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Quattrocelli - Foto © O-Ton

7 ½ Uhr, sehr präcise

1. KONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. Mai 2018
(Einmalige Aufführung)

 

28. Inter­na­tio­nales Lübecker Kammer­mu­sikfest, Kolosseum Lübeck

Ein Kolosseum ist ein riesiges Amphi­theater. Zumindest solange man nicht in Lübeck ist. Da ist es ein ziemlich herun­ter­ge­kom­mener, unschein­barer Gebäu­de­komplex im Stadtteil Alt St. Jürgen. Wenigstens äußerlich. Wer das Entrée im 1980-er-Jahre-Look mit den überdi­men­sio­nalen, roten Leucht­buch­staben durch­schreitet, betritt das gepflegte Ambiente eines einfachen Konzert­saals für 300 bis 500 Gäste. Die sehr bequemen Sitze werden in den kommenden drei Tage nahezu ausver­kauft sein. Denn die Bühne eignet sich von Größe und Akustik sehr gut für das dann statt­fin­dende Kammer­mu­sikfest. Vor 28 Jahren rief es die Pianistin Evelinde Trenkner ins Leben und formte es zu einem kleinen Juwel der Kammer­musik. Ensembles aus der ganzen Welt bewerben sich um die Teilnahme. Stapel­weise Bewer­bungs­un­ter­lagen, betont Jürgen Feldhoff, der das Festival seit vier Jahren moderiert und das Programm gemeinsam mit Trenkner zusam­men­stellt. Völlig zu Unrecht steht das Wochenende im Schatten des Brahms-Festivals, das gleich­zeitig von der Musik­hoch­schule der Stadt veran­staltet wird. Und über die Stadt­grenzen hinaus kennen es die wenigsten. Eine einge­fleischte Fan-Gemeinde hält die Stellung, an der Kasse werden die meisten Besucher namentlich, viele mit Handschlag begrüßt. Und eines weiß jeder, der hierher kommt: Der Beginn aller Abende ist sieben­einhalb Uhr, sehr präcise. So stand es irgendwann vor vielen Jahren im Programmheft, seitdem ist es der running gag des Festes.

„Bis vor einigen Jahren“, erzählt Feldhoff, der haupt­be­ruflich als Ressort­leiter Kultur der Lübecker Nachrichten arbeitet, „war das hier ein Fest von wagne­ria­ni­schen Ausmaßen. Kein Abend unter vier bis fünf Stunden.“ So sind die vielen Andeu­tungen während der Begrü­ßungs­reden zu verstehen, die auf Kürzungen hinweisen. Seitdem die Abende überschaubare Maße annehmen, kommen auch schon mal jüngere Besucher vorbei, obwohl, wie aller­orten, nach wie vor der Silbersee überwiegt. Aber auch Feldhoff und Trenkner arbeiten daran, das Programm für jüngere Menschen attraktiv zu gestalten. Urauf­füh­rungen, Ensembles, die mit ungewöhn­lichen Programmen punkten und vor allem eine ausge­sprochen familiäre Atmosphäre sind die Wege, die das Festival beschreitet. Musiker und Besucher treffen sich häufig schon im Hotel, haben aber vor allem in der Pause und nach der Aufführung Gelegenheit, sich mitein­ander auszutauschen.

Jürgen Feldhoff moderiert das Kammer­mu­sikfest – Foto © O‑Ton

Zur Eröffnung des Festes glänzt die Künst­le­rische Leiterin mit einer eigenen Urauf­führung. Gemeinsam mit Sontraud Speidel präsen­tiert sie den fünften Satz aus der fünften Sinfonie Gustav Mahlers, der so genannten Katastro­phen­sin­fonie, in einer bislang nicht vorhan­denen vierhän­digen Fassung für das Klavier. Im Herbst wird eine CD dieser Inter­pre­tation erscheinen. Und damit zieht sich das Alter zurück und macht der Jugend mit ihren ungewöhn­lichen Ideen Platz. Wobei der Begriff der Jugend hier durchaus relativ in Bezug zum Alter der Altvor­deren gemeint ist. Denn schließlich feierte das Ensemble Quattro­celli im vergan­genen Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Die vier gestan­denen Manns­bilder Lukas Dreyer, Matthias Trück, Tim Ströble und Hartwig Christ sind längst über den orches­ter­üb­lichen Einsatz ihres Instru­ments hinaus­ge­wachsen. An diesem Abend präsen­tieren sie „Neue Musik“ in Form von Filmmusik. Dabei lassen sie bekannte Filmmu­siken für ihr Quartett arran­gieren oder arran­gieren gleich selbst. Während bei Times von Tim Ströble und Matthias Sayer sich die Bekanntheit noch in Grenzen hält, ist die Wieder­erkennung von Mission Impos­sible deutlich höher. Hier hat Lalo Schifrin dem Ensemble die Musik auf den Leib geschrieben. Die Begeis­terung des Publikums steigert sich sukzessive über The Message von Nate James, Hable con Ella von Alberto Iglesias und Skyfall von Paul Epworth und Adele bis hin zum absoluten Klassiker von Ennio Morricone. Spiel mir das Lied vom Tod wird hier zum Stück Musik­theater, in dem die Mundhar­monika überflüssig wird, ein Cello einen grausamen Tod stirbt und Wieder­be­le­bungs­ver­suche vergeblich bleiben. Humor der ganz feinen, hinter­grün­digen Art, der das Publikum zutiefst entzückt. Gut, die Auffor­derung zum Mitsingen bei der Zugabe in Form von Azzuro missglückt ein klein wenig, aber die Inter­pre­tation ist genauso eingängig und überra­schend, wie das mit Plektron gespielte Pizzicato beim Lied vom Tod.

Auch das Ebonit Saxophone Quartett glänzt mit eigenen Arran­ge­ments. Johannes Pfeuffer, Dineke Nauta, Pauline Kulesza und Vitaly Vatulya zeigen mit ihren Instru­menten nicht nur einen Ausschnitt der Saxophon-Familie in einer klassi­schen Besetzung von Tenor- bis Bariton-Saxophon, sondern übersetzen auch die Musik von Grieg, Debussy, Ravel, Haydn und Dvorak in ihre eigene Tonsprache. Da klingen zwar bekannte Elemente durch, aber im Grunde erschaffen die Künstler eine völlig neue Musik, die für sich selbst steht. Das Argument, Adolphe Sax habe seine Instru­mente „zu spät“ erfunden, um bei den klassi­schen Kompo­nisten Eingang zu finden, geht in Ordnung. Trotzdem wartet man hier immer noch auf die Kompo­si­tionen, die in anderen Genres längst Eingang gefunden haben. Also dienen die wirklich ausge­zeich­neten Arran­ge­ments bekannter Werke als Hilfs­mittel. Als höchst­will­kom­menes aller­dings. Denn hier glänzt klassische Musik so modern, wie es der Pop-Musik noch selten gelingt.

Das überwiegend ortsan­sässige Publikum applau­diert für seine Verhält­nisse geradezu enthu­si­as­tisch. Das Festival ist grandios gestartet, und die familiäre Vertrautheit setzt sich auch bei den Gesprächen zwischen Publikum und Musikern im Anschluss an die Aufführung fort. Da braucht es keine Premie­ren­feier. Die Ungezwun­genheit begeistert. Die Vorfreude auf die folgenden Abende steigt.

Michael S. Zerban

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