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Foto © Hartmut Sassenhausen

Große emotionale Tiefe

TUVA HALSE QUINTET
(Tuva Halse)

Besuch am
14. März 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Loch, Wuppertal

Tja, der Jazz in Norwegen. Gibt es den überhaupt? Und falls ja: Wie sieht es in der Szene aus? Zumindest in Deutschland orien­tiert man sich gerne danach, was in den USA oder Westeuropa los ist, einige Blicke Richtung Osten mit einge­schlossen. Dagegen lässt das Interesse am hohen Norden Europas mancherorts einige Wünsche offen. Gut, das Land stand auch hier einmal ganz hoch im Kurs, als ab den 1970-er Jahren Musiker wie der Saxofonist Jan Garbarek, Schlag­zeuger Jon Chris­tensen, Bassist Arild Andersen oder Gitarrist Terje Rypdal weltweit in aller Munde waren bezie­hungs­weise noch sind. Aber auch die nachfol­genden Genera­tionen, jenseits der Landes­grenzen vielleicht nur eher in Fachkreisen bekannt, dürfen sich in ihrer Heimat pudelwohl fühlen. Denn der Jazz steht dort gleich­be­rechtigt mit Klassik, Oper oder Theater auf derselben Stufe, erfährt also die gleiche staat­liche Förderung.

Foto © Hartmut Sassenhausen

Dachverband ist das Norsk Jazzforum. Die gemein­nützige Organi­sation vereint die norwe­gische Jazzszene. Ihr Hauptziel ist die Verbreitung des norwe­gi­schen Jazz im In- und Ausland. Sie erhält hohe öffent­liche Förder­mittel, die direkt an die norwe­gische Jazzszene ausge­zahlt werden, indem Tourneen und Projekte für Musiker und Bands, Veran­stalter und Big Bands unter­stützt werden. Darüber hinaus führt das Norsk Jazzforum verschiedene Projekte für und mit seinen Mitgliedern durch, allein oder in Zusam­men­arbeit mit anderen Organi­sa­tionen. Mitglieder sind derzeit fünf regionale Jazzzentren, 30 Jazzfes­tivals, 90 Jazzclubs, 140 Big Bands, 700 profes­sio­nelle Musiker, 100 Jazzstu­denten sowie die Jazzaka­demien in Trondheim, Oslo, Bergen und Stavanger. Kurzum: Der Jazz ist fester Bestandteil des öffent­lichen Kultur­lebens. In Norwegen wird kulturell nicht gekle­ckert, sondern geklotzt.

Ein Parade­bei­spiel dafür ist das Trondheim Jazz Orchestra. Es ist ein flexibel agierendes Ensemble, das für seine jewei­ligen Projekte aus einem großen Pool von Musikern schöpft. Damit hat auch Tuva Halse zusam­men­ge­ar­beitet. Die Jazzgei­gerin und Kompo­nistin, die vor rund drei Jahren ihr Studium abschloss, gilt mit zu den großen Nachwuchs­ta­lenten. An etlichen Projekten war und ist sie beteiligt. Drei eigene Forma­tionen hat sie gegründet. Das Bento Box Trio, die Tuvahal­s­eband und das Tuva Halse Quintett. Mit Letzterem ist sie zurzeit unterwegs und nach einem Konzert in Dresdens Blue Note für ein Gastspiel in Wuppertals sozio­kul­tu­rellen Ort Loch gekommen, um für einen stimmungs­vollen Abend zu sorgen.

Foto © Hartmut Sassenhausen

Kompo­si­tionen aus Halses Feder haben die fünf Musiker im gleichen Alter von etwa 25 Jahren mitge­bracht, veröf­fent­licht unter anderem auf Duo, ihrem im Oktober 2023 erschie­nenen Debüt-Album: Zeptember, Adam, Mikromy, This Makes Me Under­stand. Auch andere Stücke, auch jüngeren Datums sind mit dabei: etwa Sorryrow, Confusion Illusion, Close, Contem­plation oder Recon­nection. Dabei handelt es sich um emotionale Werke, denen laut ihrer Anmode­ra­tionen Gedanken über Sorgen, Fantasien, Unruhe oder die Beziehung zwischen zwei Personen – „jemandem nahe sein, aber auch die Türe schließen“ – verar­beitet sind. Es sind gefühls­be­tonte, atmosphä­risch dichte, tonale Melodie­köpfe, die über weite Strecken im Duo von  Geige und Trompete oder Geige und Klavier – oder als Vokalisen vorge­stellt und anschließend in Form von Varia­tionen und Impro­vi­sa­tionen weiter entwi­ckelt werden. Sie laden dazu ein, in eine große Palette von Gefühls­welten wie Melan­cholie, Kontem­plation, muntere Heiterkeit einzu­tauchen. Vieles kommt ruhig-balladesk daher. Mitunter geht es aber auch munter-beschwingt, fetzig zur Sache. Frei, ohne harmo­nische Bezüge sind hingegen die fanta­sie­vollen Intros gehalten, die gleitend zu den Themen führen.

Kongenial verstehen sich die Musiker. Denn nicht nur kommt die Gestaltung der Melodien selbst im sehr schnellen Tempo, von zwei Musikern vorge­tragen, absolut synchron von der Bühne. Auch den großen, empfind­samen Gehalt bringen Halse, Trompeter Oscar Andreas Haug, Pianist Benjamín Gísli Einarsson, Schlag­zeuger Øyvind Leite und Gard Kronborg an der akusti­schen Bassgi­tarre seelen­ver­wandt voll zur Geltung. Ihre hohe Virtuo­sität und meister­hafte Beherr­schung ihrer Instru­mente demons­trieren sie anhand ihrer hochmu­si­ka­li­schen wie abwechs­lungs­reichen, fein aufge­bauten Improvisationen.

Das zahlreich erschienene Publikum zeigt sich begeistert, applau­diert ausgiebig nach jeder Nummer und entlässt das Tuva Halse Quintet erst nach einer Zugabe, die wie eine kleines fried­liches Schlaf­liedchen daher­kommt: Why It Didn‘t.

Hartmut Sassen­hausen

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