O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Vorprogrammierte Ablenkung

Erwei­terte Wirklichkeit heißt im Engli­schen Augmented reality. Damit ist nicht die Wirkung eines erfolg­reichen Drogen­konsums gemeint, sondern die compu­ter­ge­stützte Erwei­terung der Reali­täts­wahr­nehmung. Die kann aller­dings – theore­tisch – alle Sinne ansprechen. Wie das im Bereich der Oper aussehen könnte, erprobt jetzt die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg. 

Christoph Meyer denkt über neue Wege der Vermittlung nach. – Foto © Andreas Endermann

Mit 23 Jahren kompo­nierte Erich Wolfgang Korngold die Oper Die tote Stadt. Gemeinsam mit seinem Vater Julius schrieb er unter dem Pseudonym Paul Schott das Libretto. 1892 veröf­fent­lichte Georges Rodenbach den symbo­lis­ti­schen Roman Bruges-la-morte, der die Grundlage dafür darstellte. Inzwi­schen ist die Oper mehr als 550 Mal aufge­führt worden und damit eines der wenigen Beispiele für Kompo­nisten, die auch nach 1945 noch Beachtung fanden, obwohl die Natio­nal­so­zia­listen wegen der jüdischen Abstammung Korngolds das Stück von den Bühnen verbannten. Ein Grund dafür ist neben der spätro­man­ti­schen Musik sicher die surrea­lis­tische Handlung. Paul bewohnt die „Kirche des Gewesenen“, ein Zimmer irgendwo in Brügge, das mehr an einen Gedächt­nisort für seine verstorbene Frau Marie erinnert. Die Tänzerin Marietta ist der Toten so ähnlich, dass Paul sich von ihr in den Bann gezogen fühlt. Für Marietta eine tödliche Begegnung, für Paul anschließend der Grund, Brügge für immer zu verlassen. Dank der Traum­phasen im zweiten und dritten Akt sollte die Oper die Fantasie eines jeden Regis­seurs auf Hochtouren treiben. An der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg bekommt jetzt Daniel Kramer die Gelegenheit, die Faszi­nation des großar­tigen Stoffs zu vermitteln. Mit Tenor Corby Welch als Paul und Sopra­nistin Nadja Stefanoff als Marietta bekommt er jeden­falls schon mal Spitzensänger.

Foto © Lukas Loss

Und die Rheinoper setzt noch einen drauf. Sie hat es dringend nötig. Wenn sie sich sprachlich von ihrem Publikum ins Nirwana der Geschlech­ter­spaltung verab­schiedet, das Publikum wegbleibt, so, wie es derzeit auch vielen anderen geht, muss sie sich andere Wege der Vermittlung einfallen lassen. „Bei unserem Projekt steht der Vermitt­lungs­ge­danke im Vorder­grund“, heißt es dementspre­chend auch bei Christoph Meyer, Intendant der Oper. Und da hilft bekanntlich die Flucht nach vorn. Das heißt ins Digitale. So hat die Rheinoper in Koope­ration mit einem Telekom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­nehmen ein neues Projekt aufge­setzt, das sie jetzt bei der Toten Stadt auspro­bieren will. Es geht um compu­ter­ge­stützte, erwei­terte Reali­täts­wahr­nehmung, also auf neudeutsch augmented reality. Pro Aufführung bekommen 30 Zuschauer, die zuvor eine Einweisung erfahren, die Gelegenheit, sich während der Vorstellung Brillen aufzu­setzen, um Zusatz­in­for­ma­tionen zur Oper abzurufen. Unter dem Projekt­titel Digitales Opernglas können sie wahlweise auf Hinter­grund­in­for­ma­tionen zur Oper, zu den Solisten, auf Übertitel in zwei Sprachen, Blicke in den Orches­ter­graben oder Bilder­welten beispiels­weise bei musika­li­schen Inter­mezzi zugreifen. Die Steuerung zur Auswahl der Inhalte erfolgt über Kopfbe­we­gungen, die in Steue­rungs­be­fehle umgesetzt werden. „Unser digitales Opernglas verknüpft Live-Erlebnis und immersive Techno­logie mitein­ander, um so einen neuen, niedrig­schwel­ligen Zugang zur analogen Welt des Musik­theaters zu ermög­lichen. Die Arbeit an dem Prototyp ist Teil unserer Strategie, durch digitale Angebote den Zugang zu Oper und Ballett zu erleichtern“, verdeut­licht Meyer die Idee dahinter und versetzt dem Stamm­pu­blikum damit abermals einen Stich.

Da wundert man sich, warum dazu unbedingt eine Koope­ration mit einem Telekom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­nehmen notwendig ist. Schließlich würde man das erst mal bei einem Software-Unter­nehmen verorten, das großartige Brillen entwi­ckelt. Aber wer bei Vodafone Kunde ist, weiß nur allzu gut, worauf es wirklich ankommt, weil es daran im Alltags­be­trieb allzu oft hapert – auf die Übertra­gungs­ge­schwin­digkeit. „Grundlage für entspre­chende Anwen­dungen ist das neue Mobil­funknetz 5G, in dem die Daten besonders schnell fließen“, erklärt Michael Reinartz, der bei dem Unter­nehmen für Innova­tionen zuständig ist.

Mut zur Innovation

Michael Reinartz will Augmented Reality in der Oper einsetzen. – Foto © Vodafone

Man kann über die Idee nicht ernsthaft debat­tieren, ohne gleich als fortschritts­feindlich zu gelten. Obwohl Vorbe­halte bezüglich der Konzen­tration auf das eigent­liche Geschehen auf der Bühne durchaus angebracht sind. Und auch sonst scheint das Verfahren noch reichlich kompli­ziert, aber Kompli­ka­tionen stehen ja wohl am Anfang jeder Innovation. Für die Zuschauer, die sich entschließen, das einmal auszu­pro­bieren, steht ein ziemlicher Aufwand bevor. Brillen­träger, die nicht mal eben auf Kontakt­linsen umsteigen, sind sowieso von dem Versuch ausge­schlossen, weil die Brillen sich nicht auf die Augen einstellen lassen. Das ist ungefähr so, wie man in Italien eine Sonnen­brille kauft, die nicht optisch geschliffen ist. Très chic, aber eigentlich nutzlos. Die Ausleihe der Brillen und der Smart­phones, die für den Einsatz notwendig sind, ist nur gegen Pfand in Form eines Perso­nal­aus­weises, Reise­passes oder Führer­scheins möglich. Und dann muss man auch noch eine Einweisung über sich ergehen lassen, ehe man Plätze in der Mitte des zweiten Ranges des Opern­hauses zugewiesen bekommt, die mit satten 56 Euro zu bezahlen, also ohnehin nur für Besser­ver­die­nende vorge­sehen sind, wenn man nicht in den Genuss einer Ermäßigung kommt.

Es ist übrigens nicht der erste Versuch, die Digita­lität in das Analoge einzu­binden. Die Oper Wuppertal hat vor zwei Jahren damit gearbeitet, Infor­ma­tionen zu einer Oper auf dem Handy anzubieten. Das wurde sang- und klanglos wieder einge­stellt. Bleibt zu hoffen, dass die Rheinoper mit ihren Brillen, Smart­phones und Kopfbe­we­gungen erfolg­reicher ist.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: