­feier mit der Aufer­stehung, leiten zum Finalsatz über.

Der Text des fünften Satzes basiert auf dem Gedicht Die Aufer­stehung von Friedrich G. Klopstock, das Mahler selbst erweitert hat, und kommt nach diversen drama­ti­schen Aufschwüngen insgesamt versöhn­licher daher. Sopran- und Altsolo steigern sich, der große Chor zeigt sein tiefemp­fun­denes Piano. Ist Calesso dafür bekannt, es im Theater schon gut krachen zu lassen, nimmt er hier seine Musiker bis ins fast nicht mehr Hörbare zurück und lässt sie wunderbar weich und geschmeidig spielen, bis alle ein großes Fortissimo liefern, den Abschluss des gewal­tigen Werkes.

Das Publikum ist überwältigt, begeistert und spendet stehende Ovationen für das Orchester und den Dirigenten, letzterer wird von Oberbür­ger­meister Christian Schuchardt mit der Silbernen Stadt­pla­kette geehrt. Er wird noch eine letzte Vorstellung des Wozzeck am 5. März in der Ausweich­stätte, der Blauen Halle, dirigieren und dann südwärts ziehen.

Jutta Schwegler

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