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Nach eigenen Angaben setzt der Berufsverband Bildender Künstler mit Hauptsitz in Berlin sich „als Berufsvertretung aktiv für kulturpolitische und soziale Interessen von Kunstschaffenden“ ein. In Düsseldorf betreibt der Bezirksverband das BBK-Kunstforum als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Damit soll eine Plattform für den Austausch zwischen Kunstinteressierten und den BBK-Mitgliedern geschaffen werden. Recht idyllisch in demselben Hinterhof wie die Sammlung Philara gelegen, sind die Räumlichkeiten eher ein lost paradise. Für Freunde der Gegenwartskunst lohnt es sich allerdings, den Eingang auf der Birkenstraße im Düsseldorfer Stadtteil Bilk zu finden. Gerade geht dort die Ausstellung Fresh Positions zu Ende. Einmal im Jahr findet die so genannte Akademie-Ausstellung statt – und das seit nunmehr 25 Jahren. Studenten der Kunstakademie Düsseldorf können sich um die Teilnahme bewerben, eine Jury entscheidet, wer teilnimmt. Eigentlich sollte die diesjährige Ausstellung ein einziges großes Fest werden. Ausbleibende Förderungen verhinderten das.

Zum Abschluss der Ausstellung allerdings hat der BBK es sich nicht nehmen lassen, die zeitgenössische Ballett-Kompanie Pascal Touzeau & Co. einzuladen, die derzeit die vermutlich aktivste Tanztruppe in der so genannten Freien Szene der Stadt Düsseldorf ist. Gerade mal zwei Tage ist es her, dass die Tänzerinnen mit einer Wiederaufnahme von Lighttraveler am Worringer Platz an neuer Spielstätte zu erleben waren. Für die Einladung ins BBK-Kunstforum wartet Choreograf Touzeau mit einer Uraufführung auf. Im Grunde ist es eher eine work-in-progress-Aufführung, die auf die Uraufführung der Langversion unter dem gleichen Titel Wings im Juni – dann vermutlich wieder im ES 365 – hinweist. Aber schon die gezeigten 15 Minuten an diesem Abend sind so intensiv, dass man getrost von einer eigenständigen Arbeit sprechen darf.
Mit Wings beschäftigt sich Touzeau mit dem Film Der Himmel über Berlin von Wim Wenders aus dem Jahr 1987. Seit Anbeginn der Zeit treten die Engel Damiel und Cassiel als unsichtbare Beobachter der Welt auf, können den Lauf der Dinge nicht beeinflussen, aber den Menschen Lebensmut einflößen.
Schon zu dem Kunstfilmdrama mit meditativem Charakter, das mit Schauspielergrößen wie Bruno Ganz, Otto Sander und Peter Falk glänzte, mussten die „Kritiker“ pflichteifrig Interpretationen nachliefern, um den Kinofilm und Regisseur Wenders abfeiern zu können. Ehrlicher waren da die Österreicher. „Ein geschwätziges, von Kunstgewerbe angekränkeltes, synthetisches Stück Kino“, urteilte der Falter, eine Wiener Wochenzeitung. Man mag zur Verfilmung stehen, wie man will, aber das Sujet stimmt nachdenklich. Und wenn Touzeau die Grundidee des Films abstrahiert und fragt, wer sich eigentlich um wen sorgt und wer wen umsorgt, dann stellt man sich als Zuschauer die Frage, warum darauf nicht längst jemand gekommen ist.

Für Tänzer muss es etwas Besonderes sein, Engel darzustellen. Erlaubt es doch einen ätherischen, ästhetisch anspruchsvollen Tanz. Das ist zumindest der Eindruck, den die Kompanie vermittelt, erst recht, wenn statt einer Bühnenbeleuchtung gleißendes Sonnenlicht durch die Fenster fällt. Schon die Eröffnung von Alice Hunter, nachdem die anderen auf Stühlen rund um die mittige Säule Platz genommen haben, ist bewusst groß, ja, majestätisch gehalten. In der Folge bekommen Luisa Stehmann, Caroline Powell und Valeria di Mauro Gelegenheit, ihre solistischen Fähigkeiten ebenso darzustellen wie die Begegnungen zwischen Engeln und Menschen. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, in denen di Mauro mit Wei Chen Chen in Dialog tritt. Der Tänzer ist neu im Team, gefiel bereits bei seinem ersten Auftritt in Synergies während der Kunstmesse Artartist und fügt sich bestens in das Ensemble ein. Auch Bassbariton Thomas Huy ist wieder mit von der Partie. Ist es wirklich so, dass er hier, ganz in schwarz gekleidet, Gott darstellt, der zunächst eher als Beobachter an der Seite sitzt, ehe er Engel und Menschen einem Rattenfänger gleich an die Hand und mit sich nimmt? Wunderbar, wie das Ensemble in Reihe zusammenfindet. Da entstehen vielversprechende Bilder, die dann nach einer intensiven Viertelstunde auch für einen gelungenen Abschluss sorgen.
Touzeau verzichtet bewusst auf die Filmmusik. Stattdessen greift er auf Lonely Angel, ein Klaviertrio von Pėteris Vasks aus dem Jahr 2019 in der Interpretation durch das Trio Palladio, zurück. So nähert er sich seinem Thema weiter an und eröffnet die Möglichkeiten für die geplante Weiterentwicklung. Auf die darf man nach der heutigen Aufführung gespannt sein. Denn auch wenn die Tänzer einen gelungenen Spannungsbogen aufbauen, ist die Idee von der Begegnung der Engel mit den Menschen sicher noch nicht erschöpft.
Die wenigen Besucher im Kunstforum sind hingerissen und feiern die Tänzer ausgelassen.
Michael S. Zerban