O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Meyer Original

Inklusion und Kultur

Auf dem ersten Inklu­siven Kulturtag Köln forderten Vertreter sozialer, kultu­reller und Behin­der­ten­ver­bände „Kultu­relle Vielfalt für alle“.

Foto © O‑Ton

Das Zauberwort Inklusion sorgte in den letzten Jahren vor allem im Schul­be­reich für Schlag­zeilen. Und nicht immer für positive. So unvor­be­reitet und ahnungslos, wie die nordrhein-westfä­lische Landes­re­gierung die Schulen mit dem Thema überrollte und überfor­derte, wurde nur exempla­risch demons­triert, wie Inklusion nicht funktio­nieren kann. Das wollen Verei­ni­gungen wie Inklusion & Kultur besser machen, wenn es um die Betei­ligung behin­derter Menschen am Kultur­leben geht. Und zwar nicht nur als Konsu­menten, sondern als aktive Künstler.

Etwa 150 Vertreter aus sozialen, kultu­rellen, und städti­schen Verei­ni­gungen, Verbänden und Insti­tu­tionen schwer­punkt­mäßig aus dem Kölner Raum, aber auch aus der gesamten Bundes­re­publik trafen sich zu diesem Zweck zum ersten Inklu­siven Kulturtag Köln im Freien Werkstatt-Theater. Geboten wurden Diskus­sionen, eine Kultur­börse, Workshops und Kurzprä­sen­ta­tionen. Gleich die zweistündige Auftakt­ver­an­staltung mit der „Präsen­tation der Ergeb­nisse des ‚Runden Tisches‘ für inklusive Kultur“ wies auf zwei wesent­liche Probleme hin, die zu der geringen Beachtung des Themas im öffent­lichen Kultur­leben beitragen dürften. Zunächst die lücken­hafte Aufklärung über die kreativen Kapazi­täten behin­derter Menschen und der damit verbundene unsichere Umgang mit diesen Gruppen. Und zum zweiten die Zurück­haltung der mit den Behin­derten betrauten Verei­ni­gungen, mit ihren Aktivi­täten an die Öffent­lichkeit zu treten. Es ist doch erstaunlich, was etwa „Der runde Tisch“ und andere Verbände im Verbor­genen an Konzepten erarbeiten und erarbeitet haben, von denen man außerhalb der eigenen Klientel kaum etwas hört.

Wenn es um Gehör in der Öffent­lichkeit geht, reicht halt nicht aus, wenn man einen selbst­be­wussten Mann wie Raul Kraut­hausen wie eine Ikone der Emanzi­pation verehrt, sich selbst aber zurückhält. Oder in Diskus­sionen verfällt, die wenig oder gar nichts dazu beitragen, die Berüh­rungs­ängste der Öffent­lichkeit mit behin­derten Menschen abzubauen. Zitat aus der Auftakt­dis­kussion: „Das Wort ‚behindert“‘ möchte ich nicht hören.“ „Nicht­be­hin­derten“ erleichtert das nicht den Zugang zu einem entspannten, „normalen“ Umgang mit- und untereinander.

Den anwesenden Gästen fehlte es zum Glück bei der Formu­lierung und Präsen­tation ihrer Wünsche und Ziele nicht an Selbst­be­wusstsein. Verblüffend, wie intensiv etwa der Verein Inklusion & Kultur in den letzten Jahren an einem „Netzwerk zur Stärkung von Teilhabe und Parti­zi­pation von Menschen mit Behin­derung am kultu­rellen Leben“ gearbeitet hat. 60 Teilnehmer trafen sich in fünf Arbeits­gruppen bereits vier Mal, um Schwer­punkte der Inklu­si­ons­arbeit zu thema­ti­sieren und Zündstoff für ein mehrjäh­riges Projekt zu erarbeiten. Geduld ist gewiss angebracht, wenn man die Grenzen der „Paral­lel­welten“ dauerhaft einreißen will.

Arbeits­kreise als Kommunikationsgrundlage

Der Arbeits­kreis 1 widmet sich Formen der Mitwirkung im kultu­rellen Kontext. Unter Einbindung von Erfah­rungs­be­richten behin­derter Künstler regt der von Eeva Rantomi geleitete Ausschuss die Ausbildung von Beratern an, die in Vorträgen, Einfüh­rungen und Beratungs­ge­sprächen den betrof­fenen Künstlern helfen, aber auch das Verständnis von Kultur­schaf­fenden aller Art fördern sollen, um eine inklusive Zusam­men­arbeit mit öffent­lichen Kultur­ein­rich­tungen voran­zu­treiben und auf stabile Füße zu stellen.

Die Öffnung von Kultur­orten für Fortbil­dungs­maß­nahmen, angepasste Programm­pla­nungen und Barrie­re­freiheit ist das Ziel des Arbeits­kreises 2, den Lisette Reuter leitet, die auch als künst­le­rische Leiterin des inter­na­tio­nalen EU Creative Europe Projektes Un-Label aktiv ist. Hier geht es um die Schulung von Kultur­per­sonal. Angestrebt sind eine umfas­sende Datenbank, eine Netzwerk­analyse und der Aufbau eines Technik-Pools techni­scher Hilfs­mittel, die für die inklusive Arbeit zur Verfügung gestellt werden können.

