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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Endlich Ruhe in der Oper

Anmerkung der Redaktion: Mit Stand vom 28. Februar 2018 hat sich der Geschäfts­füh­rende Direktor der Bühnen Köln, Patrick Wasser­bauer, im Auftrag der Oberbür­ger­meis­terin der Stadt Köln, Henriette Reker, für den unten geschil­derten Vorgang schriftlich entschuldigt. Das Kultur­ma­gazin O‑Ton geht davon aus, dass es damit keine weitere Behin­derung seiner Arbeit durch die Oper Köln erfährt und betrachtet die Angele­genheit somit als erledigt.

Unliebsame Bericht­erstattung ist in der Oper Köln jetzt kein Problem mehr. Man sperrt einfach ganze Medien aus den Auffüh­rungen aus, und schon ist das Problem erledigt. Die Oper, die in letzter Zeit eher durch fehler­haftes Handwerk denn durch überra­gende Produk­tionen auffiel, geht damit einen Weg, der zwar nicht durch das Grund­gesetz gedeckt ist, aber für Ruhe zu sorgen scheint. Der Kommentar klärt, warum es nicht ganz so einfach ist und uns alle angeht.

Hier kommt noch längst nicht jeder rein. – Foto © O‑Ton

Das Leben könnte so schön sein. Da hat man sich aus dem Zentrum an das andere Rheinufer zurück­ge­zogen, lässt sich jährlich von den Kölner Bürgern einen zweistel­ligen Millio­nen­betrag überweisen und muss sich weiter keine Gedanken um die Gehälter machen. Für einen künst­le­ri­schen Betrieb eine durchaus komfor­table Situation, in der die Inten­dantin dann auch schon mal der Verwandt­schaft einen Job zuschanzen kann. Wenn da nicht die Journa­listen wären. Nicht alle. Gibt ja durchaus nette Menschen unter ihnen, die sogar dafür sorgen, dass immer noch Menschen in die Auffüh­rungen kommen. Und wenn doch mal einer aus der Reihe tanzt, hilft es ja, wenn jemand aus dem Verein der Freunde und Förderer ihn wüst beschimpft. Aber es gibt eben auch die anderen. Die schon mal die Haltung des Hauses hinter­fragen oder Rezen­sionen schreiben, in denen nicht der Tunnel­blick auf der Bühne verharrt. Das ist echt ärgerlich für einen Betrieb, der sich lieber nach außen abschottet. Da ist Kreati­vität gefragt.

Als ein Redakteur von O‑Ton routi­ne­mäßig bei der Kölner Oper eine Presse­karte für eine Wieder­auf­nahme anfordert, bekommt er eine überra­schende Antwort vom Marke­ting­leiter. „An einer Bericht­erstattung auf der Online­plattform O‑Ton sind wir nicht inter­es­siert. Deswegen können wir Ihnen leider keine kosten­freie Presse­karte reser­vieren.“ Oha, das ist aber ein origi­neller Einfall: Die Oper Köln sucht sich aus, wer über sie berichtet. Drei Tage später wiederholt der Mitar­beiter der Kölner Oper sich auf Anfrage, diesmal aller­dings ohne Signatur seiner E‑Mail und nach seinen Worten auf Bitten der Inten­dantin. Wenn es denn so einfach wäre. Der Haken an der Geschichte: Presse­karten sind keine Gnaden­gaben wie etwa Frei- oder so genannte Ehren­karten. Presse­karten sind unabdingbare Voraus­setzung dafür, dass ein Journalist oder Kritiker ungehindert und unabhängig von seiner finan­zi­ellen Ausstattung seinen Arbeits­platz erreichen kann.

Eine überwiegend mit Steuer­geldern geför­derte Insti­tution verweigert also eine unabhängige Bericht­erstattung. Ein städti­scher Kultur­be­trieb, der die Presse­freiheit ignoriert? Das erscheint als ungeheu­er­liche Grenzüberschreitung.

Wenn es übrigens tatsächlich Überschrei­tungen seitens eines Journa­listen oder Kritikers gegeben hätte, hätten auch eine belei­digte Inten­dantin oder ein einge­schnappter Marke­ting­leiter Möglich­keiten, sich auf recht­mä­ßigem Weg zu wehren, ohne Grund­werte mit Füßen zu treten. Solcherlei Verfeh­lungen gab es offenbar bei O‑Ton nicht, wenn der Oper Köln nichts anderes mehr einfällt, als die Tür zuzusperren, um sich weiterer kriti­scher Betrachtung zu entziehen.

Dass die Oberbür­ger­meis­terin als oberste Dienst­herrin gegen solche Zensur­ver­suche nicht einschreitet, obwohl sie davon Kenntnis hat, mag vielleicht daran liegen, dass sie in ihrer Stadt die Zügel nicht im Griff hat. Aber letztlich scheint es in Köln mittler­weile egal, wem da die Gäule durchgehen.

Um Missver­ständ­nissen vorzu­beugen: Nicht O‑Ton ist beleidigt, weil die profes­sio­nelle Arbeit behindert wird, sondern entsetzt, welches Verständnis die Kölner Oper von der Presse­freiheit zeigt. Im Gesamt­pro­gramm von O‑Ton kam die Kölner Oper doch eher unter ferner liefen vor – und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Beleidigt zeigt sich die Oper Köln. Mit einer Geistes­haltung, die mit dem Gesamt­kon­strukt Oper respektive Theater einer freiheitlich-demokra­ti­schen Grund­haltung nicht mehr vereinbar ist.

Wenn demnächst die Werbe­leiter von steuer­fi­nan­zierten Theatern entscheiden, wer über sie berichtet und wer nicht, wird es gruselig in Deutschland.

Und ehe jetzt der Freun­des­kreis einer solch obskuren Einrichtung wieder wütend aufbrüllt, versi­chern wir, dass wir einer Oper, die mit Vettern, nein, Schwestern herum­wirt­schaftet und mit mediokren Produk­tionen Millionen scheffelt, trotz aller Versuche, das zu verhindern, weiterhin kritisch gegen­über­treten werden. Und wenn wir überhaupt vor irgend­etwas Angst haben, dann ist es die Antwort auf die Frage: Wer wird der Nächste sein, der nicht mehr berichten „darf“?

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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