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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Dringender Nachholbedarf

Der Veran­stal­tungs­be­trieb in Deutschland ist einge­stellt. Auf nicht absehbare Zeit. Das trifft die meisten Kultur­schaf­fenden vollkommen überra­schend – und unvor­be­reitet. Wenn die Schock­starre gewichen ist, stehen die Verant­wort­lichen vor einem Berg neuer Aufgaben. Denn das Leben in Deutschland wird sich mindestens in den kommenden Wochen vor den Monitoren der Computer in den Wohnzimmern abspielen.

Wie am Stadt­theater Gießen finden bundesweit keine Auffüh­rungen mehr statt, aber im Netz klafft eine riesige Lücke. – Foto © O‑Ton

Freitag, 13. März. Man möchte abergläu­bisch werden. Innerhalb von Stunden gehen Dutzende von E‑Mails in der Redaktion ein. Alle haben einen ähnlichen Inhalt. Unsere Vorstel­lungen müssen bis zum … ausfallen, steht da. Vom großen Opernhaus bis zum kleinen Theater sind sie alle dabei. Am Abend des Tages scheint festzu­stehen, dass der Kultur­be­trieb in Deutschland ein vorläu­figes Ende gefunden hat. Ein Eindruck, der in den kommenden Tagen zur Gewissheit wird.

Vorläufig ist es nicht der insti­tu­tio­nelle Still­stand, der betroffen macht. Viel schlimmer ist, wie freischaf­fende Künstler ihr „Berufs­verbot“ erleben. Ein Konzert nach dem anderen, ja, jedes Engagement wird abgesagt. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, ein Auftrag weniger. Ein Alptraum, der nicht aufhören will. Schock­starre breitet sich aus. Was wird in den nächsten Monaten? Wie überleben? Es gibt keine Alter­na­tiv­an­gebote wie sonst die, die in letzter Sekunde auftauchen und das Weiter­leben retten. Das ruft unange­nehme Assozia­tionen an frühere Zeiten in Deutschland wach.

Nur allmählich zeichnet sich Hoffnung ab. Petitionen, Spenden­aufrufe, aber auch Solida­ri­täts­si­gnale der Politik können das Überleben retten. Einmal mehr zeigt sich in diesen Zeiten, wie wichtig ein bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen wäre. Aber es bleibt weiterhin Forderung. Gelas­sener zeigen sich natur­gemäß die Kultur­in­sti­tu­tionen, die auch ohne irgend­welche Aktivi­täten ihr Geld von Stadt, Land und Bund überwiesen bekommen. Da wird so manches Mal auch gleich der Proben­be­trieb einge­stellt. Schließlich kann man so auch die Mitar­beiter vor eventu­ellen Anste­ckungen schützen.

Aber alle Gelas­senheit hilft nicht. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass Auffüh­rungs­verbote nicht auf ein paar Wochen beschränkt bleiben werden. Optimis­tische Schät­zungen erfreuen sich an einer Halbjah­res­frist. In dieser Zeit werden die Menschen vor den Monitoren ihrer Computer ein Unter­hal­tungs­pro­gramm eigenen Gustos auswählen. Und sie werden genug Zeit haben, sich daran zu gewöhnen. Das stellt die Kultur­schaf­fenden vor ein riesiges Problem. Jahrelang haben sie das Internet ignoriert, dann haben sie es immerhin als Marketing-Instrument begriffen. Bis heute gibt es PR-Abtei­lungen, die mehr Wert auf Publi­ka­tionen in regio­nalen Druckerzeug­nissen als auf die Ausein­an­der­setzung mit Inter­net­medien legen. Und dann gibt es ein paar – große – Häuser, die sich darin versuchten, über ein digitales Konzerthaus in der Zweit­ver­wertung ein paar Euro zusätzlich zu verdienen. Mit mäßigem Erfolg. Und irrelevant.

Natürlich können diese Häuser jetzt auftrumpfen und auf ihre Archive und Konserven hinweisen. Ähnlich wie ein Opern­portal, das von der Europäi­schen Union finan­ziert wird und jetzt sein Angebot präsen­tieren kann, das bislang kaum Beachtung erfuhr. Aber kratzen wir diese dünne Kruste auf, finden wir darunter: nichts. Stadt- und Staats­theater haben sich bislang genau so wie die so genannte Freie Szene einen Teufel darum geschert, wie man theatrale Inhalte über Werbe­zwecke hinaus so im Internet präsen­tieren kann, dass sie im Universum des Internets Relevanz erfahren. Wissen über das Internet: null.

Dabei haben die Häuser, aber auch einzelne Künstler eine große Ressource. Das sind die Menschen, die ihnen bislang die Treue gehalten haben. Das Theater Krefeld Mönchen­gladbach hat am vergan­genen Wochenende mit einem Live-Stream einer Premiere, die bereits ohne Zuschauer stattfand, gezeigt, dass eine überwäl­ti­gende Zahl von Zuschauern bereit war, ihm ins Internet zu folgen. Diese Menschen gilt es, in den kommenden Wochen zu fesseln. Sie zu dem einen entschei­denden Mausklick zu verführen, der sie an das Theater oder den einzelnen Künstler bindet. Ein Pianist zeigt bereits allabendlich Hauskon­zerte auf den so genannten Sozialen Medien und erfährt als Vorreiter großen Zuspruch.

Wozu die Kultur­schaf­fenden im Vorfeld nicht bereit waren, müssen sie jetzt in Rekord­ge­schwin­digkeit nachholen: Digitale Formate entwi­ckeln, die so inter­essant sind, dass sie sich gegenüber Unter­hal­tungs­for­maten der TV-Sender oder YouTube-Angebote durch­setzen können. Das ist ein Start von null auf hundert. Und da ist von Geldver­dienen noch gar nicht die Rede. Wer sich dieser Heraus­for­derung nicht stellt, könnte in der Zeit nach der so genannten Corona-Krise böse Überra­schungen erleben, was Besucher­zahlen und Abonne­ments angeht.

Es ist eine traurige Zeit, weil wir von liebge­won­nenen Gewohn­heiten sehr plötzlich Abschied nehmen müssen. Aber es könnte auch sein, dass wir in eine neue Ära eintreten, in der sich Kultur­schaf­fende endlich ernsthaft mit dem Internet ausein­an­der­setzen und digitale Formate erfinden, die dazu führen, dass Besucher wieder zurück in die Theater finden.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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