O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Michael S. Zerban - Foto © Michaela Büttgen

Vor dem Flächenbrand

2024 war für die Kultur ein schlechtes Jahr. Das ist die gute Nachricht. Weniger gut klingt, was Berlin den Kultur­ar­beitern in diesen Tagen verkündet. Die Zuwen­dungen sollen um 130 Millionen Euro gekürzt werden – zum Auftakt. Was für die Berliner Kultur nach Katastrophe klingt, ist weitaus schlimmer. Setzt der Senat seine Vorstel­lungen um, wird das Signal­funktion für die Bundes­re­publik haben. Unangenehm daran ist, dass die Kultur­in­sti­tu­tionen in den vergan­genen Jahren viel daran gearbeitet haben, den Rückhalt des Publikums zu verlieren.

Auch die Volks­bühne sieht sich in ihrer Existenz bedroht. – Foto © O‑Ton

Die jetzt vorge­legten Kürzungs­pläne, die rund 130 Millionen Euro umfassen und obendrein die Strei­chung der Tarif­vor­sorge für 2025 werden die Kultur­land­schaft Berlins nachhaltig schädigen. Schlie­ßungen auch von so genannten großen Einrich­tungen sind nicht ausge­schlossen“, sagt Thomas Fehrle, Geschäfts­füh­render Direktor der Deutschen Oper Berlin und Vorstand des Deutschen Bühnen­vereins, Landes­verband Berlin.

Was ist passiert? In seinem Nachtrags­haushalt für das Jahr 2025 hat der Berliner Senat beschlossen, im kommenden Jahr rund drei Milli­arden Euro einzu­sparen. Das bedeutet für den Kulturetat eine Kürzung von etwa zwölf Prozent, was zirka 130 Millionen Euro entspricht. Wohlge­merkt für das kommende Jahr. Für 2026 ist noch einmal eine Kürzung in gleicher Höhe geplant. Der in den vergan­genen Tagen wegen seiner Taten­lo­sigkeit vielge­scholtene Kultur­se­nator Joe Chialo (CDU) hatte wenig mehr zu tun, als die Kürzungen zur Kenntnis zu nehmen und sie der Öffent­lichkeit mitzu­teilen. Der Aufschrei der Berliner Kultur­ar­beiter ist so verständlich wie erwartbar – ebenso wie die Horror­sze­narien, die die Mitar­beiter von den großen Insti­tu­tionen bis zur so genannten Freien Szene an die Wand malen. Von Perso­nal­kür­zungen bis zu Schlie­ßungen auch größerer Insti­tu­tionen war zu lesen – siehe oben. Auch die aberwitzige Androhung exorbitant hoher Eintritts­gelder steht im Raum, als sei niemandem bewusst, dass damit der Leerstand der Häuser geradezu zwangs­läufig erfolgt.

Die Verzweiflung nimmt gerade erst ihren Anfang. Dabei dürfen die Kultur­ar­beiter auf wenig Rückhalt in der Bevöl­kerung hoffen. Berlin hat rund 3,8 Millionen Einwohner. Gerade mal 105.000 von ihnen reichten eine Petition gegen die Kürzungs­ab­sichten ein. Der Staat hat leichtes Spiel, denn das Publikum wendet sich zunehmend von einer Kultur ab, die ihr eine „woke“ Ideologie unter­jubeln möchte. In den Kommen­tar­spalten sozialer Medien und Zeitungen kann man nachlesen, was viele Bürger darüber denken. Das Unver­ständnis, warum eine solche Ideologie finan­ziert werden sollte, wächst. „Vielleicht das Angebot auf den Querschnitt der Gesell­schaft anpassen. Unter­haltung statt Belehren und Ideologie“, ist noch einer der freund­li­cheren Kommentare. Das war denen, die sich selbst als „Kultur­schaf­fende“ bezeichnen – jeder kann nachlesen, aus welcher Zeit diese Wortschöpfung stammt – bislang herzlich egal, und ist es noch. Das kann nicht nur ihnen schwer auf die Füße fallen.

Denn das eigentlich Schlimme an den Kürzungs­be­schlüssen in der Haupt­stadt ist die Signal­wirkung, die auf das Land ausstrahlen wird. Welcher Stadt­käm­merer sollte noch davor zurück­schrecken, der Kultur seiner Klein­stadt oder auch Landes­haupt­stadt mal eben den Etat um ein Viertel zu kürzen, wenn es doch in der Haupt­stadt geht? Der Berliner Senat ist gerade dabei, einen Flächen­brand zu entzünden. Ob er sich dessen bewusst oder es ihm gerade egal ist. Es mag in Berlin ein Überan­gebot geben, wer will das beurteilen? Wenn aber in der Fläche die Kürzungen einsetzen, geht es der Kultur an den Kragen.

Dabei können sich die Kultur­in­sti­tu­tionen zwar über langfristige Verträge freuen, die sie vor Kürzungen noch schützen, aber auch das währt nicht ewiglich. Und bis dahin werden „die Kleinen“ ausge­blutet. Wer es nicht glaubt, mag sich mit den Entwick­lungen beispiels­weise in Nordrhein-Westfalen ausein­an­der­setzen, wo Förder­an­träge für „die Kleinen“ immer häufiger fernab der Öffent­lichkeit abschlägig beschieden werden.

Nein, nicht der Untergang der Kultur wird hier beschrieben, auch wenn die Berliner Kultur­ar­beiter sich gerade so fühlen mögen, aber wir werden in naher Zukunft vermutlich Umwäl­zungen erleben. Die Kultur ist Ausdruck bürger­licher Freiheit, und deshalb wird es sie weiterhin geben. Und wenn die großen Häuser unter­gehen, werden die kleinen Ensembles, die schon heute lieber Theater, Tanz und Musik anstatt Ideologie verbreiten, weiter existieren, wenn nicht sogar eine neue Blütezeit erleben. Dann aber ohne den Staat, und das wird die Gräben in der Gesell­schaft weiter vertiefen. Dass Berlin den Anfang machte, scheint gerade histo­rische Wahrheit zu werden.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung  des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

Teilen Sie sich mit: