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Vielfältig erfolgreicher Puccini

IL TRITTICO
(Giacomo Puccini)

Besuch am
29. April 2025
(Premiere)

 

Opéra national de Paris, Bastille

Puccinis „Triptik“ von drei Einaktern entstand zwischen 1913 und 1918 und wurde wegen des Krieges in Europa Ende 1918 von der Metro­po­litan Opera in New York zum ersten Mal gegeben. Puccini hat die  drei Werke als ein Ganzes gesehen, obwohl es drei sehr verschiedene Themen sind, jedes mit seiner sehr eigenen Atmosphäre, die der Komponist musika­lisch jedes Mal entspre­chend behandelt – Gianni Schicchi, eine Art Opera buffa, die im mittel­al­ter­lichen Florenz spielt, mit kalten, metal­li­schen Farbtönen und nervösen Rhythmen; Il Tabarro, ein Eifer­suchts­drama im Paris des 19. Jahrhun­derts mit düsterer, drückender Orches­ter­be­gleitung; und schließlich Suor Angelica, eine mystische Tragödie in einem Kloster des 17. Jahrhun­derts mit klaren, reinen und sehr gefühl­vollen Klängen.

Asmik Grigorian singt und spielt die weiblichen Haupt­rollen in allen drei Opern. Christof Loy insze­niert die Kopro­duktion mit den Salzburger Festspielen 2022. Wie er selbst sagt, er hat in seinen Insze­nie­rungen immer „versucht, einen gewissen Minima­lismus zu erreichen und gleich­zeitig die Portraits der Haupt­dar­steller mit psycho­lo­gi­scher Genau­igkeit darzustellen.“

Foto © Guergana Damianova

Der Stoff von Gianni Schicchi stammt aus Dantes Divina Comedia, obwohl man eher geneigt ist, ihn unter die Geschichten aus Boccaccios Decameron einzu­reihen. Der reiche Buoso Donati ist gestorben, und die Familie entdeckt voller Entsetzen, dass er in seinem Testament sein gesamtes Vermögen einem Kloster vermacht hat. Da noch niemand von seinem Tod erfahren hat, schlägt Donatis Neffe – nicht ohne Hinter­ge­danken – vor, den mittel­losen, aber juris­tisch und auch sonst sehr gewitzten Gianni Schicchi zu bitten, eine Lösung zu finden. Der legt sich daraufhin ins Bett des Verstor­benen und diktiert mit verstellter Stimme und als todkranker Donati zurecht gemacht, dem schnell herbei­ge­holten Notar ein neues Testament. Wie er versprochen hat, werden dabei alle Famili­en­mit­glieder bedacht, aber er vermacht den wertvollsten Teil der Erbschaft sich selbst. Fast alle sind darüber wütend, weil aber die Fälschung eines Testa­ments streng bestraft wird, wagt niemand, Einspruch zu erheben. Nur der junge Rinuccio ist selig, weil er jetzt Lauretta, die Tochter des nun reichen Gianni Schicchi heiraten darf, was seine Familie ihm bisher verboten hatte.

Die Handlung spielt in einem nackten, großen Saal mit einigen Stühlen und einem großen Bett, in dem am Anfang der Verstorbene, und danach Gianni Schicchi liegt. Die Kostüme sind zeitge­nös­sisch. Viel mehr als die beiden anderen Einakter ist dieses Werk dem Theater, der burlesken Komödie näher als der Oper, ohne jedoch ins Operet­ten­hafte abzugleiten. Der Eindruck wird noch verstärkt durch eine erregte, witzige Choreo­grafie, die manchmal ans Groteske grenzt, gepaart mit einer bis ins kleinste Detail ausge­klü­gelten Perso­nen­regie. Auch Puccinis Musik breitet sich in diesem Einakter nicht voll aus, sie ist gestraffter, moderner. Dennoch gehört die einzige lyrische Arie der Oper, Laurettas O mio babbino caro zu den schönsten, die Puccini kompo­niert hat. Grigo­rians strah­lende Stimme bleibt darin nichts schuldig. Die schau­spie­le­risch und stimmlich bühnen­be­herr­schende Persön­lichkeit Mischa Kirias präde­sti­niert ihn für die Rolle des Schlitzohrs Gianni Schicchi. Sehr witzig, wie er sie alle warnt, was passiert, falls jemand von der Fälschung erfährt: Primo un averti­mento ! Er spielt sie alle an die Wand. Alexey Neklyudov ist mit feurigem Tenor der einfalls­reiche Rinuccio. Mit allen anderen Sängern ergibt das ein ausge­zeichnet aufein­ander einge­spieltes Ensemble und eine heitere, leichte Atmosphäre.

