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Foto © Christoph Krey

Lieber schlecht sein

NIMM MICH HIN, DEIN WILL!
(Mellow Melange)

Besuch am
15. Juni 2018
(Einma­liges Gastspiel)

 

Shake­speare-Festival Neuss, Globe-Theater

Gerade eine Woche ist es her, dass Petra-Janina Schultz als Herzogin von Cambridge in dem Stück King Charles III, mit dem das Shake­speare-Festival eröffnete, das Publikum begeis­terte. Jetzt ist die Schau­spie­lerin aus dem Ensemble der Bremen Shake­speare Company kaum wieder­zu­er­kennen. Nicht mehr in Blank­versen gefangen, spielt sie locker auf und eröffnet einen Konzert­abend, den man so noch nicht erlebt hat. Ihre These lautet, Deutschland habe drei wichtige Dichter: Goethe, Schiller und Shake­speare. Und damit ist das Eis gebrochen.

Schultz erklärt dem Publikum auch gleich, warum Gymna­si­al­lehrer seit Genera­tionen so scharf auf die Sonette von William Shake­speare sind. Es gibt kaum Safti­geres als diese Form der Poesie, verkleidet in gleich­mä­ßiger Metrik. Da werden gleich zwei Geschlechter angebetet, Selbst­zweifel in der Liebe aufge­spießt und der Ironie keine Grenzen gesetzt. 154 Sonette hat Shake­speare ins rechte Maß gesetzt, 21 davon hat die Band Mellow Melange für ihr Programm ausge­wählt, das bereits auf CD veröf­fent­licht ist. Das Album hat prompt einen Preis eingeheimst.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Publikum



Chat-Faktor



Aber im Neusser Globe-Theater wird nicht einfach das Programm herun­ter­ge­spult. Vielmehr erlebt das Publikum, was es beispiels­weise in Opern­häusern vergeblich sucht. Mellow Melange hat fröhlich drauflos kompo­niert und die Sonette in musika­lische Höhepunkte übersetzt. Schultz wiederum übersetzt die Texte ins Deutsche und lässt das Publikum so an den Einfällen Shake­speares teilhaben. Bunt wird es, drama­tisch, lebhaft, abwechs­lungs­reich. Die Schau­spie­lerin wirft der Band die Bälle zu.

Foto © Christoph Krey

Und Mellow Melange nimmt sie dankbar auf, antwortet mit einem ganzen Instru­men­tenpark. An vorderster Front steht Sonja Firker. Die Sängerin und Violi­nistin, die auch gleich noch Block­flöte und Autoharp spielt, singt die Sonette in wunder­baren Farben. Hier klingt nicht eins wie das andere, aber jedes schöner als das zurück­lie­gende. Michael Berger findet am Flügel Töne bis hin zum Griff in die Saiten. Matthias Schinkopf unter­stützt ihn an einer unglaub­lichen Vielzahl von Blasin­stru­menten. Vom Tenor- und Altsa­xofon über verschiedene Flöten, dann aber auch im Percussion-Bereich lässt sich Schinkopf auf das Spiel ein. David Jehn ist am Kontrabass, dem Hapi, der Mandoline, der Gitarre und selbst­ver­ständlich auch an der Block­flöte zu Hause. Letzteres übrigens ein Instrument, das die Band erstmalig in diesem Programm einsetzt. Am eindrucks­vollsten ist vielleicht Ingo Höricht, der vollständig ohne Noten­blätter auskommt, aber virtuos Gitarre, Bratsche und Geige beherrscht. Ganz nebenbei ist er auch der Haupt­kom­ponist der Gruppe.

Bei einer solchen Melange kommt ein fabel­hafter Klang heraus, der sich zwischen Jazz, Klassik, Pop, Soul und Folk einordnet. Hier gibt es keine Genre-Grenzen, so genannte E- und U‑Musik verwischt vollkommen zugunsten des Themas. Während Schultz die Texte auf Deutsch voller Spannung und Dramatik dekla­miert, setzt Firker hochme­lo­diöse englische Texte dagegen. Und es gelingt den Musikern, die Luft in flirrende Erotik zu versetzen.

Gymna­si­al­lehrer sind eben klüger als andere Menschen und haben so längst die Deftigkeit Shake­spear­scher Texte erkannt. „Lieber schlecht sein, als bloß für schlecht zu gelten. Wenn man sich schon, weil ich’s nicht bin, so nennt, und uns die Lust verdirbt, weil and’re schelten, was unser Fühln doch nur als gut erkennt“, na dann sind doch wohl alle Grenzen geöffnet. Wenn das Festival einen Pulsschlag hat, ist an diesem Abend der Grad erreicht, an dem Herzkranke vorsichtig werden sollten, weil er in bedenk­liche Höhen getrieben wird. Eine A‑cap­pella-Zugabe rundet einen vollends gelun­genen Abend ab.

Das Publikum im endlich vollbe­setzten Globe-Theater weiß gar nicht, wohin mit seiner Begeis­terung. Zwischen­ap­plause sind dieser Begeis­terung geschuldet, ob sie nun passen oder nicht. Und dass am Ende die Bohlen von den Fußtritten dröhnen, ist auch keine Überra­schung mehr.

Da fühlt sich Schultz am Ende bemüßigt, sich noch einmal bei der Organi­sation des Festivals explizit zu bedanken. Eine schöne Geste, die dem Geist des Festivals entspricht.

Michael S. Zerban

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