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KLÄNGE DER NACHT
(Ensemble Correspondances)
Besuch am
9. Juni 2017
(Einmaliges Gastspiel)
Statt Schwarz-Gelb wären vertikales Blau-Weiß-Rot die passenden Farben für eine Beflaggung dieses Konzertabends in der St. Bonifatius-Kirche in Dortmund. Französische Barockmusik des 17. Jahrhunderts steht auf dem Programm.
Sébastien Daucé, rühriger Gründer und Leiter des Ensemble Correspondances hat gleich mehrere Entdeckungen mitgebracht, die hier in Dortmund zum ersten Mal zur Aufführung gelangen. Mit neun Gesangssolisten und acht Instrumentalisten ist sein Ensemble mit Sitz im normannischen Caen durchaus überschaubar, aber bestens vorbereitet, das hohe Kirchenschiff von St. Bonifatius klangreich zu füllen. Mit Kompositionen von de Chanty und de Boësset bis Moulinié eröffnet das Ensemble den musikalisch dichten Abend. Cembalo und Flöte beginnen, bevor der Chor mit starken Stimmen dazu kommt; ungewohnte Instrumente, darunter drei Theorben nehmen die Motive auf.
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Schon bald fällt dem Zuhörer die Transparenz der Stimmen auf. Sie alle sind bei konzentriertem Zuhören einzeln erkennbar, und doch findet der gesamte Chor zu einem gemeinsamen Klang. Die zwei Sopran- und zwei dunkleren Sopranstimmen der Damen bilden ein herrlich klares Klangbild, unter den Herrenstimmen ragt Nicolas Brooymans mit auch in den tiefsten Lagen voluminösem Bass hervor. Daucé, selbst am Cembalo tätig, hält das Ensemble eher zurück und achtet darauf, dass die Gesangsstimmen die musikalischen Linien ziehen. Das gelingt ihnen, unabhängig davon, ob sie im Solo, im Duett, mehrstimmig oder im ganzen Chor singen. Besonders ein mehrstimmiger Satz, den der Bass eröffnet, formt sich zu einem wunderschönen melodischen Quartett. Lucile Perret beherrscht gleich einen ganzen Satz von Flöten, die mal als melodieführende Oberstimme, mal mit warmem Holzton das Ensemble musikalisch führen oder als Basso continuo begleiten. In ständig wechselnden Gruppierungen präsentieren die Musiker Liebes- und Traumlieder oder leichtfüßige Balletmusiken, die vor den Zuhörern Bilder des fröhlichen Lebens an den europäischen Höfen aufscheinen lassen.

Im zweiten Teil des Abends entführt das Ensemble Correspondances seine Zuhörer in die Träume der Nacht. Kompositionen von Couperin, Constantin und Guedron neben den schon erwähnten bringen abendlich-verträumte Stimmungen oder leichte Balletmusiken, wie sie zum Teil von den Herrschern selbst komponiert wurden, um sich beim Adel gern selbst „in der Gloire des jungen Potentaten“ prachtvoll zu inszenieren. „Bei Hofe“ achtete die „illustre Gesellschaft“ durchaus darauf, dass der triste Alltag des Regierens genügend Raum ließ für die leichten, angenehmen Seiten, die sicher stellten, dass der Alltag „äußerst unterhaltsam“ werden konnte. Im „Ballet Royal de la Nuit“ sahen sich manche Herrscher gern als „Gesamtkunstwerk“.
Im dritten Teil des Abends wenden sich Komponisten und das Ensemble den nächtlichen Ungeheuern, Träumen und ihrem besonderen Reiz zu, „Schlaft bei Tage, o arme Augen!“, wenn bei Nacht die Träume den Geist verwirren. Dann sprechen die Götter miteinander und die Schatten der Nacht tanzen rein instrumental. Daucé verwandelt die Imaginationen der Nacht in filigrane musikalische Bilder. Schließlich kündigen im Schlussteil die Instrumente Morgenröte und Frühling an, ein Stimmungswandel zeichnet sich ab, „die Zeit zum Singen ist da!“.
Das Kirchenschiff als Aufführungsort erweist sich als Glücksfall und bestens geeignet für diese feine, höfische Musik, der heftige Lautstärkenwechsel eher fremd sind. Töne und Linien können sich quasi im Raum entwickeln und entfalten, ohne sich im Widerhall von Pfeilern und Rundbögen mehrfach zu brechen und sich reflektiert zu begegnen. So bleibt der Klang des Ensembles wie der Stimmen herrlich klar, wenn auch durchweg verhalten – dem Stil des barocken Musizierens angepasst.
Erst in den beiden Zugaben, die sich das begeisterte Publikum erklatscht, zeigen Daucé und sein Ensemble, dass ein wenig mehr Dynamik mehr von der Lebensfreude der barocken Musik verrät – zur Freude des hoch zufriedenen Publikums.
Horst Dichanz