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Puccinis „Triptik“ von drei Einaktern entstand zwischen 1913 und 1918 und wurde wegen des Krieges in Europa Ende 1918 von der Metropolitan Opera in New York zum ersten Mal gegeben. Puccini hat die drei Werke als ein Ganzes gesehen, obwohl es drei sehr verschiedene Themen sind, jedes mit seiner sehr eigenen Atmosphäre, die der Komponist musikalisch jedes Mal entsprechend behandelt – Gianni Schicchi, eine Art Opera buffa, die im mittelalterlichen Florenz spielt, mit kalten, metallischen Farbtönen und nervösen Rhythmen; Il Tabarro, ein Eifersuchtsdrama im Paris des 19. Jahrhunderts mit düsterer, drückender Orchesterbegleitung; und schließlich Suor Angelica, eine mystische Tragödie in einem Kloster des 17. Jahrhunderts mit klaren, reinen und sehr gefühlvollen Klängen.
Asmik Grigorian singt und spielt die weiblichen Hauptrollen in allen drei Opern. Christof Loy inszeniert die Koproduktion mit den Salzburger Festspielen 2022. Wie er selbst sagt, er hat in seinen Inszenierungen immer „versucht, einen gewissen Minimalismus zu erreichen und gleichzeitig die Portraits der Hauptdarsteller mit psychologischer Genauigkeit darzustellen.“

Der Stoff von Gianni Schicchi stammt aus Dantes Divina Comedia, obwohl man eher geneigt ist, ihn unter die Geschichten aus Boccaccios Decameron einzureihen. Der reiche Buoso Donati ist gestorben, und die Familie entdeckt voller Entsetzen, dass er in seinem Testament sein gesamtes Vermögen einem Kloster vermacht hat. Da noch niemand von seinem Tod erfahren hat, schlägt Donatis Neffe – nicht ohne Hintergedanken – vor, den mittellosen, aber juristisch und auch sonst sehr gewitzten Gianni Schicchi zu bitten, eine Lösung zu finden. Der legt sich daraufhin ins Bett des Verstorbenen und diktiert mit verstellter Stimme und als todkranker Donati zurecht gemacht, dem schnell herbeigeholten Notar ein neues Testament. Wie er versprochen hat, werden dabei alle Familienmitglieder bedacht, aber er vermacht den wertvollsten Teil der Erbschaft sich selbst. Fast alle sind darüber wütend, weil aber die Fälschung eines Testaments streng bestraft wird, wagt niemand, Einspruch zu erheben. Nur der junge Rinuccio ist selig, weil er jetzt Lauretta, die Tochter des nun reichen Gianni Schicchi heiraten darf, was seine Familie ihm bisher verboten hatte.
Die Handlung spielt in einem nackten, großen Saal mit einigen Stühlen und einem großen Bett, in dem am Anfang der Verstorbene, und danach Gianni Schicchi liegt. Die Kostüme sind zeitgenössisch. Viel mehr als die beiden anderen Einakter ist dieses Werk dem Theater, der burlesken Komödie näher als der Oper, ohne jedoch ins Operettenhafte abzugleiten. Der Eindruck wird noch verstärkt durch eine erregte, witzige Choreografie, die manchmal ans Groteske grenzt, gepaart mit einer bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Personenregie. Auch Puccinis Musik breitet sich in diesem Einakter nicht voll aus, sie ist gestraffter, moderner. Dennoch gehört die einzige lyrische Arie der Oper, Laurettas O mio babbino caro zu den schönsten, die Puccini komponiert hat. Grigorians strahlende Stimme bleibt darin nichts schuldig. Die schauspielerisch und stimmlich bühnenbeherrschende Persönlichkeit Mischa Kirias prädestiniert ihn für die Rolle des Schlitzohrs Gianni Schicchi. Sehr witzig, wie er sie alle warnt, was passiert, falls jemand von der Fälschung erfährt: Primo un avertimento ! Er spielt sie alle an die Wand. Alexey Neklyudov ist mit feurigem Tenor der einfallsreiche Rinuccio. Mit allen anderen Sängern ergibt das ein ausgezeichnet aufeinander eingespieltes Ensemble und eine heitere, leichte Atmosphäre.
In Il Tabarro, der Mantel, ist Giorgetta, die Frau des Schiffskapitäns Michele, unglücklich mit ihrem seit dem Tod ihres Sohnes düsteren und verschlossenen Mann. Sie hat mit Luigi, einem der Lastenträger, eine heimliche Liebesaffäre begonnen, die sie aber auch nicht glücklich macht. Auf ein falsch verstandenes Signal hin, das Micheles Abwesenheit ankündigen soll, kommt Luigi eines Abends spät an Bord, um Giorgetta zu treffen, trifft aber auf den Kapitän, der ihn kurzerhand erdolcht und unter seinem weiten Mantel versteckt. Als seine Frau dazu kommt, um sich mit ihrem Mann zu versöhnen, öffnet er den Mantel und der Leichnam fällt ihr vor die Füße.
Das Dekor, diesmal weniger minimalistisch, ist eine malerische, nebel-nächtliche Szene unter Straßenlaternen am Seineufer, wo ein Lastenkahn vertäut ist. Davor zieht das einfache Volk vorbei, Hafenarbeiter, Liebespaare, Tänzer, betrunkene Nachtschwärmer, ein Mann mit einem Leierkasten … Trotz der vielfältigen Geselligkeit bleibt die Atmosphäre – von der Musik und der Regie getragen – düster.

Stimmlich interpretiert Roman Burdenko sehr überzeugend mit wohl timbrierter, voller Baritonstimme den introvertierten, unglücklichen Michele. Sehr eindrucksvoll in seinem dramatischen Monolog Nulla! Silenzio! Seine platinblonde, frustrierte Frau ist Asmik Grigorian und Joshua Guerrero ihr Liebhaber Luigi. Im Duett Belleville è il nuostro suolo e il nostro mondo! träumen sie sehnsuchtsvoll von einem glücklicheren Leben. Mit den übrigen Ausführenden kreieren sie ein einheitliches, etwas dumpfes Straßengeschehen.
Suor Angelica ist ein junges Mädchen aus hochadeligem Hause, das seine Familie entehrt hat, indem es ein uneheliches Kind bekommen hat. Das Kind nimmt man ihr gleich nach der Geburt weg und steckt sie in ein Kloster, um zu büßen. Als nach sieben Jahren zum ersten Mal die Prinzessin, ihre Tante, auf Besuch kommt, bringt sie keine Barmherzigkeit mit. Im Gegenteil, sie will nur erwirken, dass Angelica auf ihr Erbe verzichtet. Als die ihre Tante anfleht, ihr von ihrem Kind zu erzählen, lässt sie sie herzlos wissen, dass ihr Kind schon vor zwei Jahren gestorben sei. Vollkommen zu Grunde gerichtet und allein gelassen, nimmt Angelica Gift und als sie sich der Todsünde bewusst wird, ist es zu spät. Mit letzter Kraft betet sie um Vergebung zur Heiligen Jungfrau, die sie in einem Akt der Gnade im Tod mit ihrem Kind vereint.
Wieder ist das Dekor ein großer nackter Saal mit einem Fenster und einer Tür, dazu ein paar Tische und Stühle. Für ein Kloster durchaus angebracht. Alle tragen Nonnengewänder und Flügelhauben. Christof Loy hat offensichtlich das seltene Talent, aus wenig viel zu machen, denn seine Choreografie der Nonnen ergibt Bilder, die auch ohne Dekor auf das 17. Jahrhundert schließen lässt.
In dieser Oper kommen nur Sängerinnen vor und Suor Angelica steht im Mittelpunkt der Handlung. Asmik Grigorian, sehr bewegend, bringt hier alle Register ihrer leuchtenden Sopranstimme zum Ausdruck. Besonders erschütternd in der Schlussszene ihr Lamento Senza mamma, o bimbo, tu sei muorto! Und gleich darauf in Ekstase La grazia è discesa dal cielo. Bemerkenswert auch Karita Mattila als die eiskalte Prinzessin. Mit allen anderen Sängerinnen ergibt sich ein schönes, einheitliches Gesamtbild.
Carlo Rizi dirigiert gekonnt die Solisten, den Chor und das Orchester der Opéra national de Paris, und es gelingt ihm, die Feinheiten von Puccinis vielseitiger Orchesterbegleitung der drei Opern voll auszuschöpfen.
Das Premieren-Publikum ist sehr beeindruckt.
Alexander Jordis-Lohausen