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Schuld war nur die Bowle

WALDMEISTER
(Johann Strauss Sohn)

Besuch am
14. Juni 2025
(Premiere am 10. April 2025)

 

Gärtner­platz­theater, München

Es ist ein heißer Frühsom­mertag in München. Vor dem Gärtner­platz­theater stehen die Menschen Schlange, um sich an diesem Abend ein ganz beson­deres Erfri­schungs­ge­tränk zu bestellen. Giftgrün leuchtet es im Glas aus den Eiswürfeln. Kein „Aperol“-, sondern ein „Waldmeister-Spritz“ für 8,50 Euro ist das Objekt der Begierde. Die Zuschauer wollen sich schon mal auf die Vorstellung einstimmen. Mit der heute fast völlig unbekannten Operette Waldmeister feiert das Gärtner­platz­theater in diesem Jahr den 200. Geburtstag des Walzer-Königs Johann Strauss (Sohn). Eine Neuin­sze­nierung der Fledermaus, der wohl bekann­testen aller Operetten, hat das Gärtner­platz­theater bereits vor über drei Jahren mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht. Warum dann jetzt nicht eine arrivierte Operette wie der Zigeu­ner­baron oder Eine Nacht in Venedig oder gar Wiener Blut, das erst nach dem Tod des Kompo­nisten im Juni 1899 urauf­ge­führt wurde, zum Geburts­tags­ju­biläum des Kompo­nisten? Des Rätsels Lösung ist ganz einfach, und zu verdanken haben wir die Aufführung des musika­li­schen Kleinods der Großtante Helene von Gärtner­platz­in­tendant und Regisseur Josef E. Köpplinger, wie er selbst verrät. Das Stück Waldmeister war am 4. Dezember 1895, über zwanzig Jahre nach der Fledermaus, mit einem Riesen­erfolg urauf­ge­führt worden, und es war nicht zu erwarten, dass es so schnell aus dem Reper­toire verschwindet, aber manchmal passiert es, dass auch ein großer Erfolg nicht von Dauer ist. Roland Geyer, der Intendant von „Johann Strauss 2025 Wien“, dem großen Festival, das Wien für Johann Strauss’ 200. Geburtstag ausrichtet, hatte beim Gärtner­platz­theater angefragt, ob es nicht als Gastspiel eine seltene Strauss-Operette in Wien zeigen wolle. Geyer bot Köpplinger an, er solle sich eine aussuchen. Da kam er auf Waldmeister, weil er als kleiner Bub mit seiner Großtante Helene die berühmte Ouvertüre, in der auch prominent das Thema des „Trau, schau, wem!“-Walzers vorkommt, vierhändig spielen musste. Und irgendwie war das bei ihm positiv in Erinnerung geblieben, und er habe zu Roland Geyer gesagt: „Ich möchte es mit Waldmeister versuchen.“ Ein Stück, in dem eine Pflanze ein ziemliches Chaos auslöst, in dem eine bürger­liche auf eine freie Gesell­schaft prallt, inter­es­siere ihn. Und wer Köpplinger und seine Insze­nie­rungen näher kennt, der versteht natürlich sofort, dass er bei einem solchen Angebot nicht lange überlegen musste.

Foto © Marie-Laure Briane

Bei der Beschreibung des Stückes gerät Köpplinger regel­recht ins Schwärmen: „Die Musik ist großartig, ein echter Strauss, wie immer brillant instru­men­tiert, teils sogar mit einem Ton von Spieloper darin. Die Tenor­partie des Botho ist eine wirkliche Heraus­for­derung, die Partie der Pauline ist eine Mischung zwischen einer Soubrette und einem lyrischen Kolora­tur­sopran. Freda ist eigentlich die lyrische Sopran­partie, und es gibt auch eine schöne Mezzo­partie, das ist nicht wie sonst eine komische Alte, sondern die selbst­be­wusste Jeanne, Paulines Vertraute. Für den damals so berühmten Alexander Girardi hat Strauss die schöne Rolle des Botanik­pro­fessors Erasmus Friedrich Müller geschrieben, der drama­tur­gisch eine wichtige Funktion erfüllt und sehr hübsche Couplets hat, die einen exzel­lenten sing-schau­spie­le­ri­schen Vortrag erfordern.“ Hier sei vorweg­ge­nommen, dass Köpplinger für die Rolle des Erasmus Friedrich Müller mit Daniel Prohaska genau den Sänger­typus zur Verfügung hat, der nicht nur wunderbar singt, sondern auch exzellent schau­spielert und in dem Stück Dreh- und Angel­punkt bildet.

Ein Grund, warum sich das Stück nach der Urauf­führung 1895 nicht lange im Reper­toire halten konnte, mag das schwache Libretto und der Ort der Handlung gewesen sein. Denn eigentlich spielt die Handlung in der Umgebung von Dresden. 1895 war eine Zeit, in der man sich noch über Dialekte lustig gemacht hat, respektive das Nicht-Wiene­rische bedient hat, um vielleicht dadurch einen neuen Ton auf der Bühne zu haben. Doch „das Sächsische funktio­niert heute für uns nicht mehr als lustiges Element, schon gar nicht bei einer Strauss-Operette“, sagt Josef E. Köpplinger. Zumal die Musik auch so dezidiert wiene­risch sei, dass der Spielort gar nicht passe, hat Köpplinger daher das Libretto einfach mal umgeschrieben, aber im Sinne der Operette, und nie gegen das Stück. Die Gescheh­nisse ereignen sich jetzt in einem kleinen Badeort im Wiener Wald. „Das Tempo, in dem das Stück geschrieben ist, ist auch nicht bedächtig-sächsisch, sondern schnell, rotzig-wiene­risch. Es prallen Groß- und Klein­stadt aufein­ander“, erklärt Köpplinger Zudem wurde die Handlung von den origi­nalen 1890-er Jahren in die 1950-er Jahre versetzt, und das Regieteam macht eine Art „Heimat­film­ope­rette“ daraus. So gibt es während der etwa zehnmi­nü­tigen Ouvertüre einen Vorspannfilm wie in einem Kino der 1950-er Jahre, mit einem Vorspanntext und Bildern aus dem Wienerwald, wie man es von Filmen wie dem Förster vom Silberwald noch kennt. Aus der Mühle wird das in Renovierung begriffene Hotel Zur Waldmühle, aus der braven Bürgers­tochter Freda eine selbst­be­wusste Studentin. Der Botanik­pro­fessor verliert den sächsi­schen Dialekt, erhält aber eine theatrale Vergan­genheit, denn er war ein ziemlich erfolg­loser Darsteller in den Theatern Leoben, Graz und Znaim. Aus dem Jagd-Ausflug wird eine Fahrradtour. Insgesamt bleibt die Handlung des Stückes aber die gleiche. Die Paare verlieben sich en contraire, ein Zauber­trank wird gemischt, und schon sind wir in Shake­speares Sommer­nachts­traum. Was so eine Waldmeis­ter­bowle bewirken kann, wie da Kleidungs­stücke herum- und vielleicht auch falsche Bezie­hungen auffliegen und wie sich alles am Ende fügt oder auch nicht – das kann man dann in der turbu­lenten, fast „Feydeau­schen Komödie“ erleben, verrät Köpplinger mit leichtem Augenzwinkern.

Der titel­ge­bende Waldmeister ist in diesem Stück nicht nur blumige Dekoration, sondern auch für die Handlung zentral wichtig. Denn entspre­chend seiner alther­ge­brachten Heilfunktion, dem Entkrampfen und der Herstellung von Harmonie und Lebens­freude, löst er einiges aus: Er wird Symbol für die junge, echte Liebe von Botho und Freda und entkrampft die spießigen Klein­städter, allen voran Fredas würdige Eltern. „Es erinnert mich“, sagt Köpplinger, „damit wirklich sehr an mein Lieblings­stück von Shake­speare, den Sommer­nachts­traum. Alle gehen zu dieser Verlo­bungs­feier, aber allen graust vor diesem kalten Linden­blü­tentee. Das heißt, man macht Dinge, weil man sie halt macht. Aber wenn man hinter­fragt, ob das gut ist, ob man das überhaupt will, kommt eine negative Antwort. Die subversiv in die Teekanne einge­schmug­gelte Waldmeis­ter­bowle setzt hier die echten Gefühle frei. Im besten Fall befreit man sich natürlich ohne Alkohol oder irgend­welche bewusst­seins­er­wei­ternde Drogen, aber manchmal braucht es einen Auslöser für eine nachhaltige Befreiung. Und dieses Aufein­an­der­prallen der zwei Welten, der der spießigen Bürger und der der jungen Leute und Künst­le­rinnen, die sich anderes wünschen und leben, wird bei uns so gelöst, dass irgendwann Frau Heffeles Pflanzen durch die Wand in den Salon eindringen. Ein Urwald der Gefühle, der Liebe überwu­chert diesen Raum aus den Seelen der Figuren heraus. Ob das ein Happy End ist oder nur der Vorschlag eines Happy Ends, muss am Ende das Publikum entscheiden“.

Damit ist die Neugier auf die besondere Geträn­kemi­schung im doppelten Sinne besonders groß geworden. Die Geschichte hört sich kompli­zierter und verwirrter an, als die Handlung auf der Bühne dann wirklich ist: Mitte der 1950-er Jahre, es ist Frühling. Die bekannte Sängerin Pauline Garlandt hat ein Landhaus in einer idylli­schen Klein­stadt nahe einer großen öster­rei­chi­schen Residenz. Dort ist sie den ansäs­sigen sitten­strengen Bürgern ein Dorn im Auge, denn ihr freund­schaft­licher Umgang mit den jungen Studenten der ortsan­säs­sigen Forst­uni­ver­sität lässt sexuelle Freizü­gigkeit vermuten. Als Pauline und ihre Freun­dinnen zusammen mit den Forst­stu­denten eine Landpartie machen, werden sie im Wald plötzlich von einem Gewitter überrascht. Sie suchen in dem gerade in Renovierung befind­lichen Hotel Zur Waldmühle Zuflucht. Das Hoteliers­ehepaar, Herr und Frau Müller, ist nicht zugegen, und Hausmeister Martin überlässt den durch­weichten jungen Leuten die trockenen Uniformen der Hotel­an­ge­stellten. Etwas verspätet taucht noch Botho, einer der Forst­stu­denten, auf. Er hat sich im Wald in eine unbekannte junge Frau verliebt, die einen Waldmeis­ter­strauß fallen ließ, den er nun als Pfand mit sich herum­trägt. Leider muss er erfahren, dass es sich bei der schönen Unbekannten um Freda, Tochter des Amtshaupt­manns Heffele, handelt, die am nächsten Tag mit Tymoleon Gerius, dem Oberforstrat und Direktor der Forst­aka­demie, verlobt werden soll. Botho ist am Boden zerstört. Ausge­rechnet sein strenger, sich so moralisch gebender Lehrer ist sein Rivale.

Foto © Marie-Laure Briane

Durch das Unwetter stolpert auch der theater­affine Botanik­pro­fessor und Hobby­fo­tograf Erasmus Friedrich Müller schutz­su­chend in das Hotel hinein. Er ist wegen eines botani­schen Gutachtens auf dem Weg zur Gattin Heffeles und will sich außerdem auf eine freie Stelle an der Forst­aka­demie bewerben. Kurz nach ihm wird Jeanne, Paulines Sekre­tärin, vom Sturm hinein­geweht. Sie sucht ihre Chefin, denn sie will sie warnen, Oberforstrat Gerius ist seinen abgän­gigen Studenten auf der Spur. Als der Oberforstrat in der Waldmühle auftaucht, kommt es zu etlichen gewollten und zufäl­ligen Verwechs­lungen. Pauline gibt sich gegenüber Gerius als Hotel­chefin Müller aus. Um seine strenge Moral auf den Prüfstand zu stellen, flirtet Pauline mit ihm. Als Erasmus Müller, nun in der Uniform des Hoteliers Müller, in die amourösen Vorgänge hinein­platzt und sich namentlich vorstellt, ist das Chaos perfekt. Wer ist welche oder welcher Müller, und wer gehört zu wem?

