O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Musikwagen am Schulhaus St. Karli - Foto © Ingo Höhn

Mit anderen Ohren

Am 27. November nahmen die diesjäh­rigen Preis­träger bei der Verleihung des Junge-Ohren-Preises ihre Auszeich­nungen in Dortmund entgegen. Das Netzwerk Junge Ohren trägt mit dem Preis jährlich unter dem Motto Ausge­zeich­netes für junge Ohren den im deutsch­spra­chigen Raum etablierten Wettbewerb um innovative und nachhaltige Musik­ver­mittlung für neues Publikum aus. Neuer Schwer­punkt ist Diversity.

Ilona Schmiel – Foto © Paolo Dutto

Wenn anspruchs­volle Musik­ver­mittlung gelingt, hören Zuhörer mehr, anderes, diffe­ren­zierter als vorher, sie hören „mit anderen Ohren“ – wie Diana Lehnert aus Luzern es treffend formu­liert. Sie stellt bei der Verleihung des 13. Junge-Ohren-Preises (JOP) in Dortmund ein besonders vielfäl­tiges inklu­sives Projekt vor, das um das Luzerner Sinfo­nie­or­chester als buntes Programm der „Musik­ver­mittlung & Soziales Programm“ entstanden ist. Sein Kern ist der Gedanke, Musik aus dem Konzertsaal heraus zu holen und in den Lebens­alltag vor allem von Kindern und Jugend­lichen zu bringen.  Die Luzerner machen ihre Musik­pro­gramme mobil und reisen mit ihrem „Musik­wagen“ durch die entle­genen Siedlungen der Zentral­schweiz. Sie wenden sich, in welcher Umgebung auch immer, der Natur, der Umwelt, einfachsten Gebrauchs­ge­gen­ständen oder Ähnlichem zu und motivieren ihre „Schüler“ jeglichen Alters und jedweder Herkunft, mit den runden Kieseln eines Gebirgs­baches ein steinernes Marim­baphon-Schlagzeug erklingen zu lassen oder ein Stückchen Wald „klanglich“ zu nutzen. Und wenn das nicht motiviert, haben sie einen bunt bemalten und mit Werkzeugen aller Art gespickten „Musik­wagen“ zur Hand, der auch noch den Weg ins  nächste Dorf findet – Musik ist immer auch Bewegung.

Von den Bewer­bungen um den JOP dieses Jahres landen schließlich sechs in der Nominier­ten­börse. In der Kategorie Programm streiten Projekte aus Hamburg, Leipzig, Luzern, Wien, Nürnberg in Koope­ration mit Salzburg und Köln um den ersten Platz. Eine sieben­köpfige Jury, wie die Projekte inter­na­tional besetzt, hat die Qual der Wahl zwischen Koffer­kon­zerten, Kreativ­la­boren und Social-Media-Projekten. Eine Leipziger Gruppe verlässt die Konzertsäle und besucht, vom Stadtteil Grünau ausgehend, Jugend­clubs, Schulen, Kinder­gärten und Kirchen­ge­meinden. Ein Luzerner Projekt verbindet seine Musik­ver­mittlung mit sozialem Engagement und wendet sich besonders – im Rahmen der Musik­ver­mittlung – behin­derten oder benach­tei­ligten Menschen zu. Das Wiener Konzerthaus versucht, mit starker Unter­stützung der Schulen besondere Vermitt­lungs­pro­gramme umzusetzen. In Bridging Arts arbeiten Projekte aus Nürnberg und Salzburg fächer­über­greifend zusammen. Die Rheinische Musik­schule aus Köln wagt sich mit einer Gruppe von sieben Jugend­lichen an Experi­men­telle und Neue Musik und zeigt, wie man sein Gesicht, seinen Kopf, kleine Taschen­in­stru­mente zum Klingen bringen kann und schon in halbstün­digen Konzerten das Interesse von Jugend­lichen gewinnt.

Musik­ver­mittlung muss Chefsache sein

Kiesel­schlagwerk – Foto © O‑Ton

In einem auf vielfäl­tigen inter­na­tio­nalen Erfah­rungen basie­renden Statement plädiert in der Kategorie Charakter Ilona Schmiel, inzwi­schen Inten­dantin der Tonhalle-Gesell­schaft Zürich, für eine gezielte Kultur­po­litik der Musik­in­sti­tu­tionen, die selbst klar machen müssten, dass Musik­ver­mittlung überall „Chefsache“ sein müsse. Sie plädiert nachhaltig dafür, Medien­arbeit in die Vermittlung mit einzu­be­ziehen und dafür zu kämpfen, dass trotz aller Medien das Life-Erlebnis erhalten bleibt, ja unver­zichtbar ist. In mehreren Workshops haben schon am Tag vorher die Teilnehmer konzep­tio­nelle, metho­dische und kultur­po­li­tische Fragen der Musik­ver­mittlung disku­tiert und Erfah­rungen ausge­tauscht. Schnell wird klar, dass in Zeiten, in denen ein Fach „Wirtschaft“ quasi über Nacht an den NRW-Schulen einge­richtet wird, auch die „Musik­ver­mittlung“ eine Lobby braucht, wie der Blick auf die Stunden­pläne der Schulen und die Unter­richts­be­richte überdeutlich zeigen. Die hierfür bereits bestehenden Insti­tu­tionen wie etwa die Landes­mu­sik­aka­demie im nordrhein-westfä­li­schen Heek erreichen den Musik­un­ter­richt in den Schulen nur begrenzt.

Das realpo­li­tische Statement der in der Kategorie Charakter prämierten Ilona Schmiel und die unter­schied­lichen Kontexte der fanta­sie­vollen und sehr erfolg­reichen Projekte der Musik­ver­mittlung in der Nominierung haben erneut  bestätigt, dass die Musik­ver­mittlung trotz aller Kreati­vität und Experi­men­tier­freu­digkeit ohne kultur­po­li­tische Unter­stützung auf der Stelle tritt. Der JOP 2018 hat das erneut deutlich gemacht und die Unver­zicht­barkeit kultur­po­li­ti­scher Unter­stützung nachdrücklich unter­strichen – und das ist auch nötig.

Horst Dichanz

Teilen Sie sich mit: