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LIEDER – POETRY – KABARETTERIE
(Inga Bachmann)
Besuch am
11. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)
Irgendwie scheint sich an diesem Wochenende alles gegen sie verschworen zu haben. Die Termine in ihrer Heimat Heidelberg ließen es nicht zu, dass sie vor dem Sonntag anreisen konnte. Das Frühsommerwetter ist kaum dazu geeignet, Besucher in das Alte Küsterhaus im Meerbuscher Stadtteil Büderich zu treiben. Und so hat sie die 300 Kilometer in ihre alte Heimat zurückgelegt, ohne Zeit für ihre Eltern zu finden, auf das große Publikum muss sie verzichten und die Rückreise am Montagmorgen wird sicher auch kein Zuckerschlecken.
Aber sie ist da. Nachdem Inga Bachmann ihr letztes Konzert Ende Januar vergangenen Jahres im Küsterhaus gab, steht sie nun endlich wieder im „Rampenlicht“ der Kulturspielstätte, in der noch die Bilder hängen, die die Schüler des örtlichen Mataré-Gymnasiums erarbeitet haben. Ihre ohnehin zarte Erscheinung wirkt noch ein wenig fragiler, auf „Bühnenkleidung“ hat sie verzichtet. Mit T‑Shirt, schwarzer Hose und Turnschuhen lenkt sie die Konzentration nicht auf glamouröse Bekleidung, sondern auf das, was sie zu sagen und zu singen hat. Galeristin Isabelle von Rundstedt, Hausherrin und Gastgeberin, findet freundliche Worte zur Begrüßung, ehe Bachmann das Publikum mit ihren Texten verzaubert.
Nahezu ansatzlos gelingt es Bachmann, das Publikum in den Bann ihrer Poesie zu ziehen. Mit Imposter geht es zunächst um die menschlichen Schwächen derer, die am Rand der Bühne ganz vorne stehen und immer Angst vor der Entdeckung ihrer Unzulänglichkeit haben. Was für ein Auftakt, wenn die, die „ganz oben“ stehen, doch auch so „normal“ sind. Während vor dem Alten Küsterhaus das Leben vorbeizieht und Laut in Form von Martinshörnern der Polizeistreifenwagen und Rettungswagen gibt, tauchen die Besucher in die Unzulänglichkeiten der Kommunikation oder Liebeslieder wie Tag am See ein und können ohne Schwierigkeiten in eine Welt außerhalb der Wirklichkeit vor den Fenstern verschwinden. Der stete Wechsel zwischen Gedichten aus ihrem ersten – und bislang einzigen – Gedichtband Zwischen Räumen, neuen Gedichten, die in eine Kladde geklebt sind, altbekannten und neuen Liedern sorgt für Lächeln bis Lachen, für Nachdenklichkeit und Wehmut in Erinnerung an selbst erlebte Situationen.

„Zuversicht ist keine Pflanze, die man gießt, damit sie wächst. Eher eine verschrobene Tante, die sich an meinen Esstisch setzt. Wenn ich mich an sie gewöhnt, sie sogar liebgewonnen hab, braucht sie eine Abwechslung – oder ich? – und reist ab.“ In ihrer unnachahmlichen Art trägt Bachmann ihr Gedicht Meine Zuversicht vor, als handele es sich um eine Moderation. Und ehe man es so ganz begreift, hat sie schon wieder zur Gitarre oder der Tenor-Ukulele gegriffen, um das nächste Lied anzustimmen. Beide Instrumente sind elektronisch verstärkt, so wie sie ihre Stimme – auf Wunsch der Besucher – durch ein Mikrofon unterstützt. Da gelingen die leisen Passagen ebenso wie laut Forderndes perfekt. Opernsänger Thomas Huy, der an diesem Sonntag ebenfalls als Besucher zugegen ist, bewundert, wie es Bachmann gelingt, nicht nur ungewöhnliche Stimmungen auf den Instrumenten hervorzubringen, sondern innere Konflikte auf ein allgemeingültiges Maß herunterzubrechen und mit passenden Phrasierungen zu interpretieren.
Wie gewohnt und beliebt, zeigt Bachmann die gesamte Bandbreite zwischen der ersten Verliebtheit und der alltäglichen Kommunikation abgekühlter Beziehungen auf. Letzteres immer auch mit dem kleinen Seitenhieb, dass das niemand zu ertragen habe und letztendlich die Möglichkeit der Flucht eine Option bietet. Dass sich Bachmann immer wieder dafür entschuldigt, zu wenig Liebeslieder zu singen, kennt der Besucher schon aus anderen Konzerten. Aber es bleibt dann doch genügend Raum für zärtliche Liebesbekundungen.
Wenn es zu den Beschreibungen des Verhaltens einer Katze wie in Minusch oder den banalen Gegebenheiten im Umgang mit dem Küchenlappen wie in Küchenlappenkarma oder den absurden Darstellungen aus der Welt der Werbung zum Gemüsefrieden kommt, zieht der Humor ein, ohne in Schenkelklopfern auszuarten. Und mit der Zugabe von Alles mit dir kehrt Bachmann zu dem zurück, was sie am besten kann: Zärtlichkeit.
Das Publikum bedankt sich mit langem und ausgiebigem Applaus. Dafür hat sich der kurze wie anstrengende Ausflug von Baden-Württemberg an den Niederrhein hoffentlich auch aus Sicht der begnadeten Künstlerin gelohnt.
Michael S. Zerban