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In Erl gibt es wenig zu lachen. - Foto © Xiomara Bender

Ende einer Karriere

Am Ende sorgt er noch für viel überflüs­siges Leid bei den ohnehin schon Geschä­digten. Gustav Kuhn, beurlaubter Gründungs­in­tendant der Tiroler Festspiele Erl und Künst­le­ri­scher Leiter des Gesangs­wett­be­werbs Neue Stimmen, bleibt bis heute bei seiner Unschulds­be­hauptung und spricht gar von einer „Menschenhatz“ gegen sich. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass die Vorwürfe gegen den 72-Jährigen zutreffen.

In Erl gibt es wenig zu lachen. – Foto © Xiomara Bender

Es war ein Pauken­schlag, der wohl die letzte Phase in der Causa Kuhn einleitet. Die öster­rei­chische Zeitung Profil veröf­fent­lichte am 29. September die tags zuvor datierte Solida­ri­täts­er­klärung von acht ehema­ligen männlichen Mitar­beitern der Tiroler Festspiele Erl, in der es heißt: „Auch wir Männer, die wir als Künstler und Mitar­beiter unter Gustav Kuhn in Erl tätig waren, haben dort übergrif­figes Verhalten in vielerlei Hinsicht und struk­tu­relle Gewalt gegenüber Frauen und Männern erlebt.“ Gleich­zeitig unter­stützen die Männer „die Forderung nach defini­tiver Entlassung Gustav Kuhns aus allen Funktionen des Festspiel­be­triebes von Erl“.

Im Februar dieses Jahres hatte der Aktivist Markus Wilhelm auf seinem Blog heftige, anonyme Vorwürfe gegen den Gründungs­in­ten­danten der Tiroler Festspiele Erl und Künst­le­ri­schen Leiter des Gesangs­wett­be­werbs Neue Stimmen, Gustav Kuhn, erhoben. Der hätte mit einem Rückzug zu diesem Zeitpunkt für ein zügiges Ende des Schre­ckens sorgen können, zog es aber vor, Wilhelm mit Klagen zu überziehen. Macht­miss­brauch und sexuelle Übergriffe wurden ihm vorge­halten. Noch im März schloss er in einem Interview der Zeitschrift Profil sexuelle Übergriffe „hundert­pro­zentig“ aus. Am 25. Juli dieses Jahres kam das, was kommen musste. Fünf Künst­le­rinnen traten mit einem offenen Brief aus ihrer Anony­mität heraus und bekräf­tigten die Vorhal­tungen aus eigenem Erleben.

Spätestens seit diesem Tag hätte der Bertelsmann-Stiftung klar sein müssen, dass der Künst­le­rische Leiter ihres Gesangs­wett­be­werbs Neue Stimmen sehr wohl auf das ihm darge­botene „Material“ zugriff. Denn eine der Künst­le­rinnen, die den offenen Brief unter­schrieben haben, ist Julia Oesch, Finalistin im Jahr 1996. Dennoch sah die Stiftung keinen Grund zum Handeln. Vielmehr schrieb sie in einer Stellung­nahme: „Solange es keine abschlie­ßende juris­tische Klärung gibt, besteht die Zusam­men­arbeit mit Gustav Kuhn.“ Erst am 25. September erklärten die Güters­loher lapidar: „Gustav Kuhn lässt auf eigenen Wunsch seine Aufgaben als Künst­le­ri­scher Leiter des inter­na­tio­nalen Opern­wett­be­werbs Neue Stimmen ruhen. Er wird daher beim diesjäh­rigen Meisterkurs nicht teilnehmen.“ Dass die Stiftung so lange mit einer solchen Erklärung auf sich warten ließ, könnte man auch als weitere Respekt­lo­sigkeit gegenüber den Opfern werten. Für Kuhn selbst wird es eine bittere Entscheidung sein. Gerade bei Meister­kursen kommt man sich doch gern mal etwas näher.

Und dass dem Dirigenten jedes Unrechts­be­wusstsein fehlt, wurde ja bereits deutlich, als er die Öffent­lichkeit mit einer Finte zu täuschen versuchte, als er sich in seiner Funktion als Intendant der Festspiele beurlauben ließ. Kurze Zeit später verkündete der von ihm übergangs­weise einge­setzte Andreas Leisner, dass die Beurlaubung keines­falls die Dirigate Kuhns umfasse. Dieser Winkelzug ist zwischen­zeitlich behoben. Kuhn ist auch von den Dirigaten der Festspiele beurlaubt.

Den „Maestro“, wie er sich selbst gern bezeichnen lässt, ficht das nicht an. Am 23. September stand er erneut am Erler Dirigen­tenpult. Diesmal, um ein Benefiz­konzert der Concordia Gemein­nützige Privat­stiftung für bedürftige Kinder zu leiten. Vorstands­vor­sit­zender der Concordia ist Hans Peter Hasel­steiner, Präsident der Tiroler Festspiele Erl. Nach seiner Aussage sei dieses Engagement „unpro­ble­ma­tisch“, da es sich um eine reine Privat­ver­an­staltung gehandelt habe. Wo und auf wessen Kosten das Konzert geprobt worden ist, sagt er nicht. Und dass das Konzert im regulären Programmplan der Tiroler Festspiele auftaucht, ist sicher nur ein Irrtum, der Hasel­steiner nicht bekannt war. Völlig unver­ständlich ist nach bishe­rigem Wissens­stand, dass es für ein solches Konzert offenbar noch ein Publikum gibt.

Inzwi­schen, berichtet Markus Wilhelm, gehen die Versuche der Kuhn-Adepten unver­mindert weiter, die Opfer zu verun­glimpfen und Einfluss auf die Gleich­be­hand­lungs­kom­mission beim Bundes­kanz­leramt zu nehmen. Chefbüh­nen­bildner Jan Hax Halama sagt derweil gegenüber der Zeitung Der Standard, er sehe es als eine „Pflicht­übung“, die Solida­ri­täts­er­klärung zu unter­schreiben, „wenn durch hastig beauf­tragte PR-Agenturen und durch Aussagen der Verant­wort­lichen selbst ein öffent­liches Bild generiert werden soll, das neben dem unwür­digen Herab­spielen der Gescheh­nisse die Täter-Opfer-Umkehr zum Ziel hat“. Auch Christoph Ziermann, von 2011 bis 2015 Leiter Marketing und Kammer­musik, ist einer der Unter­zeichner. Irgendwann habe ihn die Wut gepackt, erzählt er dem Profil. „Ausge­rechnet die Mutigsten, die Frauen, die als erste vor den Vorhang treten, werden von Opfern zu Tätern gestempelt“, sagt er. Dem dürfte mit der Solida­ri­täts­er­klärung jetzt ein Riegel vorge­schoben sein.

Michael S. Zerban

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