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TORTENKONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
23. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)
Die Umstände kann man als widrig bezeichnen. Es herrscht entzückendes Frühlingswetter bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein, der Kölner spielt gegen den Düsseldorfer Fußballverein, und es ist Wahlsonntag. Warum sollte man ein Konzert besuchen? Die Antwort ist wie immer einfach: Weil man es kann. Wenn man es kann. Das C.-Bechstein-Centrum in Düsseldorf ist so gut wie ausverkauft. Das Konzertformat, das nun zum dritten Mal stattfindet, erfreut sich offenbar größter Beliebtheit. Die Kombination aus musikalischer Vielfalt und feinster Konditorware im Umfeld großartiger Klaviere trifft den Nerv von Menschen, die von klassischer Musik vielleicht nicht so wahnsinnig viel verstehen, sich aber gern darauf einlassen, weil man sich im Anschluss nicht nur an der Torte, sondern auch an persönlichen Gesprächen mit den Künstlern erfreuen darf. Und Kinder sind hier gern gesehen, auch wenn sie auf den Tasten hochwertiger Flügel und Klaviere vor und nach dem Konzert herumklimpern, als handele es sich um Spielzeug aus dem Kindergarten. Reza Indrakesuma, Leiter des Zentrums, reagiert mit äußerster Gelassenheit. Er und Jeremias Mameghani haben vor drei Jahren die Idee ausgeheckt, nach einem Konzert am Sonntagnachmittag Kuchen und Kaffee zu servieren, als sie zusammensaßen, um neue Konzepte zu entwickeln und Mameghani vorschlug, schnell zum Konditor zu gehen und Kuchen zu kaufen. Das Tortenkonzert war geboren.

In diesem Jahr beginnt der Nachwuchs. Florian Mameghani nimmt mit seinem Papa am Flügel Platz, und gemeinsam bekommen sie ganz wunderbar das Allegretto von Anton Diabelli hin. Schülerin Lena Lüer beglückt mit dem Walzer in a‑Moll von Frédéric Chopin das Publikum. Und von nun an moderiert Robert Hotstegs das Programm.
Mit der gebürtigen Ukrainerin Inna Firsova gibt es ein neues Gesicht beim Tortenkonzert. Sie begann ihre musikalische Ausbildung in Pervomaisk, um anschließend ihr Klavierstudium in Hamburg, Weimar und Essen fortzusetzen. Als Solistin und Duopartnerin kann sie bereits auf mehrere gewonnene Wettbewerbe zurückblicken. Und dass sie sehr gern in Begleitung auftritt, beweist sie heute Nachmittag. Zunächst tritt sie mit Mameghani ans Klavier, um das Ständchen vierhändig von Franz Schubert aufzuführen.
Als nächstes darf Mameghani wieder Corinna Hentschel-Stavi begrüßen, Geigerin aus Stuttgart, gern gesehener Gast im Hause des Gastgebers. Mit Liebesleid und schön Rosmarin von Fritz Kreisler gibt es erst einmal eine Wiederholung. Auch Carl Millöcker ist kein Unbekannter bei den Tortenkonzerten. Jetzt interpretiert Sopranistin Nina Koufouchristou in Begleitung von Firsova Höchste Lust und tiefstes Leid aus Der Bettelstudent. Und damit geht es von Wien nach Paris.

Hentschel-Stavi und Mameghani präsentieren die Romanze von Pauline Viardot. Eingeschoben wird die Nuit d’étoiles, Sternennacht, von Claude Debussy, dargeboten von Koufouchristou und Firsova. Ebenfalls aus der Feder Debussys stammt Beau Soir in einer Bearbeitung von Jasha Heifetz, das Hentschel-Stavi und Mameghani ebenso zu Gehör bringen wie La vie en rose von Louis Guglielmi, eines der drei berühmtesten Chansons von Edith Piaf. Und es hätte alles gut ausgehen können mit der letzten Nummer. Aus Jacques Offenbachs Ein Ehemann vor der Tür wollen Koufouchristou und Firsova die Valse Tyrolienne aufführen. Im schönsten Schwange hebt Firsova plötzlich den Arm. Ihr Tablet streikt, außer einer hellen Oberfläche ist nichts mehr zu sehen. Auch wenn Musiker immer häufiger auf das elektronische Hilfsmittel vertrauen als auf das gute, alte Notenpapier: So selten, wie man denken möchte, sind Ausfälle nicht. Insbesondere Wärme mögen die Geräte überhaupt nicht. Dann hilft meist nur Zuwarten. So auch hier. Nach einer Weile sind die Noten wieder zu sehen, und die beiden können den bekannten Walzer zu einem glücklichen Ende bringen.
Geigerin und Pianist legen noch nach. Der Walzer aus Coppelia von Léo Delibes erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Und dann gibt es noch musikalischen Champagner, wenn Koufouchristou Mein Herr Marquis aus der Fledermaus von Johann Strauss anstimmt. Firsova bleibt der letzte musikalische Ton am Flügel. Unter großem Applaus geht das beschwingte Konzert nach einer guten Stunde zu Ende, ehe die Besucher sich auf ein exquisites Kuchenbuffet stürzen. Eifrig versuchen auch die Kinder, den Kuchen unfallfrei von wackeligen Papptellern mit Holzgabeln zum Mund zu bringen. Und meist gelingt das auch.
Die Freunde des schönen Konzertformats brauchen übrigens nicht bis zum nächsten Jahr zu warten, sondern können sich schon am 8. Mai wieder im Bechstein-Centrum einfinden. Dann ist das nächste Tapas-Konzert vorgesehen.
Michael S. Zerban