O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Improvisation für Freunde

RECITAL EKATERINA PORIZKO
(Diverse Komponisten)

Besuch am
30. April 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Klassik aber frisch im Alten Küsterhaus, Meerbusch

Im vergan­genen Jahr hat Klassik aber frisch, das Unter­nehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, junge Musiker zu fördern, mächtig Fahrt aufge­nommen. Monat­liche Konzerte im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich, monat­liche Konzerte im Piano Store von Marten Overath im Stadtteil Lank, die Gründung einer eigenen, privaten Musik­schule in Mönchen­gladbach waren nur einige Meilen­steine. Auch in den kommenden Monaten ist der Termin­ka­lender Ekaterina Porizkos zum Bersten gefüllt. Die künst­le­rische Leiterin des Unter­nehmens bereitet gerade mehrere Auffüh­rungen des Elias vor, während parallel das Carillon-Festival in Stuttgart ansteht. Zeit für eine Atempause in Büderich, die die Dirigentin, Pianistin, Organistin und Caril­lo­neurin mit einem Rezital im Alten Küsterhaus einleitet.

Die Besucher, die sich am Abend einfinden, haben das Alter deutlich überschritten, in dem man in den Mai tanzt, ehe man Birken vor den Balkonen der Liebsten aufbaut oder den Maibaum des Nachbar­dorfes klaut. Was eigentlich schade ist, denn in diesem Jahr darf man sich endlich einmal in der Nacht zum 1. Mai sommer­licher Tempe­ra­turen erfreuen, anstatt eine kalte, regne­rische Nacht in Kauf zu nehmen. Dass die Gäste nicht nur Bewun­derer der Tasten­künstlern sind, sondern sich samt und sonders unter­ein­ander kennen, trägt zur beson­deren Atmosphäre des Abends bei.

Foto © Michael Zerban

Porizko eröffnet mit der Nocturne opus 59, Nummer vier in C‑Dur von Edvard Grieg, ehe sie mit August Harders Geh aus mein Herz zum Schwer­punkt des Abends kommt. Denn weder singt sie die 15 Strophen nach dem Text des Sommer­liedes von Paul Gerhardt, noch übt sie sich in Werktreue. Vielmehr gibt es einen ersten Ausblick auf eine besondere Fähigkeit der Pianistin: die Improvisation.

Dabei steht Porizko noch ganz unter dem Eindruck ihrer gerade absol­vierten, kleinen Amerika-Tournee, von der sie mit guten Nachrichten heimkehrt. Im kommenden Jahr wird sie Elias in Nordamerika aufführen. Da kann sie beseelt die Nocturnes in H‑Dur und Fis-Dur von Frédéric Chopin zum Besten geben. Ein klang­licher Genuss, den die Besucher begeistert applau­dieren. Und damit werden dann auch die Noten­blätter beisei­te­gelegt, um zur nächsten Impro­vi­sation zu kommen. Verleih uns Frieden gnädiglich ist eine geist­liche Liedstrophe, die Martin Luther als Nachdichtung der grego­ria­ni­schen Antiphon Da pacem, Domine, in diebus nostris verfasste. Überra­schend endet sie im Viel Glück und viel Segen von Werner Gneist, bei dem Ekaterina Belowa, Geschäfts­füh­rerin von Klassik aber frisch, einstimmt und damit die Besucher zu gemein­schaft­lichem Gesang animiert, um Dagmar Jerusalem zu ehren, die ungeachtet ihres Geburts­tages für die Kasse und das leibliche Wohl sorgt. Mit einem Blumen­strauß und Umarmungen von Porizko und Belowa darf sie sich feiern lassen.

Die Kunst der Impro­vi­sation ist das eine, auf Zuruf neue Noten­kom­bi­na­tionen zu finden, das andere. Aus dem Publikum kommt der Wunsch, die Varia­tionen zur Mondschein­sonate von Ludwig van Beethoven zu hören, und Porizko erfüllt den Wunsch gern und gekonnt.

Foto © Michael Zerban

„Wenn ich heute vom Antlitz der Erde verschwinden würde, wäre das für die russische Musik kein großer Verlust“, schrieb Pjotr I. Tschai­kowsky 1876 seiner Schwester, als sich alles gegen ihn verschworen zu haben schien. Fast alles. Während selbst seinem Schwa­nensee der ganz große Erfolg vorläufig versagt blieb, erhielt er von einem Peters­burger Musik­ver­leger den Auftrag, zwölf charak­te­ris­tische Klavier­stücke zu kompo­nieren, für jeden Monat eines. Später gab Tschai­kowsky die Stücke unter dem Titel Die Jahres­zeiten heraus. Beson­derer Beliebtheit erfreut sich bis heute die Barcarole für den Frühlings­monat Juni. Das Stück erinnert daran, dass er im Frühjahr 1874 zum ersten Mal Venedig besuchte. Das Gondellied wirkt wie ein Echo auf die Tage in der Lagunen­stadt mit einer der schönsten Mollme­lodien, die der Komponist je geschrieben hat. Mit einem zarten G‑Dur-Mittelteil, einer wehmuts­vollen Reprise und einem zart glitzernden Ausklang inter­pre­tiert Porizko das Stück so eindrucksvoll, dass es auch nicht­rus­sische Seelen erreicht.

Nach zwei weiteren Impro­vi­sa­tionen darf zum Abschluss das Geburts­tagskind einen Wunsch äußern. 2023 war Jerusalem als Choristin dabei, als Porizko Le nozze di figaro in einer gekürzten Version im litaui­schen Birštonas aufführte. Nun wünscht sie sich ein Stück, dass sie daran erinnert. Porizko entscheidet sich für eine Impro­vi­sation über ein litaui­sches Volkslied. Und bringt damit den einstün­digen Abend zu einem glänzenden Abschluss, den das Publikum ausgiebig feiert. Und während Porizko bereits zur nächsten Chorprobe eilt, bleiben die Besucher noch, um mit Jerusalem anzustoßen und ihre Begeis­terung über den musika­li­schen Genuss zu äußern.

Das nächste Konzert von Klassik aber frisch wird am 10. Mai im Piano Store von Marten Overath in Lank statt­finden. Dann wird die Nachwuchs­sän­gerin Amalia aus Köln erwartet, die von Porizko am Klavier begleitet wird. Aber auch die Gäste im Alten Küsterhaus müssen in den kommenden Monaten nicht gänzlich auf Musik verzichten. Galeristin Isabelle von Rundstedt lädt für den 2. Mai zu einem Lieder­abend in fünf Gängen mit Karima Rösgen, Ulrike Kamps-Paulsen, Birgit Meyer und Ralph Rotzoll ein. Am 11. Mai wird dann wieder einmal Lieder­ma­cherin Inga Bachmann erwartet. Die Multi­in­stru­men­ta­listin bringt ihr Programm Lieder – Poetry – Kabaret­terie mit. Und am 17. Juli stellt Porizko ihr Sommer­pro­gramm mit franzö­si­scher Musik vor.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: