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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Es wird still

Nun wird es also tatsächlich still um die Kultur. Seit dem 25. November steht fest, dass in diesem Jahr keine Auffüh­rungen mehr statt­finden werden. Und wieder sind die Kultur­schaf­fenden darauf kaum vorbe­reitet. Das ist angesichts bevor­ste­hender Budget-Kürzungen im kommenden Jahr kaum nachvoll­ziehbar. Ein völlig überra­schender Impuls kommt ausge­rechnet von einer Lotto-Gesellschaft.

Andreas Kötter, Sprecher der Geschäfts­führung bei WestLotto – Foto © WestLotto

Carsten Brosda, neuer Präsident des Deutschen Bühnen­vereins, wies im Fernseh-Interview darauf hin, dass die „Kulturorte“ so schnell wie möglich wieder geöffnet werden müssten. Aber da war es schon zu spät. Auch die letzten Optimisten mussten am frühen Abend des 25. November erfahren, dass es in diesem Jahr keine Auffüh­rungen mehr geben werde. Damit müssen also wieder Karten­rück­gaben organi­siert werden – wie schön, die Theater sind beschäftigt. So, wie sie sich im Shutdown ausge­sprochen geschäftig zeigten. Quer durch die Bundes­re­publik wurde geprobt, was das Zeug hielt, Presse­mit­tei­lungen wurden massenhaft versendet, um darauf hinzu­weisen, dass Premieren für den 1., 2., 3. und 5. Dezember angesetzt seien. Natürlich war das keine Sisyphos-Arbeit, sondern ein klares Zeichen dafür, dass die Theater einsatz­bereit sind und also alle Budgets gerecht­fertigt sind. Als Signal für das kommende Jahr, in dem die nächsten Budget-Verhand­lungen anstehen, wird das nicht reichen. Im nächsten Jahr sind die Kassen der Kommunen leer, und es ist ja kein Geheimnis, an welcher Stelle da zuerst gespart wird. Dieser kommu­nal­po­li­tische Reflex wird verstärkt auftreten, zumal die Regierung ja heuer gezeigt hat, wie „überflüssig“ die Kultur ist.

Aber auch die Kultur­schaf­fenden haben sich im zweiten Shutdown nicht mit Ruhm bekle­ckert. Verständlich vielleicht, wenn man unter­stellt, dass ja der Shutdown nur einen Monat dauern sollte, obwohl schon im Vorfeld eigentlich absehbar war, dass es dabei nicht bliebe. Insbe­sondere die Solo-Künstler werden für ihre Zurück­haltung im Internet abgestraft werden.  Sie haben ja ihre „Drohung“ wahrge­macht und sich mit Videos im Internet zurück­ge­halten. Gab es im ersten Shutdown noch zahlreiche Versuche, sich mit Videos bemerkbar zu machen und in Erinnerung zu bleiben, was einigen von ihnen immerhin ein paar Engage­ments im Sommer einbrachte, wird die Situation jetzt schwierig. Denn Gastspiel-Engage­ments wird es nicht geben. Und zwar vor dem nächsten Frühjahr nicht. Mindestens. Damit haben sich viele selbst aus dem Rennen geschossen. Ja, sie behalten Recht. Ohne Kunst wird’s still haben sie auf ihre Fahnen geschrieben. Aber nicht in der Unter­hal­tungs­branche, und das war absehbar, sondern um die Solo-Künstler.

„Angesichts der akuten Notlage vieler Künstler in diesen Zeiten der Corona-Krise nehmen wir unsere gesell­schaft­liche Verant­wortung wahr. Wir möchten dazu beitragen, dass die lebendige Kunst- und Kultur­szene erhalten bleibt und dass die Menschen gerade in dieser Zeit die kultu­relle Vielfalt unseres Bundes­landes erleben können“, sagt Andreas Kötter, Sprecher der Geschäfts­führung von Westlotto. Ausge­rechnet aus der Glücks­spiel-Branche winkt also jetzt eine kleine Hilfe. Westlotto treibt die Solo-Künstler auf den richtigen Weg. Unter der Überschrift 500X500 für die NRW-Kultur lobt die Glücks­spiel-Gesell­schaft 500 Euro für Videos aus, die von Schau­spielern, Sängern und Musikern der verschie­densten Genres in Nordrhein-Westfalen einge­reicht werden. Damit soll, sagt die Lotto-Gesell­schaft, „die prekäre finan­zielle Situation, in die die freischaf­fende Kultur­branche durch die Corona-Pandemie geraten ist, etwas abgefedert werden“. Nun werden also auch die Künstler, die sich bislang weigerten, ein Video als Zukunfts­in­ves­tition zu begreifen, animiert, sich im Internet zu engagieren. Jetzt ist also – zumindest in NRW – nicht falscher Stolz, sondern Kreati­vität gefragt. Größere Ensembles werden sich durch diese Summe sicher nicht angesprochen fühlen, und das ist ja auch gewollt. Aus heutiger Sicht eine großartige Aktion, die vielleicht Initi­al­zündung für Solo-Künstler sein könnte. Eine Initi­al­zündung, sich auf künftige Zeiten einzu­richten, in denen sie nicht mehr selbst­ver­ständlich an große Bühnen einge­laden werden, weil die mit ihren Ensembles auskommen.

Corona könnte eine Chance sein. Wenn wir uns vom Gedanken verab­schieden, dass tausende älterer Herrschaften in einen Kultur­tempel strömen und eine Fassade hochhalten, die schon lange unehrlich im Sinne der Kunst­freiheit geworden ist, sondern uns an den Gedanken gewöhnen, Spitzen­kräfte in Kultur­zentren, Kirchen oder Kneipen, auf kleinen Bühnen eben, zu erleben. Der Gedanke ist nicht so drama­tisch, wie er für die Alten klingt. Sondern eine Chance, über neue Finan­zie­rungs­mo­delle und den Erhalt der Kultur nachzu­denken. Nein, nicht den Erhalt, sondern eine – endlich wieder – gesunde Weiter­ent­wicklung. Damit können die Entschei­dungen von Merkels Kaffee­kränzchen nicht richtiger oder legitimer werden, aber sie können eine Chance bieten, wenn Solo-Künstler für sich daraus die richtigen Lehren ziehen. Auf den Staat ist kein Verlass mehr. Das muss nicht nur die Kultur in diesen Tagen lernen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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