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Pedro Obiera - Foto © O-Ton

Bis an die Schmerzgrenze

Der Streit um die BDS-Zugehö­rigkeit einer zur Ruhrtri­ennale einge­la­denen Hip-Hop-Band lässt Souve­rä­nität auf allen Seiten vermissen. Gleichwohl sollte er Anlass sein, die politische Bedeutung eines solchen Festivals in Erinnerung zu rufen.

Stefanie Carp ist die amtie­rende Inten­dantin der Ruhrtri­ennale. – Foto © Daniel Sadrowski

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Kultus­mi­nis­terin in Nordrhein-Westfalen, ist die einzige, der man einen angemes­senen und profes­sio­nellen Umgang mit der umstrit­tenen Einladung der Band Young Fathers zur Ruhrtri­ennale beschei­nigen kann. Die Kunst­freiheit müsse bis zur „Schmerz­grenze“ belastbar sein, heißt ihr Credo. Wo die Grenze zum Missbrauch zu ziehen ist, darüber darf und muss gestritten werden. Dass der Minis­terin die Zugehö­rigkeit der schot­ti­schen Hip-Hop-Band zur Israel-kriti­schen BDS-Kampagne nicht schmeckt, ist ihr gutes Recht. Aber sie stellte sich der Diskussion und boykot­tiert nicht schmollend das gesamte sechs­wö­chige Festival wie Minis­ter­prä­sident Armin Laschet. Eine armselige Reaktion eines Landes­vaters, der das Fest immerhin mit zwölf­einhalb Millionen Euro aus Landes­mitteln subventioniert.

Keine Frage: BDS ist umstritten, jene diffus organi­sierte Bewegung, die unter dem Motto „Boycott, Divestment and Sanctions“ den Staat Israel aus Protest gegen die Unter­drü­ckung der Paläs­ti­nenser politisch, wirtschaftlich und kulturell isolieren will. Mehr ein bunter Haufen als eine straffe Organi­sation, in der von einzelnen Mitgliedern oder Sympa­thi­santen auch antise­mi­tische Töne zu hören sind und auch nicht jeder das Existenz­recht Israels befür­wortet. Eine pauschale Gleich­setzung von Israel-kriti­scher Haltung und Antise­mi­tismus hat die Bewegung aller­dings nicht verdient und die Band ebenso wenig wie die Inten­dantin Stefanie Carp.

Die hätte gut daran getan, die Einladung der Musiker aufrecht­zu­halten und die brisanten Fragen öffentlich zu disku­tieren. Dass sie gleich bei den ersten kriti­schen Anzeichen die Musiker aus- und kurze Zeit später wieder einge­laden hat, ist ein Zeichen ungeschickten Taktierens, aber kein Anzeichen antise­mi­ti­scher Tendenzen, die man der Inten­dantin völlig haltlos vorge­worfen hat. Eine Erklärung zum Existenz­recht Israels, die Laschet von der Inten­dantin erwartet hat, ist völlig überflüssig, die Forderung Laschets geradezu anmaßend.

Die Band hat dann freiwillig auf die Teilnahme im Ruhrgebiet verzichtet. Das Konzert hätte ohnehin nur einen winzigen Baustein im üppigen Angebot des Festivals ausge­macht. Die neue Qualität des Programms, die an sich forsche Handschrift der Inten­dantin verlor man angesichts der Debatte aus den Augen, woran Carp freilich nicht unschuldig ist. Im Gegensatz zu den ästhe­tisch oft abgeho­benen Programmen ihrer Vorgänger Heiner Goebbels und Johan Simons möchte sie das Festival mit einem Schub politi­scher Brisanz beleben. Das scheint ihr mit dem Schwer­punkt „Afrika“ auch zu gelingen, wie bereits die glänzende Eröff­nungs­pre­miere von William Kentridges Musik­theater The Head & the Load zeigte, die nicht nur den Finger auf die Wunden kolonialer Verbrechen der Vergan­genheit legte, sondern auch den Blick auf den immer noch arroganten, ausbeu­te­ri­schen Umgang des Westens mit dem afrika­ni­schen Kontinent richtete. Eine Arroganz, die den Westen noch teuer zu stehen kommen wird, wenn sich die Flücht­lings­ströme zu Flücht­lings­fluten ausweiten werden.

Das sind Akzente, die man auf der Ruhrtri­ennale lange nicht hörte. Und es sind Akzente dieser Art, die die Subven­tio­nierung mit öffent­lichen Gelder legiti­mieren. Zudem sprechen wir von Impulsen mit Wider­haken, die zur Diskussion, ja zum Streit motivieren sollen und müssen. Wegducken, wie es der Landes­vater demons­trierte, ist die falsche Reaktion, ebenso das frühe Einknicken der Inten­dantin im Falle der Young Fathers.

Stefanie Carp hat es verdient, angesichts des hochin­ter­es­santen Konzepts ihre dreijährige Amtszeit überstehen zu können. Dass sie mit Gegenwind zu kämpfen hat, beweist letztlich nur die Wirksamkeit ihrer Programm­po­litik. Aus ihrem frühen Fehler dürfte sie gelernt haben. Und vielleicht traut sich demnächst auch der Landes­vater wieder ins Revier, wenn auch mit dem Risiko, sich ärgern zu müssen. Doch auch das ist legitim und spricht nicht gegen das Festival.

Pedro Obiera

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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