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Sind alle Nachtigallen verstummt

SCHUBERTIADE
(Franz Schubert)

Besuch am
5. März 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Lied, Burkar­dushaus, Würzburg

Er ist der Altmeister des deutschen Liedes. Angesichts des in Würzburg beim Festival Lied vorge­stellten Programms, darf man Christoph Prégardien wohl getrost so beschreiben. Mehr als 50 Jahre ist er auf den Bühnen dieser Welt zuhause, beglückte seine Zuhörer zuerst in seiner Heimat­stadt bei den Limburger Domsing­knaben, um nach dem Abitur 1974 Gesang zu studieren und nebenher schon Konzerte zu singen. Seither hat er sich zu einem der führenden lyrischen Tenöre nicht nur in Deutschland entwi­ckelt. Auf Konzert­podien und Opern­bühnen ist er seither ein gern gesehener Gast, aber ein Schwer­punkt seiner Arbeit ist immer das Lied. Seine Programme von der Romantik bis zur Moderne lassen immer wieder eine tiefe Ausein­an­der­setzung mit den Texten erkennen und zeugen von wohlüber­legten Konzepten.

In Würzburg singt er gemeinsam mit Intendant Alexander Fleischer am Flügel ein Programm, das er auch im Juni bei der Schuber­tiade in Schwar­zenberg vorstellen wird. Es ist harte Kost, die er vorbe­reitet hat. Viele Strophen­lieder stehen auf dem Programm, darunter selten aufge­führte Lieder, die auch Prégardien zum ersten Mal singt. Die Texte beim Vortrag zu begreifen, ist, obwohl Prégar­diens Diktion vortrefflich ist, schier unmöglich. Hilfreich ist da im Konzert der einfüh­rende Text von Hansjörg Ewert im umfang­reichen Programmheft.

Foto © Katharina Gebauer

Verschiedene Ebenen lassen die Auswahl der Gedichte begreifen. Einer­seits sind es die Dichter, die eine gemeinsame Ebene schaffen. Neben Friedrich Rückert und Matthäus von Collin sind es solche aus dem engeren Freun­des­kreis um Schubert, die zu Wort kommen: Franz von Bruchmann, Johann Senn, Franz von Schober, Eduard von Bauernfeld und andere. Freund­schaft und Verlust kann man als zweite Ebene bestimmen. Schubert hat sich intensiv mit dem Älter­werden und dem Tod beschäftigt, wie Prégardien in einer kleinen Ansprache vor der Zugabe erklärt. Die dritte Ebene ist die Entste­hungszeit. Alle Lieder vor der Pause sind in den Jahren 182223 entstanden, die nach der Pause zwischen 1826 und 1828, also zum Teil noch nach der Winter­reise. Und so erschließt sich hier die vierte Ebene: es ist ein Programm der Gegen­sätze. Fast alle Lieder kennen solche, das Hier und Dort, die Nähe und Ferne, das Leben und den Tod, die Jugend und das Alter. Gleich das erste Lied springt hier mitten hinein, der Greisen­gesang nach Rückert: „Der Frost hat mir bereifet, Des Hauses Dach; doch warm ist mir’s geblieben Im Wohngemach.“ Der „Jugendflor der Wangen“ ist ins „Herz hinab“ gegangen. Alle Nachti­gallen sind verstummt, nur eine wacht im Inneren des lyrischen Ichs. Sie hat „Wein und Rosen In jedem Lied“ und „solcher Lieder Noch tausendfach“. Und die Leier, sonst trauliche Freundin, die das Lob treff­licher Helden begleitet, lässt ihre Saiten selbst­ständig nur von Liebe erklingen, wie es in An die Leier heißt.

Im Haine schafft einen weiteren Gegensatz, den von Schmerzen und Friede im Herzen. Und während Selige Welt noch ein steuer­loses Treiben auf dem Meer eine selige Insel suchen lässt, kommt man im Schwa­nen­gesang zum ersten Mal in die Zwischen­sphäre zwischen hier und dort, zwischen Irdischem und Jensei­tigem: „Es klagt, es sang, Vernich­tungsbang, Verklä­rungsfroh, bis das Leben floh. Das ist des Schwanen Gesang.“ Die Schwäne werden im wankenden Kahn von Auf dem Wasser zu singen aufge­griffen, evozieren auf den rötlichen Wellen die Vergäng­lichkeit allen Daseins. In Dass sie hier gewesen verbindet nur noch ein Duft, den der aus dem Paradiese, dem Jenseits kommende Ostwind bringt, die beiden Liebenden. Du bist die Ruh schließt schon hinter der Pforte den Frieden ein. Lachen und Weinen gibt den Zuhörern zunächst die Möglichkeit, befreit aufzu­atmen, ist aber eigentlich Ausdruck tiefer Melan­cholie. Auch der Welten­fahrer in Drang in die Ferne weiß, dass er am Ende nicht zurück­kehren wird und Wehmut nennt explizit das Wohl und Weh, das Entschwinden und Vergehen aus der Schönheit dieser Welt. Im Zwerg gleitet das Schiff „im trüben Licht“ auf dem Meer dahin, „am hochge­wölbten Bogen“, der mit „der Milch des Himmels blass durch­zogen“ ist, leuchten noch die Sterne, die die Königin und auch ihr Zwerg bald nicht mehr sehen werden.

Foto © Katharina Gebauer

An Silvia, Alinde und An die Laute lassen nach der Pause wieder die Saiten der Leier an die ferne Geliebte singen, während dann Jäger, Schiffer und Fischer diesen seltsamen Zwischen­be­reich zwischen Nähe und Ferne, zwischen Leben und Tod ausloten, bis Die Sterne „von Gräbern Gar tröstlich und hold Uns hinter Das Blaue Mit Fingern von Gold“ weisen. Schluss­endlich sitzt das lyrische Ich im Winter­abend in seligem Frieden am Fenster, nur der Mond scheint noch herein, und es denkt an das frühere Glück der Minne. Die Zugaben, die sich ein begeis­tertes Publikum im nahezu ausver­kauften Burkar­dushaus erklatscht, gehen in An mein Herz wieder in melan­cho­lische Tiefen und evozieren „Des Todes Atem leicht und kühl“, dem man sich letzt­endlich gerne anver­traut in Die Mutter Erde.

Prégardien und Fleischer bringen die heftigen Themen mit großer Inten­sität auf die Bühne. Es ist ein ständiges Nehmen und Geben zwischen den beiden, ein immer­wäh­rendes Noch-tiefer-Hinein­gleiten in die Zwischen­welten. Prégardien vertieft die Aussage der Lieder noch durch kleine Abwand­lungen, kleine Verzie­rungen, die gewissen Stellen eine besondere Bedeutung geben, ein beson­deres Gewicht. Die Stimme klingt dunkler als früher, am Anfang hat man auch das Gefühl, dass er einen Moment braucht, um in diese Welten einzu­tauchen. Aber dann ist er voll da, gestaltet mit großem musika­li­schem und auch mimischem, körper­lichem Ausdruck kleinste Nuancen. Immer noch sind Legato und Piano umwerfend, der innere Reichtum des Ausnah­me­sängers in einzelnen Farben und Ausge­stal­tungen stupend.

Fleischer am Flügel ist ein absolut aufmerk­samer und mitge­stal­tender Begleiter. Er leitet zu Phrasen hin, vertieft Stimmungen, erzählt manchmal im Klavier eine etwas andere Geschichte als der Sänger, setzt klare Akzente und fällt dem Sänger nie in den Rücken. Man kann nur hoffen, dass er sein Wissen als neuer Professor für Liedge­staltung in Karlsruhe an möglichst viele Studenten weiter­geben wird.

Zu wünschen ist beiden jeden­falls, dass sie noch lange die Saiten der Leier singen lassen.

Das Festival Lied in Würzburg geht noch bis zum 16. März mit vielen inter­es­santen Künstlern.

Jutta Schwegler

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