O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
MOZARTLABOR ZU FREUND SCHUBERT
(Franz Schubert)
Besuch am
31. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)
Mozartfest Würzburg, Exerzitienhaus Himmelspforten Würzburg
Ein beglückender und doch nachdenklich stimmender Abend über den Sinn von Freundschaft, musikalisch, künstlerisch, ganz dem Motto des diesjährigen Mozartfestes Würzburg entsprechend, ist die bestens besuchte Veranstaltung des Mozartlabors im Kloster Himmelspforten mit dem Bariton Benjamin Appl und seiner Liedbegleiterin am Klavier, Doriana Tchakarova. Hier, in der ruhigen Idylle ein wenig abseits der Stadt, kann sich das entfalten, was sich ankündigte unter der Aufforderung Nimm der Freundschaft trautes Band als Motto des Abends.
Eingestimmt in das Thema wird das zahlreich erschienene Publikum vom launigen Vortrag von Hansjörg Ewert über Schubert, dessen „Hausgötter“ Goethe und Mozart gewesen seien, und dem der unerreichbare Beethoven als das „Maß aller Dinge“ erschien. Also agierte Schubert aus seinem Freundeskreis heraus mit Malern, Dichtern und Akademikern, komponierte quasi aus dem „Innen“, aus dem überschaubaren Umfeld seiner „Wiener Künstlerbohème“, traf sich, stets an seiner Begabung und Bedeutung zweifelnd, mit ihnen bei gemütlichen „Schubertiaden“, erfuhr dort Anregungen durch sie aus vielen Gedichten, die wiederum zu Liedkompositionen führten. Seine Freunde waren eine Art Ersatz für enge Beziehungen, denn bei Frauen hatte er kein Glück. So war die Freundschaft für ihn, den Bescheidenen und Schüchternen, ein großes Thema, und er nahm Maß bei Mozart, von dem er „Abdrücke in seine Seele“ erfuhr, etwa bei der Figur des Papageno aus der Zauberflöte. Der international renommierte Bariton Benjamin Appl hat bestimmte Lieder und kurze Lesungen aus Briefen und Zeugnissen ausgewählt, um damit Schuberts Charakter und sein Verhalten in und zu seiner Welt zu verdeutlichen. Schubert zog sich gern zurück von der „großen“ Welt, ein wenig benachteiligt auch durch sein Äußeres; seine Lieder sind eigentlich ständig durchzogen von unterschwelliger Melancholie, einer gewissen Resignation und Traurigkeit über seine Rolle in der Gesellschaft. Appl zeigt das an der Auswahl der Zeugnisse über Schubert, vor allem aber durch die sensible, einfühlsame, differenzierte Gestaltung der Lieder, bestens verständlich, mit seiner kraftvoll männlichen Stimme vorgetragen, die er oft zurücknimmt zu Gunsten ausdrucksvoll leiser Nuancen.

Nach dem fein gesungenen Geheimnis D 491 schildert ein späterer Zeuge, Leopold von Sonnleitner, Schuberts unvorteilhaftes Äußeres und sein Verhalten, dass er nur lebhaft wurde und zufrieden im Kreis seiner Freunde. Das wird auch musikalisch deutlich im Lied D 654 An die Freunde, bei dem Appl seine Stimme freundlich ausschwingen lässt mit der Betonung aus meinem Herzen, und in der Schilderung der schönen, besänftigenden Natur wird deutlich, ganz ohne Nachdruck, dass Schubert darin einen Ausgleich sucht zu seinen inneren Empfindungen. Aus eigenen Zitaten und Erinnerungen anderer geht hervor, dass der einzige Reiz sein „Unglück“ gewesen sei. So darf dagegen die Fischerweise D 881 fröhlich, beschwingt, optimistisch mit klarer Stimme Lebenslust verkünden, während dann aber bei Der Jüngling auf dem Hügel D 702 nach kostbarer Gestaltung der Vokale bei der schönen Naturschilderung auch Melancholisches hörbar wird und, irgendwie geheimnisvoll provozierend, der Gedanke zu Tod und Nacht wechselt mit dem Blick auf die Sterne, letztlich als Ausdruck von Hoffnung, ganz sanft mit milden Höhen gestaltet. Bekanntlich kam Schubert bei Frauen nicht gut an, dafür aber bei Männern wie dem Maler Moritz von Schwind, der in ihn verliebt war; das wird ironisch verdeutlichend betont im Lied An Sylvia D 891, mit viel sprunghafter Klavierbegleitung untermalt, letztlich aber doch resignierend, und der Abschied von einem Freunde D 578 ist gewidmet seinen Jugendfreund Schober, mit dem zusammen er das Konvikt besuchte. Auch Der Jüngling und der Tod D 545 zeigt, wie sich der Sänger in seiner resignierenden Aussage ganz hinter den Text zurückzieht, mit sanfter Ausstrahlung, bis dann in der Auflösung D 807, deren Beginn im Klavierpart kraftvoll nachvollzogen wird, auch im Gesang eine gespaltene Persönlichkeit in der Sehnsucht nach Erlösung zu spüren ist, in der Unterwelt umschlungen von irgendwie lieblichen Gewalten.
Die Nachtviolen D 752 äußern in sanftesten Abschattierungen der Stimme Ruhigeres, während Auf der Donau D 553 Momente der Gefährdung und Gedanken an den Untergang stärker hervortreten, und Der Schiffer D 536 in kraftvoller Bewegung äußert Entschlossenheit „mit männlicher Brust“; letztere Lieder sind begleitet von den Erinnerungen des Freundes Johann Mayrhofer. Da passt dann der himmlisch fein begonnene Abendstern D 806 mit unterschwelliger Melancholie zu den Äußerungen der Freunde zu Schuberts Tod 1828; besonders andächtig gestaltet der Sänger das Nachtstück D 672 als Sehnsucht nach Erlösung von irdischem Kummer. Appl spürt jeder kleinsten inneren Regung nach, lässt das Lied tröstlich, sanft, mild, in Ruhe ausgleiten. Nach diesem Abschluss mit der Widmung des Freundes Seidl an Schubert, hellt dann die fröhliche Taubenpost D 967A die Stimmung auf als tröstende Botschaft von der Wirkung der Musik, und nach dem langen, begeisterten Beifall passt dann die Huldigung An die holde Kunst bestens als Zugabe.
Der wunderbar ansprechende, gehaltvolle Abend erschließt Schuberts Liedkunst auf neue, anregende Weise.
Renate Freyeisen