Am nächsten Morgen wird Pauline vor ihrem Landhaus von Amtshauptmann Heffele und Stadtrat Danner abgepasst: Die aufreizend gekleidete und freigeistig lebende Künst­lerin soll schnellstens die Stadt verlassen.  Botho ist immer noch unsterblich in Freda Heffele verliebt und todun­glücklich, weil sie seinen Lehrer heiraten soll. Pauline beschließt die Posse als Hotel­chefin Müller bei der Verlo­bungs­feier weiter­zu­spielen und Botho zu seiner Liebe zu verhelfen. Zu der Feier bei Heffeles sind außer den Studenten auch die Honora­tioren des Städt­chens erschienen. Botho überreicht der von ihrem Bräutigam offen­kundig wenig begeis­terten Freda ein Sträußchen Waldmeister, und sofort zeigt sich die Verliebtheit der beiden. Heimlich unter­richtet Botho Freda über Paulines Plan. Inzwi­schen trifft auch der von Fredas Mutter, Malvine Heffele, einge­ladene Professor Erasmus Friedrich Müller ein. Sie ist Hobby­bo­ta­ni­kerin und hat vermeintlich eine neue Pflanze entdeckt, einen schwarzen Waldmeister. Müller soll seine Existenz verifi­zieren, dann kann sie als Entde­ckerin in die Geschichte der Botanik eingehen. Kaum ist Müller im Haus, beobachtet er zufällig die Entstehung weiteren schwarzen Waldmeisters. Heffele und sein Diener gießen über grüne Waldmeis­ter­blätter schwarze Tinte, so ist der erste schwarze Waldmeister auch entstanden. Heffele hatte nach einer durch­zechten Nacht aus Versehen die Tinte über das Sammelgut seiner Frau gekippt und nicht den Mut gefunden, ihr die Freude an der Entde­ckung zu nehmen. Pauline taucht indessen bei der Verlo­bungs­feier als Frau Müller auf und behauptet, ihr Mann hätte sie wegen Untreue verstoßen, und nun wolle sie mit Gerius leben. Was für ein Skandal! Im Auflö­sungs­moment der bürger­lichen Ordnung setzen Pauline und der Professor statt des von Malvine stets präfe­rierten kalten Linden­blü­tentees, dem einzig sittlichen Getränk, eine Waldmeis­ter­bowle in der Teekanne an. Der außer­ge­wöhnlich schmack­hafte Tee wird begeistert konsu­miert und bewirkt eine Öffnung des Geistes sowie eine neue Sortierung der Paare.

Doch die Nachwir­kungen des Zauber­tranks aus der Teekanne zeigen sich am nächsten Tag. Eine Ehe zwischen Gerius und Freda ist unmöglich geworden, Botho übernimmt die Position als Bräutigam. Gerius wechselt zu Pauline, die sich der Verkleidung als Frau Müller entledigt hat. Professor Müller beginnt eine wilde Ehe mit Paulines Sekre­tärin Jeanne. Alle sind glücklich, außer Malvine Heffele, die nun erfahren muss, dass ihr schwarzer Waldmeister eigentlich ein grüner ist, der nur einen entstel­lenden Unfall mit einem Tintenfass hatte. Und schuld war nur die Bowle.

Regisseur Köpplinger hat in seiner typischen und so unnach­ahm­lichen Art wieder mit viel Witz, einem Schuss Frivo­lität und einem spitz­bü­bi­schen Augen­zwinkern eine Gesell­schafts­studie der 1950-er Jahre auf die Bühne gebracht, die natürlich heiter ist, aber auch einen Moment des Nachdenkens beinhaltet über Normen und Konven­tionen, über die Freiheit des Geistes und über echte Charaktere. Ein echter Köpplinger halt, so wie man es erwarten darf. Bühnen­bildner Walter Vogel­weider sorgt mit seinem Setting besonders im zweiten und kurzen dritten Akt mit pflan­zen­be­wach­senen Gemälden für eine besondere Atmosphäre. Die Kostüme von Uta Meenen sind an die Heimat­filme der 1950-er Jahre angelehnt, mit zum Schmunzeln einla­dender Unter­wäsche und tiefen Dekol­letés. Höhepunkt ist das fast zu einer Orgie sich entwi­ckelnde Schlussbild im zweiten Akt, wenn die enthem­mende Wirkung der Waldmeis­ter­bowle bis zum Vollrausch eintritt, und sich die richtigen Paare finden sowie der Kater­stimmung im dritten Akt. Ähnlich­keiten mit der Fledermaus sind nicht zufällig und gewollt.

Foto © Marie-Laure Briane

Auch sänge­risch, schau­spie­le­risch und musika­lisch ist der Operet­ten­abend ein Hochgenuss. Robert Meyer und Regina Schörg begeistern als erzkon­ser­va­tives Ehepaar Heffele, die im Bowlen­rausch nicht nur ihre Konven­tionen, sondern gleich auch ihre Klamotten über Bord werfen. Ilia Staple gibt die kecke und selbst­be­wusste Freda mit schönem, leichtem Sopran. Ludwig Mittel­hammer verkörpert den Oberforstrat Gerius mit viel Verve und schmei­chelndem Bariton wie ein echter Eisen­stein. Zu gerne lässt er sich von Pauline verführen, um dann genauso schnell die Verlobung mit Freda wieder zu lösen. Matteo Ivan Rašić als Forst­student Botho Wendt ist ein Bilderbuch-Operet­ten­tenor: Gut aussehend, mit tenoralem Schmelz und sicheren Höhen, da wird nicht nur die von ihm angebetete Freda schwach. Sophia Keller als Sängerin Pauline besticht durch kokettes, verfüh­re­ri­sches Spiel und einem wunder­baren Sopran mit strah­lenden Höhen. Daniel Prohaska als Erasmus Friedrich Müller begeistert nicht nur durch seine Gesangs­leistung, sondern vor allem auch durch seine exzel­lenten schau­spie­le­ri­schen Quali­täten und in seiner Rolle die Ideal­be­setzung. Anna Katharina Tonauer kann als Paulines Privat­se­kre­tärin Jeanne wieder eine neue Facette ihres umfang­reichen Könnens präsen­tieren. Caspar Krieger als Stadtrat Danner und Altmeister Erwin Windegger in der Doppel­rolle der Zwillings­brüder Marin, dem Hausmeister und Sebastian, dem Diener im Hause Heffele, begeistern mit ihrer komischen Darstellung und sind das Salz in der Suppe.

Das Orchester des Staats­theaters am Gärtner­platz unter der Leitung von Michael Brand­stätter spielt einen beschwingten Strauss, mit Dynamik und Leiden­schaft. Schon die Ouvertüre, das einzig wirklich bekannte Stück der Operette, kommt schmissig, und man muss als Zuschauer an sich halten, um nicht mit den Füßen im Takt mit zu wippen. Brand­stätter lässt die Sänger immer im Vorder­grund, und er erzeugt mit trans­pa­rentem Klang und filigranem Dirigat eine ganz besondere Stimmung. Pietro Numico hat den spiel­freudig agierenden Chor bestens eingestellt.

Nach gut zweiein­viertel Stunden senkt sich der Vorhang über eine herrlich-frivole Vorstellung, und das Publikum im ausver­kauftem Gärtner­platz­theater bejubelt das gesamte Ensemble über mehrere Minuten. Der „Trau, schau, wem!“-Walzer aus dem Finale des zweiten Aktes und Haupt­motiv der Ouvertüre, wird als Zugabe und gleich­zeitig als Rausschmeißer für das begeis­terte Publikum wiederholt. Die frische, spritzige und witzige Insze­nierung hat alles, um  zu einem langjäh­rigen Dauer­brenner zu avancieren. Eine würdige Hommage an Johann Strauss zu seinem 200. Geburtstag in diesem Jahr. Und wer davon noch nicht genug hat, dem sei zum Schluss noch ein „Waldmeister-Spritz“ empfohlen. Bis zum Spiel­zei­tende kann man die Bowle noch siebenmal in den vollsten Zügen genießen.

Andreas H. Hölscher

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