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Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar - Foto © Dundak

Strahlkraft abschaffen

Seit Juli 2022 ist Anne-Kathrin Lindig Präsi­dentin der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Jetzt macht die Geigen­pro­fes­sorin mit einer spekta­ku­lären Entscheidung von sich reden. Sie will das Institut für Alte Musik an der thürin­gi­schen Hochschule abwickeln. Nicht nur bei den Studenten regt sich Wider­stand gegen die bislang nicht detail­liert begründete „Sparmaß­nahme“.

Anne-Kathrin Lindig – Foto © Bernd Lindig

Ohne Phantasie keine Kunst“, so wird gern Franz Liszt, der Klavier­vir­tuose und Komponist, der viele Jahre in Weimar weilte, zitiert. Mag schon sein, wird sich Anne-Kathrin Lindig gedacht haben, aber passender ist wohl das weniger bekannte Zitat „Glücklich, wer mit den Verhält­nissen zu brechen versteht, ehe sie ihn gebrochen haben“. Auch das von Liszt, nach dem die Hochschule für Musik im thürin­gi­schen Weimar benannt wurde. Und das sagt der Präsi­dentin der Hochschule derzeit erheblich mehr zu. Zumindest passt es besser zu ihrer Entscheidung, die sie vor kurzem verkündete. Das Institut für Alte Musik an der Musik­hoch­schule soll, geht es nach ihrem Willen, „abgewi­ckelt“, also geschlossen werden.

In der Selbst­dar­stellung des Instituts ist die Bedeutung des Instituts nachzu­lesen. „Weimar liegt in einer Region, die bereits im 17. und 18. Jahrhundert ein ‚Herzstück‘ europäi­scher Musik­kultur darstellte. Das Schaffen des Weimarer Hofor­ga­nisten und Konzert­meisters Johann Sebastian Bach steht im Zusam­menhang mit demje­nigen zahlreicher in dieser Region wirkender Kompo­nisten. Weltbe­rühmt ist die Kultur­stadt Europas 1999 ebenfalls durch Dichter­per­sön­lich­keiten wie Goethe, Schiller und Wieland, die in ihrer Zeit auch die musika­lische Sprache beein­flussten. Dieses musik­his­to­risch inspi­rie­rende Umfeld mit einer Fülle authen­ti­scher histo­ri­scher Auffüh­rungsorte und einem leben­digen Kultur­tou­rismus, ermög­licht einen attrak­tiven Ausstrah­lungs­radius der regel­mä­ßigen Konzerte und Semes­ter­pro­jekte des Instituts für Alte Musik. Die Konzert- und Veran­stal­tungs­reihe des Instituts für Alte Musik Der Granat­Apfel spiegelt die Arbeit am Institut wider und beinhaltet neben der Präsenz in Weimar und Thüringen auch Konzerte in Koope­ra­tionen mit kultu­rellen Partnern deutsch­landweit und international.“

Aber auch über seine Grenzen hinaus entwi­ckelt das Institut Strahl­kraft. Seit 16 Jahren nimmt es eine zentrale Rolle in der konti­nu­ier­lichen Pflege und Aufführung der Musik insbe­sondere des 15. bis 18. Jahrhun­derts ein. So fungiert es als wichtige Stütze renom­mierter Barock­mu­sik­fes­tivals und kultu­reller Highlights wie der Thüringer Bachwochen, der Bach Biennale Weimar oder des Güldenen Herbst, es generiert eine lebendige Barock­mu­sik­szene im Freistaat mit zahlreichen Ensem­ble­grün­dungen, es unter­stützt die Ausbildung der Orches­ter­stu­di­en­gänge an der Hochschule und nicht zuletzt beschäf­tigen nahezu sämtliche Thüringer Musik­schulen Absol­venten des Instituts in stark gefragten Fächern wie zum Beispiel Block­flöte, Violine oder Violoncello.

Nun soll das Kompe­tenz­zentrum für Alte Musik also geschlossen werden. Warum es gerade das Institut sein muss, ist von Violin­pro­fes­sorin Lindig nicht so genau zu erfahren. Zu erwar­tende Sparzwänge sowie geringe Bewer­ber­zahlen sollen die Entscheidung herbei­ge­führt haben. Folgt man einer solchen Argumen­tation, wäre es richtiger, gleich die Musik­hoch­schule zu schließen, weil viele Menschen der Ansicht sind, der Weltun­tergang stehe kurz bevor. Erwar­tungs­gemäß wollen die Studenten des Instituts das so nicht hinnehmen und überreichten der Hochschul­leitung eine Petition, die innerhalb kürzester Zeit 30.000 Menschen unter­schrieben haben. Aber auch außerhalb der Hochschule regt sich Widerstand.

Inzwi­schen haben namhafte Künstler, Wissen­schaftler und Leiter von Einrich­tungen einen Appell der Zwölf verfasst, der die Hochschul­leitung auffordert, „die Studi­en­gänge der Alten Musik nicht abzubauen, sondern als integralen Bestandteil der Ausbildung zu bewahren, sie pfleglich zu fördern, ja, nach Kräften und Möglich­keiten sogar zu erweitern“. Auch Geiger David Garrett hat eine ähnlich lautende Erklärung veröffentlicht.

Wer die Mühe unter­nimmt, einen Blick in die Petition zu werfen, kann sich aller­dings kaum des Eindrucks erwehren, dass es der Hochschul­prä­si­dentin weniger um einen Ab- als um einen Umbau an der Musik­hoch­schule geht. In der Petition ist die Rede davon, dass Lindig die pädago­gi­schen Fächer und das Kultur­ma­nagement stärken sowie einen neuen Studi­engang Musik­the­rapie schaffen wolle. Nun spricht ja nichts dagegen, eine Hochschule am Bedarf auszu­richten. Wenn das aller­dings auf Kosten bestehender Einrich­tungen geht, die altes Wissen weiter­geben, das notwendig ist, um künftiges Wissen zu entwi­ckeln, dann wider­spricht das jeder geltenden Vernunft.

Am 1. Juli wird die Hochschul­ver­sammlung über die Pläne der Präsi­dentin abstimmen. Das wird aller­dings nicht die Frage beant­worten, ob Lindig die richtige Person ist, die Musik­hoch­schule in Weimar in die Zukunft zu führen.

Michael S. Zerban

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