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Foto © Michael Zerban

Höchste Lust und tiefstes Leid

TORTENKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
23. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)

 

C. Bechstein Centrum, Düsseldorf

Die Umstände kann man als widrig bezeichnen. Es herrscht entzü­ckendes Frühlings­wetter bei 15 Grad und strah­lendem Sonnen­schein, der Kölner spielt gegen den Düssel­dorfer Fußball­verein, und es ist Wahlsonntag. Warum sollte man ein Konzert besuchen? Die Antwort ist wie immer einfach: Weil man es kann. Wenn man es kann. Das C.-Bechstein-Centrum in Düsseldorf ist so gut wie ausver­kauft. Das Konzert­format, das nun zum dritten Mal statt­findet, erfreut sich offenbar größter Beliebtheit. Die Kombi­nation aus musika­li­scher Vielfalt und feinster Kondi­torware im Umfeld großar­tiger Klaviere trifft den Nerv von Menschen, die von klassi­scher Musik vielleicht nicht so wahnsinnig viel verstehen, sich aber gern darauf einlassen, weil man sich im Anschluss nicht nur an der Torte, sondern auch an persön­lichen Gesprächen mit den Künstlern erfreuen darf. Und Kinder sind hier gern gesehen, auch wenn sie auf den Tasten hochwer­tiger Flügel und Klaviere vor und nach dem Konzert herum­klimpern, als handele es sich um Spielzeug aus dem Kinder­garten. Reza Indra­kesuma, Leiter des Zentrums, reagiert mit äußerster Gelas­senheit. Er und Jeremias Mameghani haben vor drei Jahren die Idee ausge­heckt, nach einem Konzert am Sonntag­nach­mittag Kuchen und Kaffee zu servieren, als sie zusam­men­saßen, um neue Konzepte zu entwi­ckeln und Mameghani vorschlug, schnell zum Konditor zu gehen und Kuchen zu kaufen. Das Torten­konzert war geboren.

Foto © Michael Zerban

In diesem Jahr beginnt der Nachwuchs. Florian Mameghani nimmt mit seinem Papa am Flügel Platz, und gemeinsam bekommen sie ganz wunderbar das Allegretto von Anton Diabelli hin. Schülerin Lena Lüer beglückt mit dem Walzer in a‑Moll von Frédéric Chopin das Publikum. Und von nun an moderiert Robert Hotstegs das Programm.

Mit der gebür­tigen Ukrai­nerin Inna Firsova gibt es ein neues Gesicht beim Torten­konzert. Sie begann ihre musika­lische Ausbildung in Pervo­maisk, um anschließend ihr Klavier­studium in Hamburg, Weimar und Essen fortzu­setzen. Als Solistin und Duopart­nerin kann sie bereits auf mehrere gewonnene Wettbe­werbe zurück­blicken. Und dass sie sehr gern in Begleitung auftritt, beweist sie heute Nachmittag. Zunächst tritt sie mit Mameghani ans Klavier, um das Ständchen vierhändig von Franz Schubert aufzuführen.

Als nächstes darf Mameghani wieder Corinna Hentschel-Stavi begrüßen, Geigerin aus Stuttgart, gern gesehener Gast im Hause des Gastgebers. Mit Liebesleid und schön Rosmarin von Fritz Kreisler gibt es erst einmal eine Wieder­holung. Auch Carl Millöcker ist kein Unbekannter bei den Torten­kon­zerten. Jetzt inter­pre­tiert Sopra­nistin Nina Koufou­ch­ristou in Begleitung von Firsova Höchste Lust und tiefstes Leid aus Der Bettel­student. Und damit geht es von Wien nach Paris.

Foto © Michael Zerban

Hentschel-Stavi und Mameghani präsen­tieren die Romanze von Pauline Viardot. Einge­schoben wird die Nuit d’étoiles, Sternen­nacht, von Claude Debussy, darge­boten von Koufou­ch­ristou und Firsova. Ebenfalls aus der Feder Debussys stammt Beau Soir in einer Bearbeitung von Jasha Heifetz, das Hentschel-Stavi und Mameghani ebenso zu Gehör bringen wie La vie en rose von Louis Guglielmi, eines der drei berühm­testen Chansons von Edith Piaf. Und es hätte alles gut ausgehen können mit der letzten Nummer. Aus Jacques Offen­bachs Ein Ehemann vor der Tür wollen Koufou­ch­ristou und Firsova die Valse Tyrolienne aufführen. Im schönsten Schwange hebt Firsova plötzlich den Arm. Ihr Tablet streikt, außer einer hellen Oberfläche ist nichts mehr zu sehen. Auch wenn Musiker immer häufiger auf das elektro­nische Hilfs­mittel vertrauen als auf das gute, alte Noten­papier: So selten, wie man denken möchte, sind Ausfälle nicht. Insbe­sondere Wärme mögen die Geräte überhaupt nicht. Dann hilft meist nur Zuwarten. So auch hier. Nach einer Weile sind die Noten wieder zu sehen, und die beiden können den bekannten Walzer zu einem glück­lichen Ende bringen.

Geigerin und Pianist legen noch nach. Der Walzer aus Coppelia von Léo Delibes erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Und dann gibt es noch musika­li­schen Champagner, wenn Koufou­ch­ristou Mein Herr Marquis aus der Fledermaus von Johann Strauss anstimmt. Firsova bleibt der letzte musika­lische Ton am Flügel. Unter großem Applaus geht das beschwingte Konzert nach einer guten Stunde zu Ende, ehe die Besucher sich auf ein exqui­sites Kuchen­buffet stürzen. Eifrig versuchen auch die Kinder, den Kuchen unfallfrei von wacke­ligen Papptellern mit Holzgabeln zum Mund zu bringen. Und meist gelingt das auch.

Die Freunde des schönen Konzert­formats brauchen übrigens nicht bis zum nächsten Jahr zu warten, sondern können sich schon am 8. Mai wieder im Bechstein-Centrum einfinden. Dann ist das nächste Tapas-Konzert vorgesehen.

Michael S. Zerban

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