O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Fehlender Weihnachtsglimmer

HÄNSEL UND GRETEL
(Engelbert Humperdinck)

Besuch am
9. Dezember 2017
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Die seit über 120 Jahren ungebro­chene Beliebtheit von Engelbert Humper­dincks Märchenoper Hänsel und Gretel bei Alt und Jung kann nicht darüber hinweg­täu­schen, dass sich Regis­seure heute zunehmend schwer damit tun, die Zielgruppe des Kassen­knüllers richtig einzu­schätzen. Auch wenn sich der enge Vertraute Richard Wagners das Werk als „Puppen­stu­ben­weih­fes­tival“ vorstellte und vor allem den Kindern eine Freude bereiten wollte, passen Darstel­lungen als zucker­süßes Weihnachts­märchen nicht in die heutige Regielandschaft.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Mit diesem Problem hat sich jeder Regisseur ausein­an­der­zu­setzen. Auch der in Tunesien geborene, in Deutschland noch relativ selten hervor­ge­tretene Wahl-Berliner Denis Krief am Wupper­taler Opernhaus. Knusper­häuschen, Besenritt, funkelnde Sterne und einen effektvoll explo­die­renden Backofen sucht man vergebens. Ein paar Projek­tionen von Speze­reien aus der Super­markt­theke müssen für den Hexen­zauber ausreichen, so dass der letzte Akt recht ernüch­ternd wirkt. Das können die darstel­le­ri­schen Leistungen des stimmlich recht klein dimen­sio­nierten Tenors Mark-Bowman-Hester trotz wilder Perücke und bedrohlich langer Finger­nägel kaum ausgleichen.

Gerade der besonders märchen­hafte Schlussakt wird dadurch mit einem Realismus beladen, den das Stück nicht verträgt. Dafür hält sich Krief im ersten Akt, in dem die Armut der Besen­bin­der­fa­milie im Mittel­punkt steht, zurück und beschränkt sich in der zwar kärglich ausge­stat­teten, aber weiträumig und recht gemütlich angelegten Hütte auf eine recht harmlose Darstellung des Familienlebens.

Catriona Morison als Hänsel – Foto © Bettina Stöß

Die Unent­schlos­senheit zwischen kindge­rechter Milderung und drasti­schem Realismus führt in Wuppertal, und nicht nur dort, zu einem unein­heit­lichen Gesamt­ein­druck, den Krief durch seine von ihm selbst kreierten Bühnen­bilder mit ihren teilweise eindrucks­vollen Projek­tionen verstärkt. Bilder unheim­licher Waldsze­narien, die mitunter noch bedroh­licher wirken als die Auftritte der Knusperhexe.

Die stilis­tische Gratwan­derung zwischen Kinder- und Erwach­se­nen­theater betrifft auch die musika­lische Umsetzung. Den beliebten schlichten Kinder­liedern setzt Humper­dinck mächtig „wagnernde“ sympho­nische Gemälde gegenüber, die auch in den Werken seines Idols Richard Wagner Platz finden könnten. Die neue Musik­chefin des Wupper­taler Opern­hauses, Julia Jones, betont mit viel Klangsinn und Energie die grandiosen, farbig schil­lernden Klang­bilder, wobei die klang­liche Balance zwischen Orchester und Sänger mitunter aus dem Gleich­ge­wicht gerät. Das wirkt sich nachteilig auf die Textver­ständ­lichkeit aus und überfordert kleinere, aber pointiert artiku­lie­rende Stimmen wie die der Wupper­taler Knusperhexe. Übertitel sollten allmählich auch für alle deutsch­spra­chigen Auffüh­rungen selbst­ver­ständlich sein.

An stimm­lichem Durch­set­zungs­ver­mögen fehlt es dem Rest des Ensembles freilich nicht. Heraus­ragend Catriona Morison, die den Hänsel kulti­viert und klang­schön wie einen verarmten Octavian singt, gefolgt von Ralitsa Ralinova als spiel­freudige Gretel mit ihrem hell leuch­tenden, in den Höhen freilich etwas scharfen Sopran. Makellos präsen­tiert sich das Elternpaar mit Alejandro Marco-Buhrmester und Belinda Williams. Nina Koufo­christou ergänzt mit ihrer besonders jugendlich wirkenden Stimme als Tau- und Sandmännchen das Ensemble. Ein beson­deres Lob verdient der engagierte Auftritt des Kinder­chors der Wupper­taler Bühnen.

Viel Beifall für eine unent­schlossene, gleichwohl kurzweilige Neuin­sze­nierung des Weihnachtsklassikers.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: