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DER ANRUF
(Stephan Eckel)
Besuch am
21. März 2025
(Premiere am 4. April 2024)
Stephan Eckel ist 1976 in Aachen geboren, studierte Grafik-Design in Karlsruhe. Seine künstlerische Laufbahn begann 2010, als er das Theaterstück Alles über Liebe schrieb. 2014 entstand sein viertes Stück Der Anruf, das er selbst als Thriller-Kammerspiel bezeichnete. In seiner Minimalausführung mit einer Dame und einem Herrn in einer Dekoration erfreut sich das Stück seither an vielen kleinen Theatern großer Beliebtheit. So auch im Düsseldorfer Theater an der Luegallee, wo es im April vergangenen Jahres Premiere feierte und nun wiederaufgeführt wird.
Theaterinhaberin Christiane Reichert zeichnet für Regie und Ausstattung verantwortlich. Die Bühne ist denkbar schlicht eingerichtet. Zwei Schreibtische in unterschiedlichen Höhen, mit jeweils einem Notebook ausgestattet, auf dem vorderen Schreibtisch findet zusätzlicher Nippes Platz. An den hinteren Schreibtisch setzt sich Daniel Wandelt, vorne lässt sich Sabine Barth nieder. Beide erfahrene Schauspieler, setzt Wandelt mit Sprecherausbildung und sonorer, zusätzlich geschulter Stimme noch einen drauf. Zum Beweis, dass das ungeheure Textkonvolut nicht etwa abgelesen, sondern tatsächlich von beiden memoriert wird, wird Reichert nach der Aufführung darauf hinweisen, dass es sich bei den Notebooks nicht etwa um Lesehilfen, sondern um Attrappen handelt.

Die Ausgangslage ist denkbar typisch. Ein Mann ruft zu nachtschlafender Zeit bei einer Hotline an. Er kann einige Fotos auf seinem nagelneuen Notebook nicht öffnen, verlangt nach Hilfe. Marco Siegel äußert seinen Ärger über die Dauer der Wartezeit und die unsägliche Musik in der Warteschleife. Eva Liebermann als erfahrener Call-Center-Agent reagiert gelassen und professionell. Als sie sich ein Foto zuschicken lässt, schaut sie fassungslos auf ihr eigenes Urlaubsfoto in Thailand am Strand. Währenddessen baggert Siegel sie hemmungslos an. Verfügt über außerordentliche Detailkenntnisse aus Liebermanns Leben. Die Situation wird für die IT-Spezialistin zunehmend unübersichtlich und unangenehm. Eckel rutscht dabei über Gebühr in Vulgärsprache ab. Das ist umso bedauerlicher, als sich nun eine raffinierte Geschichte mit zahlreichen Wendungen entwickelt. Ein kurzer Auftritt von Reichert zeigt erfahrenen Krimi-Fans die Richtung an, alle anderen dürfen noch ein wenig im Dunkeln tappen.
Handlung findet so gut wie gar nicht statt. Die Stimme Wandelts unterstreicht noch den Hörspielcharakter. Das muss man wissen, wenn man sich auf diesen Abend einlässt. Wer sich übrigens im Vorfeld im Internet über das Stück informiert, wird herausfinden, dass Liebermann ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. An dieser Stelle sei verraten, dass das Stück mit einem sehr viel düsteren Knalleffekt endet. Dem Publikum im vollbesetzten Saal gefällt es, und so fällt der Applaus nach anderthalb Stunden mehr als großzügig aus.
Mehr Handlung verspricht Falsche Schlange von Alan Ayckbourn. Die „rabenschwarze Thriller-Komödie“ startet am 27. März im Theater an der Luegallee. Dann stehen Sabine Barth, Christiane Reichert und Nele Thomalla auf der Bühne.
Michael S. Zerban