O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Wo kann man Kammermusik und Lieder noch so konzentriert hören wie im Bregenzerwald? Das idyllische Schwarzenberg mit seinen historischen Gasthäusern und Höfen, eingebettet in eine Bergwelt mit sanften Matten und schroffen Felsen, die Heimat der großen Malerin der Goethezeit, Angelika Kauffmann, bietet das einem internationalen Publikum bei der „Schubertiade“ im nach ihr benannten holzvertäfelten Saal, wo sich exzellente Künstler der klassischen Musik bei hervorragender Akustik ein Stelldichein geben.

Natürlich steht die Musik Schuberts im Mittelpunkt, aber auch Werke anderer Komponisten. Eine Sängerin dominiert die letzte August-Woche, die irische Mezzosopranistin Tara Erraught. Sie beginnt ihren Liederabend mit Vertonungen von Mörike-Gedichten durch Hugo Wolf und begeistert gleich mit ihrer kraftvollen, funkelnden, farbenreichen Stimme, die mit schimmernden Höhen und satter Tiefe imponiert. Schon hier gefällt die Bandbreite von empfindsam über heftig stürmisch bis wonnig, bei müheloser Textverständlichkeit, stets einfühlsam begleitet vom Pianisten Malcolm Martineau. Eigentlich aber ist das Metier der sympathischen Sängerin die lockere Gestaltung kleiner, in sich abgeschlossener Szenen, so wie bei der temperamentvollen Nixe Binsenfuß. Vor allem die Schubert-Lieder bescheren Höhepunkt über Höhepunkt, beginnend bei Schäfers Klagelied, melodisch, sanft melancholisch, bis hin zu einem sehr bewegten Gretchen am Spinnrade. Die Spiegelung von Naturerscheinungen in Gefühlen lässt sich verfolgen bei einem schlichten Nacht und Träume, während Die junge Nonne die Sehnsucht nach dem Paradies und der ewigen Liebe zu Christus beschwört. Ein sehr irdischer Kontrast dazu ist Schuberts wohl letztes Werk Der Hirt auf dem Felsen, eine wunderbare Harmonie von Stimme, Klavier und der Klarinette von Jörg Widman; letzterer scheint diese arkadische Idylle ebenso zu genießen wie die Sängerin: Beschwingt, kraftvoll bezaubert er mit den Melodielinien, die Stimme nimmt diese weich mit leuchtenden Höhen auf, und angetrieben von einem Feuerwerk an Trillern entlässt die hoffnungsfrohe Schlussstrophe das jubelnde Publikum in die Pause. Danach Gustav Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen als innerlich zerrissene Empfindungen zwischen Lieb’ und Leid, die in Resignation enden, tief versunken im Traum. Ein ganz anderes Stimmungsbild zeichnen die Zigeunerlieder von Brahms, expressiv, sprühend vor Lebenslust, flink, und nicht ganz ernst zu nehmen beim Anschmachten des „süßen Liebchens“. Nach diesem abwechslungsreichen Gefühlskosmos steht der Saal vor Begeisterung Kopf, und die zwei Zugaben enden im unbegleiteten altirischen Lied She moved through the fair, in der die strahlende, nirgends angestrengte Stimme in den weiten Linien einfach bezaubert.
Der berühmte Liederzyklus Schuberts Die schöne Müllerin darf in Schwarzenberg nicht fehlen. Wenn nun ein jugendlich kerniger, kraftvoller Tenor wie der Tiroler Martin Mitterrutzner sich daran wagt, kann man eher einen unbeschwerten, letztlich von der Schönen abgewiesenen, naiven Müllerburschen erwarten als die introvertierte Innenschau eines Melancholikers. Der Sänger, am Klavier begleitet mit klarem Anschlag und farbenreich von Gerold Huber, beginnt beschwingt, artikuliert gut verständlich, der Vortrag wirkt sehr natürlich, nirgends angestrengt, Mitterrutzner kann seine etwas hinten sitzende Stimme gut steigern, zeigt dabei meist, dass er sich wehrt gegen den drohenden Liebesverlust, und die Versicherung Dein ist mein Herz gelingt ihm strahlend, wenn auch fast etwas überbetont. Inniger scheinen Des Müllers Blumen, heftig, aufgewühlt kommt die Eifersucht auf den Jäger, den Rivalen, daher, und die Anklage gegen dessen Symbolfarbe Grün macht die Abweisung bald deutlich. Bis zum Selbstmord im Bach aber fehlen ein wenig die innere Verzweiflung, der Schmerz, die Resignation, denn der Tenor gefällt sich im wohlklingenden Gesang, unterstrichen durch Gesten, während das Klavier auch die unterschwelligen Gefühle ahnen lässt.
