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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Was alles möglich ist

Die Bilder, die aus Erl herüber­schimmern, wirken reichlich bizarr. Während Gustav Kuhn und sein Anwalt versuchen, die möglichen Opfer zu schmähen, will man in Tirol Ruhe in die Affäre bringen und benennt vorsorglich schon mal den Nachfolger des Künst­le­ri­schen Leiters. In welchen Funktionen Bernd Loebe, bislang und dann parallel Intendant der Frank­furter Oper, tatsächlich tätig wird, bleibt wieder offen. Da wird in Erl bekanntlich sehr genau unterschieden. 

Bernd Loebe wird Nachfolger von Gustav Kuhn – Foto © Oper Frankfurt

Eine Oper kann noch so absurd sein, sie wird niemals die Wirklichkeit übertreffen. Gerade hat sich Gustav Kuhn, Künst­le­ri­scher Leiter, Geschäfts­führer und Dirigent der Tiroler Festspiele Erl, der gerade von allen Ämtern beurlaubt, suspen­diert oder sonstwie befreit ist, in einem Interview der Nachrich­ten­sendung ZIB 2 des öster­rei­chi­schen Fernsehens selbst schuldig gesprochen. Dem Moderator Armin Wolf, der den Charme eines Finanz­be­amten ausstrahlt und damit unbestechlich wirkt, kommt Kuhn mit Schwa­fe­leien nicht aus. Nein, man müsse sich nicht darüber unter­halten, wo die Grenzen sexueller Beläs­tigung seien, unter­bricht er die Ausflüchte des Musikers, der von mindestens fünf Frauen beschuldigt wird, sexuell und sprachlich übergriffig gewesen zu sein. Und er lässt auch nicht zu, dass Kuhn die möglichen Opfer weiter verhöhnt. Während der „Maestro“, wie Kuhn sich gern nennen lässt, sich ständig weiter entlarvt, lässt man in Erl nichts unver­sucht, Ruhe in die Affäre zu bringen.

Jetzt hat Hans Peter Hasel­steiner, Bauun­ter­nehmer, ehema­liger Politiker und Präsident der Tiroler Festspiele Erl die reguläre Nachfolge Kuhns zum September kommenden Jahres bekannt­ge­geben. Ungeachtet der Bewer­bungen von fünfzehn Männern und sieben Frauen ist die Entscheidung zugunsten von Bernd Loebe ausge­fallen. Der hat sich nicht beworben, sondern wurde gefragt, ob er die Position übernehmen wolle. Loebe ist Intendant der Frank­furter Oper und wird diese Aufgabe zusätzlich übernehmen. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. „Ich traue mir zu, beides zu schaffen“, sagt der Opern­ma­nager.  Das wirft Fragen auf. Ein Genie, das gleich zwei Häuser leiten kann, gibt es ja immerhin eher selten. War Loebe also in seiner bishe­rigen Funktion nicht ausge­lastet – dann sollte die Stadt Frankfurt doch noch einmal ernsthaft über seine Stellen­platz­be­schreibung nachdenken – oder sind die Festspiele in Erl tatsächlich so unbedeutend, dass man sie „mal so nebenbei“ leiten kann? Das Bild, das in der Öffent­lichkeit entsteht, ist fatal. Inten­danten bekommen ein „fürst­liches“ Gehalt, weil sie so wahnsinnig beschäftigt sind, am Ruhm ihres Hauses zu arbeiten? Seit heute gilt diese Vorstellung sicher nicht mehr. Offenbar sind sie hoffnungslos überbe­zahlt, wenn sie Zeit genug haben, nebenbei ein weiteres Haus zu leiten.

Von General­mu­sik­di­rek­toren kennt man das. Wie beispiels­weise Axel Kober, der als GMD sein Haus so gut im Griff hat, dass er mal eben für zwei Monate an die Wiener Staatsoper entsendet werden kann, was sein Management als „Ritter­schlag“ bezeichnet und die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg auf ihren Musik-Chef verzichten lässt. Jetzt sind also auch Inten­danten für ein Haus entbehrlich, damit sie sich einem zweiten widmen können. Für Arbeit­nehmer, die sich Jahr für Jahr mit ihren Kollegen um die Urlaubs­zeiten zanken müssen, weil sie so unent­behrlich sind, dabei aller­dings ein Zehntel eines Inten­danten-Gehaltes verdienen, dürfte das kaum noch nachvoll­ziehbar sein.

Aber Loebe hat bereits ein Patent­rezept parat, wie die Deutsche Presse-Agentur verlauten lässt. Er werde den Blick nach vorn richten. Hochbe­gabte, jüngere Dirigenten und Nachwuchs­sänger wolle er für die Festspiele verpflichten. Und Brigitte Fassbaender soll dann von 2021 einen neuen Ring des Nibelungen insze­nieren. Das klingt kaum nach einem schlüs­sigen Konzept, sondern nach unaus­ge­go­renen Ideen eines alten, weißen Mannes. Oder um es anders zu sagen: Eines Mannes, der versucht, sein Vermögen auf unred­liche Weise zu vermehren. Und damit sich das auch lohnt, hat Loebe gleich einen Fünfjah­res­vertrag unterschrieben.

Bis diese unglück­selige Konstel­lation in Kraft tritt, bleibt der Adlatus von Gustav Kuhn, Andreas Leisner, interi­mis­tisch im Amt des Erler Inten­danten. Der hat sich als Erfül­lungs­ge­hilfe seines Chefs in der Vergan­genheit bewährt und ist von daher eine ausge­zeichnete Wahl. Denn bei aller Posten­scha­cherei muss es ja auch noch Menschen geben, die die Arbeit erledigen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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