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Michael S. Zerban - Foto © Klaus Handner

Gendern, aber richtig

Die deutsche Sprache ist großartig. Und sie entwi­ckelt sich – trotz aller Angli­zismen – prächtig. Passt sich den Bedürf­nissen der Menschen ganz allmählich an. Sie berück­sichtigt alle Eventua­li­täten und schneidet so scharf wie ein chirur­gi­sches Präzi­si­ons­in­strument, wenn man sie liebe- und rücksichtsvoll einsetzt. Und sie hat weitgehend unbeschadet auch frühere ideolo­gische Angriffe überstanden. Warum sollte sie es dieses Mal nicht schaffen?

Ihnen sollte neues Denken durch neue Sprache einge­bläut werden. So was wollen wir nicht noch mal. – Foto: Museen Köln

Sprache ist vielleicht nicht das älteste, mit Sicherheit aber eines der wichtigsten Kultur­güter der Menschheit. Und die deutsche Sprache ist, auch wenn viele sie als schwierig zu erlernen betrachten, eine der schönsten Artiku­la­ti­ons­mög­lich­keiten, die es auf der Welt gibt. Sie hat sich stets weiter­ent­wi­ckelt, an die Bedürf­nisse der Menschen in einem natür­lichen Tempo angepasst, das niemanden überfor­derte. So haben sich in der jüngeren Zeit mehr und mehr Angli­zismen in den allge­meinen Sprach­ge­brauch einge­schlichen. Aber solchen Entwick­lungen kann man gelassen entge­gen­sehen, denn allzu häufig sind sie vorüber­gehend. Während eine Zeit lang die Jugend­lichen partout chillen mussten, sind die Menschen heute überwiegend daran inter­es­siert, sich zu erholen. Dichter und Denker haben daraus ein chirur­gi­sches Präzi­si­ons­in­strument entwi­ckelt, Künstler tobten sich darin aus. All das hält Sprache aus, weil sie für alle Fälle Lösungen bereithält.

Gefährlich für die Sprache und dieje­nigen, die sie nutzen, wird es erst, wenn Ideologen sie für ihre Sache verein­nahmen wollen. Promi­nen­testes Beispiel war das Vokabular der Natio­nal­so­zia­listen, die versuchten, ihr abstruses Weltbild mit Eingriffen in die Sprache zu unter­mauern. Eigentlich hätte man nach 1945 gedacht, dass so etwas nie wieder passieren könnte, weil die Deutschen gelernt hätten, sich vor solchen Angriffen auf das sensibel ausba­lan­cierte Sprach­system zu schützen. Erst in diesen Tagen zeigt sich, dass wir damit zu leicht­fertig umgegangen sind. Da versuchen erneut Ideologen, unsere Sprache zu missbrauchen. Die Mehrheit der Bevöl­kerung steht dagegen, gerade so, wie es vermutlich 1932 der Fall war. Und nein, es geht entgegen der Behauptung der heutigen Ideologen nicht um etwas völlig anderes. Auch 1932 und in den Folge­jahren, in denen die Natio­nal­so­zia­listen versuchten, die Sprache für „ihre Sache“ zu verein­nahmen, ging es angeblich ausschließlich um höhere Ziele, um eine Verbes­serung der Welt. Übrigens waren es auch damals die Medien, die – in teilweise voraus­ei­lendem Gehorsam – für neue Sprach­re­ge­lungen sorgten.

Es sind dieselben Argumente, mit denen heute Ideologen versuchen, uns zu erklären, wie wichtig es sei, bestimmte Opfer­gruppen in der Sprache sichtbar zu machen. Und es ist genauso unsinnig wie in vergan­genen Zeiten. Dabei ist die Änderung der Sprache tatsächlich nicht nötig.