Kammermusikalische Perle
Zu den kammermusikalischen Perlen zählt am Rande auch Rossinis Petite messe solennelle in der Urfassung 1863, komponiert zur Einweihung der Pariser Privatkapelle von Alexis Pillet-Will. Im Gegensatz zur späteren großen Orchesterfassung war sie gedacht für zwei Klaviere, Harmonium, vier Stimmen und kleinen Chor, und der Komponist, der sich für die Opera buffa geboren fühlte, sprach von ihr als „arme kleine Messe“, die er mit „wahrere Liebe zur Religion“ und „ein bisschen Herz“ geschrieben habe. In Schwarzenberg sind nun bei ihr beteiligt der ausgeglichen, mit weichem, gefühlvollem Gesamtklang singende Feldkircher Kammerchor unter Leitung von Benjamin Lack, die Organistin Ryoko Morooka, die auf einem französischen Instrument der Rossini-Zeit das historische, silbrig-weihevolle Tonbild ansprechend wiedergibt. Ihr zur Seite sitzt am Klavier – leider keine zwei Original-Instrumente – kein Geringerer als Igor Levit und erweckt markant, machtvoll mit dramatischen Akzenten und virtuosen Einschüben den Eindruck fast orchestraler Begleitung. Die vier Solisten gestalten zusammen ein ausgewogenes stimmliches Quartett, profilieren sich aber auch glanzvoll solistisch, so zu Beginn imponierend der kernige, starke Bariton von André Schuen; in der Tenor-Arie des Domine Deus beweist Ilker Arcayürek viel Ausdruckskraft und strahlende Höhen. Die Hymne O salutaris hostia erklingt durch Simona Saturová silberhell, klar, mit feinen Höhen, und das Agnus Dei wird durch den vollen, glänzenden, kostbar schimmernden Mezzosopran von Tara Erraught ein musikalisches Juwel. Riesenbeifall!
Poetische Gesangswelten

Dass Diana Damrau zusammen mit ihrem kongenialen Begleiter an der Harfe, Xavier de Maistre, ihren Liederabend zu einem Fest machen wird, ist zu erwarten. Getragen von innerem Elan beginnt die charmante Sopranistin mit Mendelssohns Auf den Flügeln des Gesangs, und dieser wunderbare Auftakt leitet einen an funkelnden Höhepunkten reichen Abend ein, der auch mit Unbekanntem und Neckisch-Unbeschwertem aufwartet, alles auf höchstem Niveau und unterstrichen von passenden Gesten und gewinnendem Lächeln. Der Weltklasse-Harfenist lässt den Liedern von einer romantischen Naturschilderung und der dramatischen Klage eines an der Liebe verzweifelten Mädchens das Solostück Rossignol als zauberhaften Nachtigallen-Gesang folgen. Danach aber erschließen die russischen Lieder von Rachmaninow und Wlasow eher schwermütig-melancholische Gefühle, leuchtend begonnen mit Flieder, während Dämmerung Schlichtes beschwört und bei Hier ist es schön seelenvolle Weite auskostet. Voller Empfindungen, untermalt von feinsten Harfenklängen dann die kostbare Schilderung des Brunnens der Liebe und des Leids von Wlasow, mit großer Ausdrucksbreite und unglaublich schönen, packenden Höhen von Damrau dargeboten. Ganz anders der französische Teil des Abends, beschwingt und fast übermütig das sinnlich-erotisch flirrende Schäferstündchen von Reynaldo Hahn, auch durch die „runde“ Tiefe des füllig schimmernden Soprans verführerisch, bevor dann de Maistre seine exzellente Virtuosität in der Legende von Henriette Renié solo entfaltet. Den schalkhaften Zyklus Der kurze Strohhalm von Francis Poulenc mit seinen witzigen Liedern, 1960 geschrieben, um auch „Kinderherzen zu berühren“, genießt die Sängerin sichtlich, kokettiert dabei mit dem Publikum, etwa bei der köstlichen Jagd nach dem Floh, und sie verleiht der poetischen Schilderung der musikalischen Engel, dem schwärmerischen Aprilmond und den glanzvollen Wegen der Liebe mit den versteckten Walzerklängen feinsinnige Delikatesse. Für den langen Jubel bedankt sie sich mit einer herrlichen Zugabe.
Die Mezzosopranistin Sophie Rennert hat sich für ihren reinen Schubert-Abend nach Gedichten von Friedrich Schiller ein äußerst umfangreiches, ambitioniertes Programm vorgenommen, begleitet von Helmut Deutsch am Klavier. Sie beginnt mit An den Frühling recht charmant und zeigt dann, dass ihr eigentlich das dramatisch Bewegte mehr liegt. Denn sie liebt das Erzählen, verfügt über eine etwas unruhig flirrende, höhenstarke Stimme und betont sehr textnah, wenn auch nicht immer textverständlich. All ihre Gestaltungsbreite entfaltet sie im umfangreichen Taucher. Da darf das Klavier bedrohlich brausen, kann sie heftig akzentuieren; hier steht eine Tragödin auf der Bühne, die allerdings etwas das Dunkle, Schaurige vermissen lässt. Neckisch beginnt das Klavier die Erwartung; die Sängerin gestaltet daraus eine bewegte Szene. Stark betont wird Der Pilgrim, Der Flüchtling demonstriert neben Dramatik auch Stimmglanz, bei Elysium scheint die Stimme lockerer, kann groß steigern zu strahlender Weite, und die Sehnsucht bildet einen frischen, aufmunternden Schluss. Dem Publikum gefällt dieses abwechslungsreiche Programm, und Sängerin wie Pianist scheinen überwältigt vom Beifall und bedanken sich mit drei Zugaben.
Renate Freyeisen