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Vom 14. bis zum 22. Juli fand auf der estnischen Insel Saaremaa das Opernfestival statt, das diesmal auch deutsche Gäste auf die Bühne des Theaterzeltes eingeladen hatte. Das Theater Krefeld Mönchengladbach reiste mit gleich fünf Produktionen in das Land, das den Chorgesang so sehr liebt, sich aber auch von Oper begeistert zeigt.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Opernfestivals auf der Insel Saaremaa in Estland hat der Veranstalter, die Stiftung Eesti Konsert, das Theater Krefeld Mönchengladbach mit gleich mehreren Produktionen eingeladen. Sicherlich hat der aus Estland stammende Generalmusikdirektor Mihkel Kütson die Entscheidung eben für dieses Theater relevanter gemacht. „Die richtig großen Opernhäuser haben dort alle schon gespielt, und es ist uns eine Ehre, auch zu dem Festival eingeladen worden zu sein“, sagt der Musiker.
„Bereits in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass unser Theater auch überregionales Interesse weckt“, weiß Michael Grosse, Intendant der Theatergemeinschaft, die sich an fünf Abenden präsentierte. Auf dem Programm standen Lohengrin, Cavalleria Rusticana, Gianni Schicchi, eine konzertante Aufführung von Carmina Burana, Un Ballo in Maschera und ein Opernarienabend. Ein enormer Aufwand also – über 1000 Kostüme, die Originalbühnenbilder und Requisiten für fünf Produktionen wurden in acht 40-Fuss-Containern nach Estland verfrachtet. Etwa 250 Beteiligte – Sängerinnen und Sänger, Chor und Extrachor, die Niederrheinischen Sinfoniker, Mitglieder der Abteilungen Kostüm und Maske, Requisiten, Produktion und Verwaltung – flogen nach Estland, zum großen Teil in einem eigenen Charterflugzeug direkt auf die Insel Saaremaa. Vor Ort waren zwei große Hotels von dem lokalen Veranstalter belegt worden. Monate zuvor hatte die minutiöse Planung und Logistik sowohl in Deutschland wie Estland stattgefunden, damit dann vor Ort alles so reibungslos wie möglich ablaufen konnte.
Das hohe künstlerische Niveau des Theaters Krefeld Mönchengladbach hat Eindruck gemacht. Die Neuproduktion des Lohengrin wurde auf O‑Ton besprochen. Auch auf Saaremaa konnten die Sänger und besonders das Orchester unter Leitung von Mihkel Kütson überzeugen.
Die beiden Einakter Cavalleria Rusticana und Gianni Schicchi in der Produktion von François de Carpentries wurden hier an einem Abend gebündelt. Dank der gelungenen, einfachen Lösung des Bühnenbildes von Siegfried E. Mayer – zwei diagonalgestellten Wänden – konnten die beiden unterschiedlichen Werke mühelos gespielt werden. So konnte ein breites Spektrum des Opernnarratives in Kürze erzählt werden: einerseits die tragische Eifersuchts- und Rachegeschichte des Verismo-Genres der Oper Cavalleria in einem tristen sizilianischen Dorf und anderseits die hier sehr komisch dargestellte, hypokritische Familien- und Liebesgeschichte des Schicchi im Hippie-Milieu der 1960-er Jahre.
Besonders hervorzuheben sind die Leistungen von Bass-Bariton Johannes Schwärsky, der fast allabendlich auf der Bühne stand – als Friedrich in Lohengrin, Alfio in Cavalleria Rusticana, in der Titelpartie von Gianni Schicchi, Renato in Un Ballo in Maschera und selbstverständlich auch in der Operngala. Immer präsent, immer authentisch, sowohl stimmlich wie in der psychologischen Interpretation der diversen Charaktere.
Chor überzeugt im Land der Chöre
Ein Höhepunkt des Festivals war die konzertante Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana. Estland ist bekanntlich ein Land, wo Chorgesang hoch angesehen wird. Dass sich da der Chor und Extrachor des Theaters Krefeld Mönchengladbach mit einem der wichtigsten Chorwerke überhaupt durchsetzen konnte, ist sicherlich auch der Verdienst der Chorleiterin Maria Benyumova. Kütson hat die Kantaten aus dem dreizehnten Jahrhundert eigenwillig dirigiert – spannende breite Tempi für die lateinischen Frühlingslieder, bodenständige und durchaus witzige Einsätze für die Fress- und Sauflieder, um dann umso sinnlicher und ekstatisch die Cour d’amours zu gestalten. Der klare Sopran von Sophie Witte schwebte über Chor und Orchester.
Die Popularität des Festivals in Estland ist bemerkenswert. „Das Festival ist nicht nur bei den Esten und bei den Finnen sehr bekannt, sondern gehört zu einem der wichtigsten touristischen Höhepunkten der Insel“, weiß Kütson. Trotzdem ist beinahe das gesamte Publikum einheimisch und sorgt dafür, dass nahezu alle Aufführungen im 2000-Plätze-Theaterzelt ausverkauft sind. Man kann hier aktiv und aktuell feststellen, dass die Gelder zur kulturellen Unterstützung dieses Gastspiels – sowohl von estnischer wie deutscher Seite – gut angelegt sind. Zum großen Gala-Abschlusskonzert erschien die estnische Präsidentin, Kersti Kaljulaid, und bedankte sich bei den Mitwirkenden, ebenso wie der deutsche Botschafter, Christoph Eichhorn, der sich vorab alle Vorstellungen angesehen hatte.
Zenaida des Aubris