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BENEFIZKONZERT JULIA RINDERLE
(Diverse Komponisten)
Besuch am
10. April 2025
(Einmalige Aufführung)
Sprachlosigkeit. Sie überfällt dich gleich einer Schockstarre, wenn du die Diagnose Krebs bekommst. So erging es auch Annette Rexrodt von Fircks, als sie erfuhr, dass sie an Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium erkrankt war. Wie gehst du mit der Situation um, wenn du drei Kinder hast? Redest du mit ihnen darüber, weinst mit ihnen? Was macht das mit ihnen, bist du es möglicherweise, die sie für ihr Leben traumatisiert? Die damals 35-Jährige blieb mit ihren Fragen allein. Eine furchtbare Erfahrung. Und so gründete die gebürtige Essenerin, nachdem sie die Erkrankung überlebt hatte, die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung, damit Frauen und ihre Kinder in ähnlichen Situationen nicht allein bleiben. Seit 20 Jahren gibt es die Stiftung nun, und sie konnte bereits in rund 14.000 Fällen helfen. Im vergangenen Jahr starb Annette Rexrodt von Fircks, aber die Arbeit geht weiter. Dazu ist die Stiftung auf Unterstützung angewiesen.
Einer ihrer Unterstützer ist Reza Indrakesuma, Leiter des C.-Bechstein-Centrums in Düsseldorf. Er stellt jetzt seine Konzertlounge für ein Benefizkonzert zur Verfügung, damit Pianistin Julia Rinderle mit ihrem Spiel Geld für die Stiftung einsammeln kann. Rinderle ist in Memmingen geboren, hat in Hannover und Salzburg Klavier studiert und ist seither als Solistin, Kammermusikantin und Pädagogin tätig. Dabei verfügt sie über ein breites Repertoire „quer durch die Epochen“. Zu ihren Spezialitäten gehört, dass sie ihre Programme gern – und gut vorbereitet, wie heute Abend zu hören sein wird – selbst moderiert.

Dankenswerterweise beschränken sich die in solchen Fällen üblichen Begrüßungsreden auf das Notwendige, so dass die zahlreich erschienenen Besucher alsbald in den Genuss des Konzertes kommen. Die Pianistin eröffnet mit den eher selten zu hörenden Variationen über ein Thema von Ludwig van Beethoven. Gemeint sind damit Etüden zum zweiten Satz der siebten Sinfonie Beethovens. Anschließend erklingt Beethoven selbst. Hier greift Rinderle zu einem seiner bekanntesten Werke, der dreisätzigen Waldstein-Sonate. 1804 vollendete Beethoven das Werk, das er seinem Freund und Förderer, Graf Ferdinand Ernst von Waldstein, widmete. Das Stück gehört zu den anspruchsvollsten der 32 Sonaten. „Eine vollendete Darstellung der Waldsteinsonate gibt es nicht. Vielleicht kann es sie gar nicht geben. Vielleicht lässt sich der klassische Ausgleich der Waldstein-Spannungen nur erahnen, nicht erspielen“, wird Joachim Kaiser zitiert.
Cécile Chaminade wurde 1857 am Fuß des Montmartre geboren. Ihre ersten Kompositionsversuche datieren aus der frühen Kindheit. Im Alter von acht Jahren spielte sie Georges Bizet eigene Werke vor, der sich davon durchaus beeindruckt zeigte. Ab 1877 erfreuten sich ihre Kompositionen zunehmender Beliebtheit. Nach einem erfolgreichen Lebenswerk starb sie 1944 in Monte Carlo. Ab 1950 geriet ihr Werk zunehmend in Vergessenheit, ehe es ab 1980 eine Renaissance erlebte. Neben zahlreichen anderen Arbeiten hinterließ sie 200 Stücke für Klavier solo und mehr als 100 Lieder. Rinderle spielt die drei Charakterstücke L’Ondine, Lolita, Caprice espagnole und Air de Ballet und beweist damit, dass auch in Deutschland der Name Chaminade häufiger auf die Programmzettel gehört.
Es bleibt für den Rest des Abends französisch gefärbt. Aus den Images von Claude Debussy bringt Rinderle die Reflets dans l’Eau und L’Isle Joyeuse zu Gehör, ehe sie mit Frédéric Chopins Nocturne in cis-Moll und dem Scherzo Nr. 2 in b‑Moll zu einem virtuosen Ende kommt.
Wohlverdient darf Rinderle sich intensiv feiern lassen. Im gemütlichen Ambiente des Klaviergeschäfts dauern die Gespräche noch eine Weile an, bis ein wunderbarer Abend endgültig zu Ende geht.
Michael S. Zerban