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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Dürre Ergebnisse

Am 11. März fand in den Kammer­spielen Bad Godesberg das erste Treffen der Theater­ma­che­rinnen statt. Über 350 Frauen trafen sich unter Ausschluss der – männlichen – Öffent­lichkeit, um über „brennende Themen“ zu reden. Bedarf gibt es offen­sichtlich. Und wie man hört, war es auch ein schöner Tag. Nur die Ergeb­nis­liste fällt ein wenig dürftig aus.

Theater­ma­che­rinnen unter sich – Foto © Thilo Beu

Nein, ich bin kein Frauen­ver­steher. Und wenn ich den Begriff Emanzi­pation höre, denke ich in letzter Zeit immer häufiger an Männer als an Frauen. In Parkhäusern besetze ich lustvoll und provo­kativ die Parkplätze, die mit dem diskri­mi­nie­renden Begriff Frauen­park­platz gekenn­zeichnet sind. Warum also sollte ich mich in ein Thema einmi­schen, das mich „nichts angeht“? Nun, schon diese Prämisse ist falsch. Wenn es Missstände in deutschen Theatern gibt, ist das kein Frauen­problem, sondern ein gesell­schaft­licher Zustand, der uns alle angeht. Das sieht im Prinzip auch die Bonner Schau­spiel­di­rek­torin Nicola Bramkamp so. Trotzdem war sie mit Lisa Jopt, Ensem­ble­mit­glied am Bochumer Schau­spielhaus, der Auffassung, dass sich zunächst einmal die Frauen aus den Theatern finden, vernetzen und ihre Probleme formu­lieren müssten, ehe sie in den gesell­schaft­lichen Diskurs eintreten könnten. Also ergriffen sie die Initiative und riefen für den 11. März das erste Treffen der Theater­ma­che­rinnen in den Kammer­spielen Bad Godesberg aus. Die Resonanz war groß und darf durchaus als massiver Gesprächs­bedarf der Mache­rinnen aller Berufs­sparten im Theater betrachtet werden. Es kamen weitaus mehr Anmel­dungen, als räumlich bedingt Plätze vorhanden waren.

Nach einem Tag voller Impuls­vor­träge, Diskus­sionen in Klein­gruppen und im Auditorium, zeigen sich die Initia­to­rinnen zufrieden mit dem ersten Ergebnis. „Dies war ein weiterer wichtiger Schritt für alle Menschen – Männer wie Frauen – die Interesse an einem Paradig­men­wechsel im Theater haben. Wenn die Ergeb­nisse der Konferenz schnell umgesetzt werden, bedeutet dies unmit­telbare Konse­quenzen für die Lebens­qua­lität und künst­le­rische Exzellenz aller Betei­ligten“, resümiert Jopt ein wenig eupho­risch und dementspre­chend übereilt. Ein einzelner Kongress hat noch nie die Welt bewegt. Aber oft genug haben solche Begeg­nungen den Anstoß zu umwäl­zenden Entwick­lungen gegeben. Und das wäre ja auch schon ein großar­tiges Ergebnis. „Wir haben mit Burning Issues einen kräftigen Aufschlag gemacht und sind überwältigt von der Energie der teilneh­menden Frauen. Es wird definitiv eine Folge­ver­an­staltung und weitere Arbeits­gruppen geben. Es wurde deutlich, dass die Frauen bereit sind, ihre Themen mit Nachdruck zu verfolgen“, formu­liert es denn auch Bramkamp etwas wirklich­keits­näher. Ganz so spekta­kulär, wie es sich anhört, sind die Ergeb­nisse dieses Treffens freilich nicht. Und frauen­spe­zi­fisch schon gar nicht. In sechs Themen­schwer­punkte wurden die Ergeb­nisse am Ende des Tages gegossen.

Die Abschaffung der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen, die Schaffung von famili­en­freund­li­cheren Struk­turen an den Theatern, die Erhöhung des Anteils von Frauen in allen Ressorts, die Ahndung von Macht­miss­brauch und sexuellen Übergriffen, die Reform von vorherr­schend patri­archal orien­tierten Führungs­struk­turen und der Wunsch nach mehr Diver­sität, Inklusion und Solida­rität. Sagen Sie mir, was daran in einer modernen Gesell­schaft frauen­spe­zi­fisch oder auch nur theater­spe­zi­fisch ist. Abgesehen davon, dass es sich hier, positiv ausge­drückt, allen­falls um Strate­gie­ziele handelt, was aber nach nur einem Tag mehr als verzeihlich ist. Aber es klingt nach einer Aufga­ben­liste für die Betriebe in den kommenden Jahren, völlig unabhängig vom Geschlecht. Oder, um es produk­tiver auszu­drücken: Nur, wenn Männer und Frauen hier zusam­men­ar­beiten, werden sich die Struk­turen verändern lassen. Was ist beispiels­weise damit erreicht, wenn eine Inten­dantin mit monatlich 15.000 Euro nach Hause geht, weil der Intendant eines anderen Hauses das Gleiche verdient, die Sänge­rinnen und Sänger der Häuser aber weiter am Existenz­mi­nimum herum­knappsen, egal, ob sie das Gleiche verdienen oder nicht? Und wie lange dauert es, bis die gleiche Bezahlung von Schau­spielern und Schau­spie­le­rinnen genutzt wird, um sie gegen­ein­ander auszu­spielen, etwa, wenn den Frauen vorge­halten wird, dass nun mehr Stellen gekürzt werden müssen, weil sie auf ein paar Euro mehr bestanden haben? Hier hülfe nur noch die Solida­rität beider Geschlechter.

Nur, wenn Frauen und Männer gemeinsam an diesen Aufgaben arbeiten, wird es vernünftige Lösungen geben. Beispiel Macht­miss­brauch. Heute schon real existierend: Die Inten­dantin, die ihre Macht missbraucht, um Mitar­beiter beiderlei Geschlechts zu schika­nieren und drang­sa­lieren. Sicher nicht das klassische Beset­zungssofa-Beispiel, betrifft aber dafür gleich hunderte von Mitar­beitern. Wie gehen Frauen damit um? Das kann ich Ihnen sagen. Nicht anders als Männer. Beide suchen verzweifelt nach Auswegen. Übrigens heute schon gemeinsam und das bislang erfolglos.

Ich hätte mir als Fazit dieses Tages eine Solida­ri­täts­adresse der Frauen an die Männer gewünscht, ganz platt: Gemeinsam sind wir stark. Das wäre sicher das stärkere Ergebnis gewesen. Wissen Sie, was eine Forderung nach famili­en­freund­li­cheren Struk­turen an den Theatern ist? In diesem Zusam­menhang verkrus­tetes Emanzen­denken der 1980-er Jahre. Das ist doch längst keine Forderung von Frauen mehr. Das betrifft Männer und Frauen gleicher­maßen. Und glück­li­cher­weise gibt es längst Häuser, an denen daran gearbeitet wird, vollkommen unabhängig davon, ob es sich um Verbes­se­rungen für Mütter oder Väter oder beide handelt.

Ich gönne den Frauen ihr Freun­din­nen­treffen. Freue mich, dass sie alle viel Spaß hatten. Und macht gerne so was noch mal. Aber mögli­cher­weise ist ja schon der Punkt überschritten, an dem viele Gleich­be­handlung mit Bevor­zugung verwechseln. Disku­tiert das doch gern mal unter Euch beim nächsten Treffen. Bis dahin sei mir noch eine Bitte gestattet: Lasst das Deutsche weg. Die Neigung ins andere Extrem hat noch nie genutzt. Und wenn wir jetzt ernsthaft anfangen, Stücke und Werke im emanzi­pa­to­ri­schen Proporz aufzu­führen, gehen wir jämmer­lichen Zeiten und einer kultu­rellen Verfla­chung entgegen, die niemandem nutzen kann. Wir Männer wollen weder Otelline noch Donna Carla auf den Bühnen sehen, nur, weil damit eine Quote bei den Titel­helden, pardon, Titel­hel­dinnen erfüllt wird. Bei allem anderen können wir gemeinsam sicher viel schaffen.

Michael S. Zerban

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