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MOKA EFTI ORCHESTRA UND BENNO FÜRMANN
(Diverse Komponisten)
Besuch am
24. April 2025
(Einmalige Aufführung)
Über die in vier Staffeln erschienene Fernsehserie Babylon Berlin, die im Jahr 1929 spielt, große Worte zu verlieren, erübrigt sich wohl angesichts des hohen Bekanntheitsgrades, wofür die hohen Einschaltquoten sprechen. Nur kurz so viel: Die wohl endgültig letzte Staffel fünf ist in Arbeit. Den Staffeln drei und vier dienten die von Volker Kutscher geschaffenen Kriminalromane Der stumme Tod und Goldstein über den Kriminalkommissar Gereon Rath als Vorlage. Den ersten beiden Staffeln – teuerste deutsche Fernsehproduktion und teuerste nicht-englischsprachige Serie – liegt Kutschers Kriminalroman Der nasse Fisch zugrunde. Und darum geht es an diesem Abend. In Scharen pilgern die Fans, zum Teil im Outfit der damaligen Zeit, hoch auf Wuppertals Johannisberg, hinein in den schließlich so gut wie ausverkauften Großen Saal der Historischen Stadthalle, um live in Wort und Musik das zu erleben, was sie bislang nur vor der Flimmerkiste genießen konnten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Sie kommen voll auf ihre Kosten.

Da sitzt er, Schauspieler Benno Fürmann, vor dem Moka Efti Orchestra an einem einfachen Holztisch und trägt in den rund ersten 60 Minuten Kapitel aus Der nasse Fisch vor. Er, der in der Serie den Oberst a.D., Regierungsrat und Persönlichen Referenten von Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Günter Wendt, verkörpert, schlüpft qua seiner hochkarätigen Rezitationskunst auch gekonnt in andere Rollen. Dank ihm kann man sich leicht hineinversetzen in die Zeit gegen Ende der Weimarer Republik mit ihren politisch wie gesellschaftlich beängstigenden Wandlungen. Dazu passen die Charaktere, die er plausibel zugänglich macht. Mal kommt seine Stimme ruhig über die Bühne. Dann akzentuiert er überdeutlich, verfällt ins Nuscheln. Es kann aber auch schreiend aus ihm herausplatzen. Glasklar kommen Stimmungen über seine Lippe, wenn es etwa um Folteropfer oder Mordermittlungen geht. Die vierzehnköpfige Band, die sich ihren Namen nach dem gleichnamigen Berliner Café von damals gab, das nachts zu einem Tanzschuppen mutierte, spielt zu einer Lesung der Extraklasse ebenso variabel auf. Zum einen sind es nuancierte Bläsersätze, zum anderen auch richtig schmutzige wie betörend-glänzende Sounds. Fatalist Tango, in dem es heißt „Und wie es weitergeht/Wie die Welt sich dreht/Ist mir egal!/Ganz egal!“ ist mit dabei. Oder Tim Fischers Meine Rose wird kurz angespielt.
Ist bis dahin die Big Band, eigens für die Serie ins Leben gerufen, mehr ein musikalischer Begleiter Fürmanns, legt sie anschließend ohne ihn erst so richtig los. In der nicht alltäglich Besetzung mit zwei Trompeten respektive Flügelhorn, zwei Posaunen, drei Musikern an den Saxofonen, Querflöte und Klarinette, Banjo beziehungsweise Mandoline, zwei Geigen, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug geht es fetzig zur Sache. Es ist ein Spitzenensemble um die Komponisten Nikko Weidemann und Mario Kamien sowie Arrangeur Sebastian Borkowski, das eine bunte Vielfalt an Songs und locker Instrumentalem wie dem Charleston, das die 1920-er Jahre aufblühen lässt. Kamien trällert auf Berlinerisch Entschuldigen Sie mal. Weidemann gibt am Flügel Rainbow zum Besten.
Die Band lässt nicht außer Acht, Zu Asche, zu Staub an diesem Abend Tom Tykwer zu widmen, wurde er doch bekanntlich in Wuppertal geboren und wuchs dort auch auf. Er war nämlich mit für Drehbuch, Regie und Musik maßgeblich zuständig. Bei dem Hit ist das Publikum ganz aus dem Häuschen. Alle stehen spontan auf, jubeln und singen textsicher mit. Gerade hier hat die Kunstfiguer „Le Pustra“ ihren großen Auftritt, die als Diva im Marlene-Dietrich-Look alles gibt, die ganze Verruchtheit und menschlichen Abgründe formvollendet gesanglich und darstellerisch darstellt. Auch ihre anderen Auftritte sind brillant.
Schließlich wollen nach gut zwei Stunden nonstop zu Recht die standing ovations kein Ende nehmen. Erst nach einem Zugabenblock, als alle an der Show beteiligten Künstler vorne an der Rampe zum Abschied winken, ebbt er ab.
Hartmut Sassenhausen