O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Das ist der Gipfel

Der so genannte Corona-Gipfel, bestehend aus der Bundes­kanz­lerin und den Minis­ter­prä­si­denten der Länder, hat am 28. Oktober beschlossen, die Theater in der Bundes­re­publik ab dem 2. November für den Rest des Monats wieder zu schließen. Der Niedergang der deutschen Theater wird also noch einmal beschleunigt. Und das, obwohl die Häuser eindeutig als Nicht-Verbreiter des Corona-Virus ausge­macht sind. Hier scheint Staats­räson vor Verhält­nis­mä­ßigkeit zu gehen.

Armin Laschet muss die Beschlüsse für NRW durch­setzen. – Foto © Laurence Chaperon

Geplant war es schon vorher, wie der Entwurf einer Beschluss­vorlage vom 27. Oktober zeigt, jetzt ist es also beschlossene Sache: Ab dem 2. November müssen die Theater wieder schließen. Vorläufig befristet bis Ende November. Das hat der so genannte Corona-Gipfel, eine Video-Konferenz von Bundes­kanz­lerin und Minis­ter­prä­si­denten der Länder, am 28. Oktober festgelegt. Dass die Politik dabei „Theater, Opern, Konzert­häuser und ähnliche Einrich­tungen“ den „Insti­tu­tionen und Einrich­tungen, die der Freizeit­ge­staltung zuzuordnen sind“ subsu­miert, zeigt schon viel ihres Verständ­nisses von der Kultur in Deutschland.

Genannte Häuser werden sich sehr genau überlegen müssen, ob sie diese radikale Maßnahme einfach wieder so hinnehmen wie im März. Denn inzwi­schen hat sich die Erkennt­nislage deutlich gewandelt. Ende Mai mussten die Kultur­schaf­fenden – mit einigem Entsetzen – feststellen, dass die Bevöl­kerung nicht sehnsüchtig darauf gewartet hatte, endlich wieder in die Theater strömen zu können. Vielmehr wirkte die Panik­mache in den voran­ge­gan­genen Monaten nach, und es war erheb­liche Vertrau­ens­arbeit zu leisten, um wenigstens einen Teil des Publikums zurück­zu­ge­winnen. Dazu gehörten auch umfang­reiche Sicher­heits­kon­zepte, mit denen sicher­ge­stellt werden konnte, dass die Häuser zu den bestbe­hü­teten Orten der Republik gehören. In den vergan­genen Wochen konnten die Kultur­in­sti­tu­tionen nachweisen, dass von ihnen nicht eine einzige Infek­ti­ons­kette ausging.

Damit verliert aber die Behauptung, die Bevöl­kerung vor Infek­tionen schützen zu wollen, indem man ihr verbietet, ins Theater zu gehen, an Glaub­wür­digkeit. Was vorher als Annahme ausreichte, gilt jetzt nicht mehr. Denn jetzt gibt es die belegte Sicherheit, dass niemand durch das Verbot von Kultur geschützt wird. Werden also die Minis­ter­prä­si­denten der Bundes­länder in den kommenden Tagen diesen Beschluss in so genannten Corona-Schutz­ver­ord­nungen um- und durch­setzen, müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht nur ohne Augenmaß zu handeln, sondern auch Staats­räson über Verhält­nis­mä­ßigkeit zu setzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Beschlüsse außerhalb jeder parla­men­ta­ri­schen Teilhabe fallen. Ein Kritik­punkt, der erst in den letzten Tagen überhaupt ausge­sprochen werden durfte.

Das panische Vorgehen einer Video-Konferenz, die gar nicht demokra­tisch legiti­miert ist, sondern erst durch die Minis­ter­prä­si­denten in den Ländern verwirk­licht werden muss, ist aus Sicht der Macht­ha­benden durchaus verständlich. Denn jetzt besteht die Gefahr, dass sich rächt, was jahrelang Politik in Deutschland war: Die sträf­liche Vernach­läs­sigung des Gesund­heits­wesens. Nicht die Zahl der Infek­tionen, nicht die ausrei­chende Anzahl an Kranken­haus­betten bereitet Grund zur Sorge. Sondern es gibt gar kein Personal, das die Versorgung zahlreicher Neuerkrankter gewähr­leisten könnte. Jetzt muss also die Bevöl­kerung die Fehler der Politik ausbaden. Das ist nicht zu ändern. Aber es ist nicht nachvoll­ziehbar, warum sie darüber hinaus auch noch mit dem Entzug von Kultur bestraft werden muss.

Und so sinkt nicht nur die Akzeptanz im Volk, sondern auch bei den Akteuren der Kultur­szene. Wie etwa bei Markus Dietze, Intendant des Koblenzer Theaters. „Egal, dann spielen wir halt für uns“, wird er zitiert. Das ist schön und gut, und es ist davon auszu­gehen, dass das Publikum seinen Anteil daran im Internet finden wird. Aber das kann nicht die Lösung sein, denn die Entwöhnung des Publikums von der Live-Kultur schreitet weiter voran. Schon jetzt sehen bis dato treue Konzert­be­sucher, die Risiko-Gruppen angehören, keine Notwen­digkeit mehr, in die Konzert­hallen und Theater zu gehen. Ein Prozess, der eine nachhaltige Schädigung der Kultur­wirt­schaft nach sich ziehen wird – mit unabseh­baren Folgen. Schon jetzt hat die erste Stadt massive Budget-Kürzungen um 20 bis 30 Prozent angekündigt.

Da könnte eine Abwärts­spirale ihren Anfang nehmen, deren Ende nicht abzusehen ist. Vertreter der Industrie haben bereits im Vorfeld mit massiven Klage­wellen gedroht, sollte ihre Klientel weiter einge­schränkt werden. Von Seiten der Kultur hat es immerhin zuvor einen Brief an die Minis­ter­runde gegeben, in dem man darum bittet, die Häuser doch nicht wieder zu schließen. Das wird nicht reichen. Schon im eigenen Interesse werden die Inter­es­sen­ver­bände der Kultur jetzt ebenfalls den Klageweg beschreiten müssen, um die Unver­hält­nis­mä­ßigkeit der Maßnahmen gerichtlich bestä­tigen zu lassen. Da dürften die Erfolgs­aus­sichten gut stehen. Letzte Hoffnung gibt es immerhin für zwei Bundes­länder. Die Minis­ter­prä­si­denten von Thüringen und Schleswig-Holstein haben schon vor der Konferenz geäußert, dass sie diesen Weg nicht mitgehen werden. In allen anderen Ländern wird sich die Kultur voraus­sichtlich freiklagen müssen. Aber das ist dringend notwendig, will sie nicht mit hängenden Fahnen untergehen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

Teilen Sie sich mit: