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Foto © O-Ton

Music for a While

A MUSICAL BANQUET
(Valer Sabadus, Axel Wolf)

Besuch am
1. September 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Vielsaitig, Füssen, Kaisersaal

Vor dem Festi­val­pu­blikum liegt bis zum 9. September noch eine abwechs­lungs­reiche, eine wahrhaft vielseitige Zeit. Vorträge und Führungen, die Vorstellung der größten spiel­baren Geige der Welt mit Bogen, für die eigens die Rhapsodie für Riesen­geige mit Orchester kompo­niert wurde, stehen ebenso auf der Agenda wie für die abend­lichen Konzerte Künst­ler­namen, die einem auf der Zunge zergehen.

Zwei dieser Künstler stehen bereits am heutigen Abend auf der Bühne. Und sie haben ein Programm mitge­bracht, das kaum in größerem Kontrast zum gestrigen Abend der Moderne stehen könnte. Die Renais­sance hält Einzug im Kaisersaal des ehema­ligen Klosters St. Mang und schließt damit musika­lisch die Lücke zwischen dem ursprünglich dort vorhan­denen mittel­al­ter­lichen Kloster und dem späteren Barockbau, der darauf gründet. 1610 veröf­fent­lichte der englische Komponist und könig­liche Lauten­spieler Robert Dowland eine Sammlung mit Liedern, Arien und Instru­men­tal­stücken. Die „auser­le­senen Lieder der hervor­ra­gendsten engli­schen, franzö­si­schen, spani­schen und italie­ni­schen Kompo­nisten“ stellte der Sohn von John Dowland zu einem musika­li­schen Bankett zusammen.

Valer Sabadus und Axel Wolf haben aus dieser Quelle ein 15 Titel umfas­sendes Programm zusam­men­ge­stellt, das sie originell mit A Musical Banquet überschreiben und nun in Füssen vorstellen. Wieder ist der Kaisersaal ausver­kauft, wieder sieht man eine große Zahl inzwi­schen vertraut erschei­nender Gesichter, die mit gespannter Erwartung dem Auftritt des Counter­tenors und des Laute­nisten entgegenblicken.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Noch ehe die Besucher so recht regis­triert haben, dass die beiden Künstler die Bühne betreten haben, erklingen bereits die ersten Lauten­schläge und Sabadus stimmt die Arie Sta notte mi sognava an. Der Opern­sänger, dem nachgesagt wird, eine neue Generation der Counter­tenöre einzu­läuten, ist schweiß­über­strömt, begeistert aber von Beginn an mit tadel­loser Stimm­führung, wenngleich ihm die engels­gleiche Entrücktheit, die bislang seinen Gesang ausmachte, nicht zu verspüren ist, sondern mehr künst­le­ri­schem Ausdruck gewichen zu sein scheint. Es dauert keine fünf Minuten, und das Publikum ist schier aus dem Häuschen. Tiefe Verbeugung beider Künstler, Rascheln in den Noten­blättern, denn es wird vom Blatt musiziert – und Sabadus braucht das nicht als Erinne­rungs­stütze, sondern muss stellen­weise nach dem Text suchen. Schon geht es weiter mit einem franzö­si­schen Lied Si le parler et le silence von Pierre Guédron. Sabadus‘ Körper singt mit, verleiht der Alten Musik neuen Schwung. Wieder hinge­ris­sener Applaus. Dann muss Wolf die Laute umstimmen. Und endlich auch ein paar Worte von dem Laute­nisten. Er spricht nahezu übergangslos von der Bedeutung der Laute in der Renais­sance, „weil man damit alles spielen kann“ und geht kurz auf die Bedeutung des Lautenbaus für Füssen ein. Während­dessen sitzt Sabadus sprachlos am Bühnenrand. Wolf spielt drei kurze Instru­men­tal­stücke John Dowlands, ehe der Counter­tenor wieder hinzu­tritt, um In a grove most rich of shade von Guillaume Tessier zum Besten zu bringen. Das Spiel setzt sich fort.

Sabadus schweigt, Wolf erläutert zwischen­durch den Wechsel auf die Theorbe, „eine Mischung von Gitarre und Harfe“. Bei den Applausen nimmt Sabadus Wolf immer wieder in den Arm, klopft ihm anerkennend auf die Schultern. Auch wenn das musika­lische Mitein­ander stimmt, scheint da doch ein deutliches Missver­hältnis in der Rangordnung der beiden Künstler. Denn der Counter muss sich in keiner Weise hinter den Fähig­keiten des  Instru­men­ta­listen verstecken. Das Programm zeigt durchaus Ausge­wo­genheit, und Sabadus gelingt es, vergessen zu machen, dass es sich dabei um jahrhun­der­tealte Musik handelt. Er weiß, Akzente zu setzen, die Drama­turgie zu steuern und den Liedern und Arien Schwung zu verleihen, die ihnen vermutlich im Original nicht zur Verfügung standen.

Valer Sabadus und Axel Wolf – Foto © O‑Ton

Dass Sabadus dabei immer wieder auf ähnliches Ausdrucks­ma­terial zurück­greift, erstaunt. Zwar ist die Bandbreite der Musik ohnehin engen Grenzen unter­worfen, aber das hat er bislang immer leich­ter­dings überwunden. Während­dessen schiebt Wolf wiederholt auf verschie­denen Instru­menten Stücke mit durchaus respekt­ein­flö­ßenden Schwie­rig­keits­graden wie eine Toccata mit anschlie­ßender Chiaccona von Alessandro Piccinini ein. Der Eindruck wächst, dass es sich hier um einen durchaus gelun­genen Lauten­abend mit Gesangs­be­gleitung handelt. Zumal es mit der Textver­ständ­lichkeit deutlich hapert, ohne dass an anderer Stelle, beispiels­weise durch ein paar lockere Modera­tionen, Verständ­nis­hilfen angeboten würden. Das Publikum lässt sich von der merkwür­digen Unaus­ge­gli­chenheit des Abends nichts anmerken und genießt die Kunstfertigkeit.

Mit Amarilli mia bella schließt das offizielle Programm. Und wenn eine Stimme wie die von Valer Sabadus so hell leuchtet, braucht es kein Licht mehr. Also verlö­schen sämtliche Lichter mit den letzten Klängen des Liedes von Giulio Caccini. Das ist überhaupt nicht gewollt. Irgendwo sind sämtliche Siche­rungen durch­ge­brannt. Das Publikum nimmt es mit Humor und hilft mit der Taschen­lam­pen­funktion seiner Handys aus. Herrlich.

Erst bei der zweiten Zugabe scheint Sabadus aufzu­fallen, dass er bislang keinen Ton gesagt hat, und besteht darauf, Music for a While von Henry Purcell anzusagen. Warum er sich bis dahin in Schweigen gehüllt hat, verrät er aller­dings auch jetzt mit keinem Wort.

Wer den Counter­tenor kennt, weiß, dass an diesem Abend nicht Valer Sabadus dransteht. Das Publikum hält ihm zugute, dass nicht eine Sekunde lang Lustlo­sigkeit angeklungen ist. Das musika­lische Niveau stimmt – und wenn das Gerücht die Runde gemacht hätte, der Sänger leide unter hohem Fieber oder einer schweren Grippe, wäre vermutlich alles noch besser gewesen. Und die Hochachtung für Sabadus ins Unend­liche gestiegen. Ist also alles gut, wie es ist.

Weiter geht es am nächsten Abend mit Ronith Mues an der Harfe. Der Kaisersaal bleibt beim diesjäh­rigen Festival Mittel­punkt des Geschehens. Vermutlich funktio­nieren dann auch die Schein­werfer wieder, die die Bühne in ein Einheits­licht tauchen. Zum 15. Mal beweist Vielsaitig, dass es ein absolut lohnens­wertes Festival ist, das mehr als einen Höhepunkt zu bieten hat. Und während es durch den Regen zurück zum Hotel geht, wächst die Freude auf ein Wieder­sehen im kommenden Jahr.

Michael S. Zerban

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