Ein einfacher Beispielsatz zeigt, wie wunderbar unsere Sprache funktio­niert: Die Musiker des Orchesters betreten die Bühne. Sofort ist jedem konzert­er­fah­renen Deutschen klar, was da passiert. Christen, Juden, Muslime, Deutsche, Ausländer, Schwule, Lesben, sogar Hetero­se­xuelle kommen in diesem Moment mit ihren Instru­menten in den Saal, um uns mit ihrer Musik zu beglücken. Übrigens sind dabei die meisten Frauen und Männer verhei­ratet, haben Kinder und müssen einfach für ihren Lebens­un­terhalt sorgen. Gemeint sind einfach alle Musiker. Schwie­riger wird es erst, wenn die Ideologen zuschlagen, die behaupten, Opfer­gruppen sichtbar machen zu wollen. Plötzlich heißt es: Die Musiker und Musike­rinnen betreten die Bühne. Plötzlich werden die, die eine Vagina haben, ausge­grenzt. Die müssen irgendwie etwas Beson­deres sein. Sie gehören nicht mehr zu den anderen. In der deutschen Übersetzung von Alexandre Tharauds Buch Zeigen Sie mir Ihre Hände heißt es: Pianis­tinnen und Pianisten betreten die Bühne. Sind also die mit der Vagina etwas anderes? Betreten sie auf andere Art und Weise die Bühne? Das muss wohl so sein. Denn die deutsche Sprache sagt nach geltenden Regeln eindeutig: Gehen die Pianisten zu ihrem Flügel, sind damit alle gemeint und sichtbar gemacht.

Unsere Sprache ist also eindeutig „gender­ge­recht“. Erst derjenige, der diese sorgfältig austa­rierte Balance ins Wanken bringt, setzt sich ins Unrecht. Er verstößt nicht nur gegen geltende Regeln, sondern zerstört auch ein Gleich­ge­wicht, auf das sich viele Millionen Menschen verlassen, um eine solida­rische Gesell­schaft aufzu­bauen. Und wenn öffentlich-recht­liche Medien die Regel­ver­letzung bevorzugt betreiben, muss man hinter­fragen, warum sie die Pussy in den Vorder­grund schieben. Da mag es hier und da um eigene sexuelle Inter­essen gehen; mit der Sprache hat es aller­dings nichts zu tun. Menschen, die versuchen, Sprache für ihre eigenen Zwecke zu verein­nahmen, anstatt sich im Diskurs ausein­an­der­zu­setzen, sind leicht daran zu erkennen, dass sie keine Ahnung von der deutschen Sprache haben und versuchen, die Gesell­schaft zu spalten.

Übrigens, das letzte Mal, als ein Haufen von ideolo­gisch fehlge­lei­teten Menschen versuchte, sich der deutschen Sprache zu bemäch­tigen, Raum für das deutsche Volk forderte und Millionen von Menschen in das Gas schickte, immer unter dem Deckmän­telchen der politi­schen Korrektheit, in der Arbeit frei machte, endete es damit, dass ein kleiner, provin­zi­eller Vegetarier und Antisemit sich feige das Leben nahm, um sich seiner Verant­wortung für das Leid von Millionen von Menschen zu entziehen. Sie sagen, dass es damals um ganz andere Dinge ging? Falsch. Auch damals haben Menschen versucht, den Deutschen eine andere Sprache, einen Ideolo­gen­sprech aufzu­zwingen – und viele haben gedacht, ist doch nicht so schlimm, als es begann. Rund 50 Jahre hat es gedauert, bis die Betrof­fenen wieder über das sprechen konnten, was damals passierte.

Auch jetzt behauptet eine Handvoll Menschen wieder, sie könnten die Welt retten, indem sie Frauen aus der Gemein­schaft ausgrenzen und Menschen abseits hetero­se­xu­eller Neigungen hinter Asterisken, Doppel­punkten und Majuskeln verstecken. Dumme Menschen, die dreist genug sind, geltende Regeln außer Kraft setzen zu wollen, um die eigene sprach­liche Unwis­senheit zu übertünchen. Oder um es mit den Worten des Ich-Erzählers in dem Roman Wie alles begann und wer dabei umkam von Simon Urban zu sagen: „Ich lernte in dieser Zeit, dass die starke Polari­sierung einer Gruppe vor allem den Idioten, Schwäch­lingen und missra­tenen Charak­teren nutzt, die immer schon auf eine Gelegenheit gewartet hatten, ihre dumpfe Geltungs­sucht auszu­leben und andere hemmungslos nieder­zu­machen“. Wir dürfen uns von dieser Unkenntnis nicht übertölpeln lassen, sondern müssen uns dagegen aktiv zur Wehr setzen. Um eine der kulturell wertvollsten Errun­gen­schaften – eine Sprache, die Menschen vereint – nicht aufs Spiel zu setzen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung  des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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