In Il Tabarro, der Mantel, ist Giorgetta, die Frau des Schiffs­ka­pitäns Michele, unglücklich mit ihrem seit dem Tod ihres Sohnes düsteren und verschlos­senen Mann. Sie hat mit Luigi, einem der Lasten­träger, eine heimliche Liebes­affäre begonnen, die sie aber auch nicht glücklich macht. Auf ein falsch verstan­denes Signal hin, das Micheles Abwesenheit ankün­digen soll, kommt Luigi eines Abends spät an Bord, um Giorgetta zu treffen, trifft aber auf den Kapitän, der ihn kurzerhand erdolcht und unter seinem weiten Mantel versteckt. Als seine Frau dazu kommt, um sich mit ihrem Mann zu versöhnen, öffnet er den Mantel und der Leichnam fällt ihr vor die Füße.

Das Dekor, diesmal weniger minima­lis­tisch, ist eine malerische, nebel-nächt­liche Szene unter Straßen­la­ternen am Seineufer, wo ein Lastenkahn vertäut ist. Davor zieht das einfache Volk vorbei, Hafen­ar­beiter, Liebes­paare, Tänzer, betrunkene Nacht­schwärmer, ein Mann mit einem Leier­kasten … Trotz der vielfäl­tigen Gesel­ligkeit bleibt die Atmosphäre – von der Musik und der Regie getragen – düster.

Foto © Guergana Damianova

Stimmlich inter­pre­tiert Roman Burdenko sehr überzeugend mit wohl timbrierter, voller Bariton­stimme den intro­ver­tierten, unglück­lichen Michele. Sehr eindrucksvoll in seinem drama­ti­schen Monolog Nulla! Silenzio! Seine platin­blonde, frustrierte Frau ist Asmik Grigorian und Joshua Guerrero ihr Liebhaber Luigi. Im Duett Belle­ville è il nuostro suolo e il nostro mondo! träumen sie sehnsuchtsvoll von einem glück­li­cheren Leben. Mit den übrigen Ausfüh­renden kreieren sie ein einheit­liches, etwas dumpfes Straßengeschehen.

Suor Angelica ist ein junges Mädchen aus hochade­ligem Hause, das seine Familie entehrt hat, indem es ein unehe­liches Kind bekommen hat. Das Kind nimmt man ihr gleich nach der Geburt weg und steckt sie in ein Kloster, um zu büßen. Als nach sieben Jahren zum ersten Mal die Prinzessin, ihre Tante, auf Besuch kommt, bringt sie keine Barmher­zigkeit mit. Im Gegenteil, sie will nur erwirken, dass Angelica auf ihr Erbe verzichtet. Als die ihre Tante anfleht, ihr von ihrem Kind zu erzählen, lässt sie sie herzlos wissen, dass ihr Kind schon vor zwei Jahren gestorben sei. Vollkommen zu Grunde gerichtet und allein gelassen, nimmt Angelica Gift und als sie sich der Todsünde bewusst wird, ist es zu spät. Mit letzter Kraft betet sie um Vergebung zur Heiligen Jungfrau, die sie in einem Akt der Gnade im Tod mit ihrem Kind vereint.

Wieder ist das Dekor ein großer nackter Saal mit einem Fenster und einer Tür, dazu ein paar Tische und Stühle. Für ein Kloster durchaus angebracht. Alle tragen Nonnen­ge­wänder und Flügel­hauben. Christof Loy hat offen­sichtlich das seltene Talent, aus wenig viel zu machen, denn seine Choreo­grafie der Nonnen ergibt Bilder, die auch ohne Dekor auf das 17. Jahrhundert schließen lässt.

In dieser Oper kommen nur Sänge­rinnen vor und Suor Angelica steht im Mittel­punkt der Handlung. Asmik Grigorian, sehr bewegend, bringt hier alle Register ihrer leuch­tenden Sopran­stimme zum Ausdruck. Besonders erschüt­ternd in der Schluss­szene ihr Lamento Senza mamma, o bimbo, tu sei muorto! Und gleich darauf in Ekstase La grazia è discesa dal cielo. Bemer­kenswert auch Karita Mattila als die eiskalte Prinzessin. Mit allen anderen Sänge­rinnen ergibt sich ein schönes, einheit­liches Gesamtbild.

Carlo Rizi dirigiert gekonnt die Solisten, den Chor und das Orchester der Opéra national de Paris, und es gelingt ihm, die Feinheiten von Puccinis vielsei­tiger Orches­ter­be­gleitung der drei Opern voll auszuschöpfen.

Das Premieren-Publikum ist sehr beeindruckt.

Alexander Jordis-Lohausen

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