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Franz Xaver Ohnesorg, seit 2005 Intendant des Klavier-Festivals Ruhr, blickt zuversichtlich in die Zukunft und hat ein Programm vorgestellt, wie es das zuletzt vor der Pandemie gab. Das Motto des diesjährigen Festivals, Lebenslinien, deutet schon einen Schwerpunkt an: Viele gute alte Bekannte unter den Künstlern werden auch jetzt wieder das Programm bestreiten.

Auch das Klavier-Festival Ruhr, das weltweit bedeutendste Klavierereignis, wurde von Corona in den letzten beiden Jahren nicht verschont. Planungen mussten über Bord geschmissen werden. Der übliche Zeitrahmen von Mai bis Juli konnte wegen der Lockdowns nicht eingehalten werden. Einige Musiker durften nicht zu bestimmten Zeiten oder nur auf Umwegen nach Deutschland einreisen. Konzerte mussten ersatzlos gestrichen beziehungsweise auf einen späteren Termin verschoben werden. Viele Sitzplätze mussten im Publikum leer bleiben. Einige Veranstaltungen fanden ohne Zuhörer statt, wurden stattdessen im Internet präsentiert. Strenge Hygienevorschriften mussten eingehalten werden.
Doch in diesem Jahr soll wieder alles so vonstatten gehen wie vor der Pandemie, da die Beschränkungen stark gelockert wurden und wahrscheinlich weiterhin werden, falls das Virus nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Das Tragen von Masken wird wohl weiterhin Pflicht bleiben. Auch die 2G-Regel ist noch aktuell. Aber daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Ohne Kapazitätsbegrenzungen in den Konzertsälen ist dagegen der Vorverkauf gestartet. Im gedruckten Programmbuch steht es noch anders. Man vertraut auf die jüngsten Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz. Lebenslinien lautet das Motto des diesjährigen internationalen Pianistentreffens, das vom 30. April bis zum 9. Juli stattfindet. 63 Veranstaltungen auf 32 Bühnen in 24 Orten sind vorgesehen.
Mit dem Schwerpunkt „Lebenslinien“ will man die Musiker ansprechen, die sich mit dem Klavier-Festival Ruhr eng verbunden fühlen. 42 Künstler sind es, die in diesem Jahr mindestens zum fünften Mal auftreten – ein Who‘s Who der internationalen Musikszene. Viele weltberühmte Pianisten geben sich die Klinke in die Hand, die schon sehr lange mit dabei sind: etwa Grigory Sokolov, Elena Bashkirova, Gerhard Oppitz, Arcadi Volodos, Igor Levit, Hélène Grimaud, Emanuel Ax, Ivo Pogorelich oder Maria João Pires. Zum 19. Mal kommt Vikingur Ólafsson wieder. Er bestreitet das Eröffnungskonzert am 30. April in der Duisburger Mercatorhalle mit Werken Wolfgang Amadeus Mozarts und vier seiner Zeitgenossen. Genauso oft ist zum Schluss am 9. Juli Jazzpianist Michel Camilo auf der Festivalbühne im Festspielhaus Recklinghausen zu erleben.
Doch nicht nur die namhaften Künstler, die auf den internationalen Konzertpodien zu Hause sind, kommen ins Ruhrgebiet und in Orte an dessen Rand. So werden regelmäßig talentierte Nachwuchspianisten eingeladen. Dieses Mal sind es dreizehn Debütanten, die zwölf Konzerte gestalten. Mit dabei sind unter anderem die fünfzehnjährige Alexandra Dovgan, der letztjähriger Gewinner des Chopin-Wettbewerbs, Bruce Liu, und Elena Fischer-Dieskau, Enkelin des legendären Liedgestalters Dietrich Fischer-Dieskau.
Mehr als alte Musik auf dem Programm

Die am meisten gespielten Werke kommen diesmal aus der Feder von Frédéric Chopin. Ferner stehen viele andere Komponisten aus dem Barock bis zur Romantik auf dem Programm. Doch auch ein Zeitgenosse kommt nicht zu kurz: York Höller. Im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr hat er ein Doppelkonzert für Violoncello und Klavier geschrieben. Am 13. Juni werden es Pianist Martin Helmchen, Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und das Kölner Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Poppen in der Mülheimer Stadthalle uraufführen. Zwei Tage später gibt es ein Porträtkonzert in Haus Fuhr in Essen-Werden. Dort wird Hanni Liang Klavierwerke Höllers aus verschiedenen Jahrzehnten vorstellen.
Ein weiteres Highlight verspricht die Aufführung der fünf Klavierwerke Ludwig van Beethovens an zwei Abenden zu werden: die Konzerte 1–3 am 22. Juni in der Historischen Stadthalle Wuppertal und tags darauf die beiden anderen im Konzerthaus Dortmund. Das Chamber Orchestra of Europa wird dann musizieren. Dabei tritt Jan Lisiecki in Personalunion als Pianist und Dirigent auf. Die beiden Veranstaltungen waren bereits letztes Jahr geplant, platzten aber wegen Corona.
Außerdem gastieren Klavier-Duos, darunter Yaara Tal und Andreas Groethuysen. Sie werden anlässlich ihres Auftritts am 8. Juli im Kulturzentrum Herne mit dem Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2022 ausgezeichnet. Ferner kommen die weiteren anderen Formate „Jazzline“, Liederabende und Kammerkonzert nicht zu kurz Etwa werden Bariton Matthias Goerne und Pianist Daniil Trifonov ein hochkarätiges Programm mit Liedern von Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Alban Berg und Dmitri Schostakowitsch präsentieren.
Auch wird die über die Ruhrgebietsgrenzen anerkannte Musikvermittlungsarbeit des Klavier-Festivals Ruhr nicht zu kurz kommen. An drei Terminen wird sie ihre Arbeit vorstellen: bereits am 4. April in der Essener Philharmonie das Projekt Kosmos Luciano Berio: Twice upon, am 18. Mai in der Gebläsehalle des Duisburger Landschaftsparks Nord ein integratives Projekt und am 21. Juni ebenfalls in der Gebläsehalle das schulübergreifende Musikvermittlungsprojekt.
Last but not least lässt das Klavier-Festival Ruhr das Jahr 2022 mit zwei Weihnachtskonzerten ausklingen, Sie finden am 10. und 11. Dezember im Wasserschloss Gartrop in Hünxe statt.
Hartmut Sassenhausen