Die Choreo­grafin Gerda König gründete 1995 mit DIN A 13 eines der wenigen Tanzensembles, deren Mitglieder sich aus Tänzern mit unter­schied­lichen „Körper­lich­keiten“, also behin­derten und nicht­be­hin­derten Tänzern, zusam­men­setzt. Ihrem Arbeits­kreis geht es darum, den Zugang zu Schulen und Hochschulen zu erleichtern. Sie plädiert für diesbe­züg­liche Begleit­se­minare und fordert, alle Kölner Hochschulen sollten ein deutlich erkenn­bares inklu­sives Seminar anbieten, das die Sensi­bi­li­sierung und Ausbildung sowohl der Behin­derten als auch der Kultur­schaf­fenden fördern soll.

Barbara Foerster, die Leiterin des Kölner Kulturamts, setzt sich mit dem Arbeits­kreis 4 für eine Verän­derung der gesell­schaft­lichen Rahmen­be­din­gungen ein und fordert eine Erwei­terung der Inklusion auf alle Teilgruppen der Gesell­schaft im Sinne von „Leitbildern kultu­reller Vielfalt“. Die Inklusion müsse dringend in die Kultur­ent­wick­lungs­pläne einge­ar­beitet werden und einen Finan­zie­rungs­zu­schlag erhalten. Sie plädiert für eine Check­liste zur Inklusion, die allen städti­schen und Kultur­in­sti­tu­tionen an die Hand gegeben werden soll.

Inklusion als Bereicherung

Hiltrud Cordes, unter anderem Leiterin des inklu­siven Sommerblut-Festivals in Köln, widmet sich der besonders inter­es­santen Frage, inwieweit die Inklusion als Berei­cherung der Kunst­land­schaft gesehen werden kann, wobei die Chancen und Risiken nüchtern erörtert werden müssten. Sie geht davon aus, dass sich ungeahnte Poten­ziale mit neuen Perspek­tiven ergeben können. Der Arbeits­kreis entwi­ckelt entspre­chende Handlungsempfehlungen.

Foto © O‑Ton

Die Aspekte der Projekt­gruppen regten auf der anschlie­ßenden Kultur­börse zu manchem Gespräch an. Vertreter verschie­dener Behin­der­ten­or­ga­ni­sa­tionen stellten sich den Fragen und es kam zu mancher Annäherung zwischen behin­derten und nicht­be­hin­derten Vertretern. Und auch in einer Podiums­dis­kussion wurden die Anregungen aufgriffen. Daran nahmen unter anderem der „Aktivist“ Raul Kraut­hausen und Vertreter der Kultur­ämter von Köln und München, Barbara Foerster und Maximilian Dorner, teil.

Aller­dings fiel auf, dass Vertreter der großen städti­schen Theater und Museen sowie Vertreter der Hochschulen weitgehend fehlten, so dass das Gespräch mit der „gesunden“ Außenwelt in engen Grenzen blieb. Auch wenn man das anvisierte „Projekt“ zunächst so genau wie möglich ausar­beiten möchte, bevor man an die Zielgruppen heran­tritt, hätte schon manche Weiche für mögliche Perspek­tiven gestellt werden können.

Und wenn man dabei mit Infor­ma­tionen über inter­es­sante und groß angelegte Projekte, die kaum ausge­schöpfte Poten­ziale behin­derter kreativer Menschen erkennen lassen, zunächst nur das Bewusstsein von Inten­danten und Museums­di­rek­toren für dieses Thema schärfen könnte. Etwa mit dem inter­na­tio­nalen Kultur­projekt Un-Label – Neue inklusive Wege für die darstel­lenden Künste, bei dem sich über einem Zeitraum von zwei Jahren rund 100 Künstler mit und ohne Behin­derung aus ganz Europa mit neuen inklu­siven und innova­tiven Möglich­keiten der darstel­lenden Künste ausein­an­der­setzen. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen verschie­dener Workshops, einer Künst­ler­re­sidenz und großer multi­dis­zi­pli­närer Produk­tionen. Mit dabei sind Partner aus England, Griechenland, der Türkei und Deutschland.

Oder die Internet-Plattform Amelinde, eine Künstler-Vermittlung speziell für Künstler und Künst­le­rinnen mit Behin­derung und für Produ­zenten oder Kultur-Veran­stalter, die inklusive Künstler suchen.

Es wird sicher nicht bei dem einen Kulturtag bleiben können, zumal die Veran­stalter eine bundes­weite Öffnung über Köln hinaus anstreben. Bis „Kultu­relle Vielfalt für alle“ wirklich alle genießen und mitge­stalten können, ist noch ein weiter Weg zu bestehen, der allen Betei­ligten viel Kraft, Flexi­bi­lität und guten Willen abverlangt.

Pedro Obiera

Teilen Sie sich mit: