O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Szenenfoto aus Götterdämmerung - © Karl und Monika Forster

Wirrwarr am Staatstheater

Wenn zwischen erwach­senen Menschen Konflikte entstehen, dann treffen sie sich, um sie im Gespräch zu lösen. Die Binsen­weisheit scheint ja auf der ganzen Welt nicht mehr zu funktio­nieren, warum also sollte es ausge­rechnet in Hessen so sein? Da streiten sich jetzt Träger und Intendanz des Hessi­schen Staats­theaters Wiesbaden wie die Kessel­flicker auf offener Bühne. Der Schluss­ap­plaus wird karg ausfallen.

Intendant Uwe Eric Laufenberg – Foto © Christine Tritschler

Dass sich der Intendant und der Kaufmän­nische Leiter eines Theaters nicht grün sind, liegt in der Natur der Sache. Während die künst­le­rische Leitung stets auf große Erfolge aus ist, muss der Budget­ver­walter die Ausgaben im Rahmen halten. Wenn es da zu Reibe­reien kommt, gehört das eher zum Alltag eines künst­le­ri­schen Betriebs und ist allen­falls für den Kultur­re­dakteur einer Tages­zeitung vor Ort von Interesse. Am Hessi­schen Staats­theater Wiesbaden ist das schon seit einiger Zeit anders. Das mag zum einen daran liegen, dass dort Uwe Eric Laufenberg Intendant ist, der schon immer gern Konflikte in möglichst großer Öffent­lichkeit austrägt, zum andern, dass es dort Holger von Berg als Kaufmän­ni­schen Direktor gibt, der, um es vorsichtig auszu­drücken, durch intrans­pa­rente, wenn nicht wider­sprüch­liche Kommu­ni­kation auffällt, was die Finanz­ver­waltung wie die Mitar­bei­ter­führung angeht. Intendant und Mitar­beiter wurden, so hat es den Anschein, von den Trägern des Theaters, also der Stadt Wiesbaden und dem Hessi­schen Minis­terium für Wissen­schaft und Kunst, mit ihren Sorgen und Nöten um das Gebaren des Kaufmanns auch dann allein gelassen, als sie sich an die Öffent­lichkeit wandten.

Man braucht sich gar nicht auf die Einzel­heiten der Strei­tig­keiten einzu­lassen, denn von Berg schaffte Fakten. Per Dienst­an­weisung strich er im Oktober vergan­genen Jahres für 2024 acht Produk­tionen und meldete sich anschließend krank. Von den Trägern wurden zwei Stell­ver­treter benannt, die die Geschäfte weiter­zu­führen hatten. Offenbar war man sich weder bei der Stadt noch im Minis­terium über die Rolle von Stell­ver­tretern im Klaren. Ein Stell­ver­treter ist in den seltensten Fällen und schon gar nicht im öffent­lichen Dienst der Held der Stunde, sondern jemand, der nach Möglichkeit mit einem geringst­mög­lichen Aufwand an Entschei­dungen versucht, die Zeit bis zum Wieder­ein­tritt des eigent­lichen Funkti­ons­trägers zu überbrücken. Nicht einmal in einem echten Theater­stück fielen solche Mitar­beiter durch Eigen­schaften auf, die das Theater über einen Minimal­be­trieb hinaus aufrecht­erhielten. Weil dann die drama­tische Entwicklung des Stücks ja auch ziemlich schnell zu Ende wäre. Auch im wahren Leben nimmt die Posse um Führungs­schwäche und Verant­wor­tungs­flucht jetzt richtig Fahrt auf.

Presse­mit­teilung statt Diensteifer

Staats­se­kre­tärin Ayse Asar – Foto © kunst​.hessen​.de

Verschiedene Quellen berichten glaubhaft und plausibel, dass der Betrieb nicht mehr weiter­ge­führt werden kann, weil beispiels­weise Verträge für künftige Auffüh­rungen nicht abgeschlossen werden. Nachdem Laufenberg öffentlich auf die Missstände aufmerksam machte und ankün­digte, dass der Spiel­be­trieb gefährdet sei, reagiert das Minis­terium völlig überra­schend. Es beruft nicht etwa eine Krisen­sitzung im Theater ein, erteilt dem Inten­danten einen Ordnungsruf und beginnt, nach einer Lösung zu suchen. Das Minis­terium gibt – und das Publikum in einem imagi­nären Theatersaal hätte dafür nicht mehr als ein verär­gertes Kopfschütteln übrig, weil die Wendung vollkommen wirklich­keits­fremd wäre – eine Presse­mit­teilung heraus, die den Begriff nicht verdient. Subal­terne Mitar­beiter – Staats­se­kre­tärin Ayse Asar und Kultur­de­zernent Hendrik Schmehl – weisen den Inten­danten zurecht. „Auch die künst­le­rische Leitungs­ebene eines Theaters hat sich an Recht und Gesetz zu halten – diese Selbst­ver­ständ­lichkeit scheint nicht allen am Theater klar zu sein. Das Theater ist voll handlungs­fähig, die Vertre­tungs­regeln für den Geschäfts­füh­renden Direktor greifen“, wird da wider besseres Wissen behauptet. Bis heute sind die Verträge für die Künstler, die an der Wieder­auf­nahme des Rings des Nibelungen Ende Januar teilnehmen sollen, nicht unter­zeichnet. Auch für Künstler gilt übrigens: Ohne Vertrag kein Auftritt.

Vorsorglich nehmen Asar und Schmehl auch gleich eine Schuld­zu­weisung vor, schließlich ist einem letztlich der eigene Job wichtiger als irgendein zu lösender Konflikt: „Für den Schaden, der durch ihr Verhalten dem Theater entsteht – sowohl im Ansehen als auch finan­ziell – trägt die künst­le­rische Leitung die volle und alleinige Verant­wortung.“ Eine solche unbewiesene Verlaut­barung in einer amtlichen Stellung­nahme eines Minis­te­riums zu lesen, überschreitet jedes Vorstel­lungs­ver­mögen. Da kommt keine Schmie­ren­ko­mödie mehr mit.

Das unwürdige Spiel geht weiter. Es ist Laufenberg nicht zu verdenken, dass er umgehend und öffentlich antwortet, wenngleich nicht zielführend. Der Schaden ist schon jetzt immens. Das Publikum ist verun­si­chert, die Folgen sind gar nicht absehbar. Was aber sehr wohl deutlich ist: Wenn Kultur­ar­beiter bis auf Minis­te­ri­um­s­ebene sich dermaßen unpro­fes­sionell und jenseits aller Regeln verhalten, werden die Konse­quenzen nicht auf Wiesbaden beschränkt bleiben. Das kann Auswir­kungen auf die gesamte Republik haben. Auch das könnten sich die Protago­nisten dieses Hauen und Stechens vor Augen führen, zügig an den runden Tisch zurück­kehren und nach konstruk­tiven Lösungen suchen. Damit am Ende dieses Dramas wenigstens ein zaghafter Applaus übrigbleibt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: