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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Beenden Sie die ideologische Unterwanderung

Die ideolo­gische Unter­wan­derung der Sprache ist unerträglich. Vor allem im Bereich der Kultur und damit auch der öffentlich-recht­lichen Medien. Man möchte es einfach nicht mehr hören. Und man muss es auch nicht. Denn die öffentlich-recht­lichen Medien haben andere Aufgaben, mit denen sie schon lange nicht mehr zurecht­kommen. Ein offener Brief an die Inten­danten der Sendeanstalten.

Nachrich­ten­spre­cherin Petra Gerster scheint sich über ihr Publikum zu belus­tigen – Foto © Rico Rossival

Sehr geehrte Inten­danten, Sie wissen schon noch, von wem Sie bezahlt werden, oder? Neben ein paar Feminis­tinnen, ein paar Queer-Menschen, was auch immer die sind, und anderen „Opfer­gruppen“ werden Sie im Wesent­lichen von Menschen bezahlt, die sich für das Geschlecht allen­falls im privaten Bereich inter­es­sieren. Aber überhaupt nicht von anderen mit geschlecht­lichen Fragen belästigt werden möchten. Hören Sie also auf, die Sprache zu verbiegen. Die öffentlich-recht­lichen Sende­an­stalten sind – wenn mich nicht alles irrt – den gesetz­lichen Oblie­gen­heiten verpflichtet. Sie sind gehalten, geltende Regeln in der Gesell­schaft zu beachten – und nicht, sie zu torpe­dieren. Ihre Aufgabe ist, die Hörer- oder Zuschau­er­schaft in gebotener Sprache über die gesell­schaft­liche Realität zu infor­mieren. Halten Sie sich dazu bitte an das gültige Regelwerk der deutschen Sprache.

Unter Ihnen, man muss sich das vorstellen, sind Histo­riker. Also Menschen, die wissen sollten, was eine ideolo­gische Sprach­ver­ge­wal­tigung bedeutet und wohin sie in der Vergan­genheit geführt hat. Der Hitler-Gruß entstand als besondere Form der Kommu­ni­kation, um die arische Rasse „sicht­barer“ zu machen. Sie gestatten in Ihren Sende­an­stalten die Einführung eines Stern­chens in der Schrift­sprache und die Verball­hornung des gespro­chenen Wortes, um irgend­etwas anderes „sicht­barer“ zu machen. Es ist schlimm genug, dass Sie zulassen, dass angeb­liche Journa­listen in ihrer Sprache versuchen, sich über geltende Regeln hinweg­zu­setzen. Und damit eine klare Kommu­ni­kation verhindern. Eine Expert-Innen­kom­mission macht nichts sichtbar, sondern ist Schleich­werbung für eine Kette von Radioverkäufern.

Wenn Theater und Opern­häuser glauben, sich über geltende Regeln einfach mal so hinweg­setzen zu können, ist das eine Sache. Schließlich werden sie nach ihrem eigenen Dafür­halten ja vom Staat bezahlt und haben sich so gefühlt nach seinen ideolo­gi­schen Vorgaben zu richten, auch wenn sie eigentlich genau deshalb staat­liche finan­zielle Ausstattung erhalten, damit sie sich unabhängig von staat­lichen Vorgaben verhalten können. Aber erklären Sie das mal einem Inten­danten, der jeden Monat 15.000 Euro von der Stadt überwiesen bekommt. Der versteht Sie vermutlich gar nicht. Auch das hatten wir ja alles schon mal.

Aber der öffentlich-recht­liche Rundfunk bekommt sein Geld nicht vom Staat. Sondern von seinen Hörern und Zuschauern. Und das hatte mal einen guten Grund. Den haben Sie, die Inten­danten, offenbar aus den Augen verloren. Sie werden nicht vom Staat bezahlt, weil sie nicht für den Staat, sondern für ihre Hörer und Zuschauer da sind. Eine Studie hat heraus­ge­funden, dass gerade mal 18 Prozent der Bevöl­kerung bereit sind, eine „Gender­sprache“ zu tolerieren. Wissen Sie, was das heißt? Ich erkläre es Ihnen gern. 82 Prozent ihrer Hörer und Zuschauer wollen von einer „Gender­sprache“ nichts wissen. Was noch einmal genau war Ihr Auftrag? Demokra­tische Verhält­nisse zu ignorieren, um der Staats­räson zu dienen?

Sie versagen gerade auf ganzer Linie. In angeb­lichen Dokumen­tar­filmen ist von „Wilderern und Wilde­rinnen“ die Rede. Da wird nicht nur der alte, weiße Mann wütend. Eine Nachrich­ten­mo­de­ra­torin fühlt sich bemüßigt, eine Partei­vor­sit­zende, die von ihren Wählern spricht, darauf hinzu­weisen, dass doch wohl auch die Wähle­rinnen gemeint seien. Sagen Sie mal, sind Ihre Modera­toren der deutschen Sprache nicht mehr mächtig? Es geht nicht um das Geschlecht der Wähler, sondern darum, was sie wollen! Die Desin­for­mation, die Sie neuer­dings in Ihren Nachrich­ten­sen­dungen betreiben, indem Sie von den eigent­lichen Inhalten ablenken und mit Geschlech­ter­fragen irritieren, hat mit Bildungs- und Infor­ma­ti­ons­auftrag nichts mehr zu tun. Wenn Minister innen entscheiden, weiß kein Mensch mehr, was sie außen veran­lassen. Das mag ja noch eine schöne Metapher für das politische Handeln dieser Tage sein, Infor­mation und Sprach­öko­nomie bleiben außen vor.

Wir erleben gerade die schwär­zeste Stunde des deutschen Journa­lismus seit 1945. Viele Jahre haben sich gerade die Journa­listen des öffentlich-recht­lichen Rundfunks um eine präzise, regel­ge­rechte und ökono­mische Sprache bemüht. Darauf durfte Journa­lismus einmal stolz sein. Wenn Sie jetzt als Inten­danten darauf verweisen, ihren Angestellten und freibe­ruf­lichen Mitar­beitern die freie Wahl der Sprache zu überlassen, sollten Sie ganz schnell über Ihren Rücktritt nachdenken. Sie tragen die Verant­wortung dafür, was in Ihren Sendern gesprochen wird. Wenn Sie dulden, dass entgegen des erklärten mehrheit­lichen Willens ihrer Hörer und Zuschauer ideolo­gische Sprach­ver­ge­wal­tigung betrieben wird, räumen Sie bitte unver­züglich Ihren Posten. Unter Propa­gan­da­mi­nister Goebbels mussten noch perso­nelle Neube­set­zungen angeordnet werden, damit neue Sprach­re­ge­lungen von heute auf morgen im Rundfunk durch­ge­setzt werden konnten. Das ist heute gar nicht mehr nötig. Ist Ihnen das nicht wenigstens ein bisschen peinlich?

Sprache, die sich von unten nach oben entwi­ckelt und dann auch ihren Platz im öffentlich-recht­lichen Sender findet, ist super. Sprache, die von oben nach unten diktiert wird, ist Ideologie und brand­ge­fährlich. Das wissen wir und Sie nicht erst seit 1945. Dass die pensi­ons­reife Nachrich­ten­spre­cherin Petra Gerster vom Zweiten Deutschen Fernsehen sich über ihre Zuschauer auch noch lustig macht, erreicht damit einen weiteren Gipfel, wenn sie in einem Interview darauf hinweist, dass ob ihres unbehol­fenen „Glottis­schlags“ die Beschwerden abnehmen und „die Zuschauer sich schon daran gewöhnen werden“. Frau Gerster, dringend zum Inten­danten! Da kann man dann mal in Ruhe über eine vorzeitige Ruhestands­re­gelung nachdenken, weil Gerster offenbar überhaupt nicht mehr in der Lage ist, über das zu reflek­tieren, was sie da so erzählt. Eine abneh­mende Beschwer­dezahl ist, Frau Gerster, kein Zeichen für Gewöhnung, sondern ein Zeichen dafür, dass wieder mehr Zuschauer abgeschaltet haben und zu Privat­sendern wechseln. Arroganz ist zwar ein Marken­zeichen des ZDF, hat sich aber noch nie ausgezahlt.

Sehr geehrte Inten­danten, Sie kommen Ihrem Auftrag, der Ihnen von mindestens 80 Prozent der Hörer und Zuschauer erteilt wird, nicht mehr nach. Wenn in der freien Wirtschaft 80 Prozent der Kunden Ihr Produkt ablehnen, ist das ein Grund für eine fristlose Entlassung, wohl auch deshalb, weil Ihr Unter­nehmen damit nicht mehr lebens­fähig ist. Und nun erklären Sie uns bitte, warum das bei den öffentlich-recht­lichen Sendern anders sein soll. Nein, erklären Sie uns das nicht, sondern sorgen Sie umgehend dafür, dass die ideolo­gische Einfluss­nahme sofort beendet wird. Kehren Sie umgehend zu einer Sprache zurück, die die Mehrheit Ihres Publikums erreicht. Dann könnte es sogar sein, dass Sie die nächste „Gebüh­ren­er­höhung“ durch­ge­setzt bekommen. Bislang haben Sie Ihre Existenz­be­rech­tigung und Glaub­wür­digkeit verwirkt. Da könnten Sie vielleicht höchstens als Intendant*innen an deutschen Theatern was werden. Und in die geht ja auch keiner mehr.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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