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Schattenatmosphäre

LIGHTTRAVELER
(Pascal Touzeau)

Besuch am
27. März 2025
(Urauf­führung)

 

Pascal Touzeau & Co. im ES 365, Düsseldorf

Selten haben ein Spielort und eine Aufführung so gut zusam­men­ge­passt, wie die heutige Urauf­führung im ES 365. Das ES 365 wurde von einem Autohändler genutzt. Seitdem hier keine italie­ni­schen Luxus­ka­rossen mehr feilge­boten werden, werden die Hallen und Räume in der Erkrather Straße in Düsseldorf als Ateliers an bildende Künstler vermietet. Auch die Compagnie von Pascal Touzeau hat hier ihre Residenz. Wenn sie am Abend zur Aufführung einlädt, liegen die teils offenen Ateliers leer und verlassen. Ein morbider Geruch von Verfall und Farbe liegt in der Luft des ungeheizten Gebäudes. Hier und da huscht noch ein Künstler in Richtung Ausgang. Die Fantasie beflügelt das Gefühl, ein anderes Universum zu betreten, fern der eigenen Wirklichkeit, kalt, unwirtlich.

Foto © Michael Zerban

Wenn es eine Konti­nuität in der Arbeit Touzeaus gibt, ist es der Wechsel seiner Partner. Auch die neue Produktion findet in bislang nicht gekannter Koope­ration statt. Desislava Staykova-Learn ist in Bulgarien geboren, hat in Frank­reich und den Nieder­landen gelebt, wo sie in Inter­dis­zi­pli­nären Künsten gradu­ierte. Heute lebt sie in Düsseldorf und arbeitet als Beraterin, Fotografin und Künst­lerin. Licht ist eines ihrer wichtigsten Arbeits­mittel. Das inspi­rierte sie auch zur Zusam­men­arbeit mit Touzeaus Compagnie. Ihre Idee: Licht, bewegte Lichter als Schat­ten­spiel, Raumat­mo­sphäre, Raumge­staltung. Licht als Körper und Objekt. Aber auch die Beziehung zwischen dem bewegten Körper und Licht. Kein ganz neuer Gedanke. Die Neuigkeit liegt in der Umsetzung.

Die Besucher müssen dieses Mal nicht vor verschlos­senen Türen warten, sondern dürfen gleich nach Ankunft die ehemalige Wagen­halle betreten. Mittig auf der Querseite sind ein paar Stuhl­reihen in der Breite der Tanzfläche aufge­stellt, dazwi­schen ein Tisch, auf dem die Technik für Touzeau aufgebaut ist. Unmit­telbar davor sind ein paar Schein­werfer aufge­reiht, vor der gegen­über­lie­genden Wand ist etwas aufge­stellt, das aus der Ferne aussieht wie ein Strandkorb. Theater­nebel durch­zieht die Halle in dichten Schwären, um das Licht vernünftig zu trans­por­tieren. Inzwi­schen weiß man, dass die Halle nicht geheizt wird, legt die dicke Winter­jacke gar nicht erst ab – und bemit­leidet einmal mehr die Tänze­rinnen, denn auch Bewegung hilft hier auf Dauer eher wenig gegen die Kälte.

Foto © Michael Zerban

Eine Viertel­stunde nach offizi­ellem Auffüh­rungs­beginn betritt der Licht­rei­sende, nach dem die Produktion mit Light­tra­veler betitelt ist, den Raum und schreitet in Richtung des Strand­korbs, während die beiden metal­lenen Wander­stäbe ihren unbarm­her­zigen Takt auf den Beton­boden schlagen. Thomas Huy, seines Zeichens Bassba­riton, verkörpert den ewigen Wanderer in der Einsamkeit perfekt. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, trägt eine trans­pa­rente Brille, auf dem Rücken eine Stablampe. Als er seine Position einge­nommen hat, kommen Alice Hunter, Caroline Powell und Valeria di Mauro, die sich vor die Lampen gesetzt haben, in Bewegung, bilden eine Linie zwischen Zuschauern und Rückwand. Der Tanz kann beginnen.

Bekleidet mit hautfar­bener Unter­wäsche und Strumpf­hosen erinnern die Tänze­rinnen an Insekten, die zwischen den Lichtern und dem Reisenden umher­schwirren. Derweil erklingt Musik aus dem Lautsprecher. Von Alva Noto gibt es Hybr:ID III, von Arvo Pärt Credo. Und eine Überra­schung, als Susanne Diesners Stimme Impro­vi­sa­tionen singt. Überra­schung deshalb, weil man Diesner eher als eine der bedeu­tenden Kultur­fo­to­grafen in Düsseldorf kennt. Ihre Stimme gesellt sich zu der Huys, Staykova-Learn hat mit Diesner für die richtige Tonmi­schung gesorgt. Und dann singt Huy live. Auch hierbei impro­vi­siert er. Das klingt alles großartig und unter­streicht die mystische Atmosphäre des Abends.

Das Finale der halbstün­digen Aufführung gestaltet Luisa Stehmann mit einem Solo, das sie mit drei Stablampen tanzt. Schließlich setzt der Light­tra­veler seine Reise mit langsamen, schweren Schritten in Richtung Ausgang und damit in eine Unend­lichkeit fort, gefolgt von Stehmann. Die Assozia­tionen reichen an diesem Abend von Märchen aus längst vergan­genen Zeiten bis zu unendlich traurigen Science-Fiction-Abenteuern. Das Ende ist so ungewiss wie groß. Das sieht das Publikum genauso und applau­diert überschwänglich. Der Zauber wirkt fort, wie angeklebt bleiben die Besucher sitzen, bis Touzeau das Hallen­licht einschaltet und sich noch einmal verab­schiedet. Das erlebt man auch nicht so oft.

Weitere fünf Auffüh­rungen sind am folgenden Wochenende und Ende April vorge­sehen. Unbedingt empfeh­lenswert für alle, die sich warm genug anziehen.

Michael S. Zerban

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